Novelle

Wurstpapier darf nicht mehr mitgewogen werden

12. November 2010, 09:50

Ab 1. Jänner 2012 muss "Tara-Taste" gedrückt werden - Handel protestiert gegen Neuerung

Wien - Beim Kauf von Wurstwaren oder Käse in der Feinkostabteilung wird das Verpackungsmaterial mitgewogen. Je nach Produkt macht das Wurstpapier fünf bis sechs Prozent des Gesamtpreises aus, ermittelte der Verein für Konsumenteninformation (VKI). Damit soll bald Schluss sein. Kommenden Dienstag wird Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner eine Novelle des Maß- und Eichgesetzes in den Ministerrat einbringen. Darin wird festgelegt, dass Feinkostmitarbeiter ab 1. Jänner 2012 die "Tara-Taste" drücken müssen, um zu verhindern, dass die Verpackung mitgewogen und vom Kunden mitgezahlt wird.

Richard Franta, Geschäftsführer des Bundesgremiums des Lebensmittelhandels in der Wirtschaftskammer, hält die Regelung für "überflüssig", da die Tara-Taste auf Wunsch des Kunden schon jetzt gedrückt wird und sich der Handel in der Vergangenheit kein Körberlgeld mit dem Wurstpapier erwirtschaftet habe. Die Konsumentenschützer sehen das etwas anders. "Der Grund, warum sich der Handel so wehrt, ist, weil sie damit Millionenbeträge verdienen", hieß es. Franta hält dem entgegen, dass der Wettbewerb im Lebensmitteleinzelhandel schon dafür sorge, dass die Preise gering sind und die Händler dazu gezwungen werden, knapp zu kalkulieren. "Von einer Täuschung oder gar Schröpfung des Konsumenten kann in jedem Fall nicht die Rede sein", meinte er.

Franta befürchtet, dass es durch die neue Regelung zu Verzögerungen bei der Abwicklung im Feinkostbereich kommen wird. Die Handelsbeschäftigten hätten keine Freude, weil sie letztlich verantwortlich seien, wenn sie vergessen, die Tara-Taste zu drücken. Konsumentenschützer können die Aufregung des Handels nicht verstehen und sehen keinen Zeitverlust bzw. irgendeine Umständlichkeit. Für Händler, die keine Waage mit Tara-Funktion haben, gebe es ohnehin eine Übergangsfrist bis 31. Dezember 2015. In Deutschland ist der Handel schon seit mehreren Jahren verpflichtet, beim Verkauf loser Waren das Nettogewicht als Preisgrundlage zu verwenden.

Ausnahmen im Großhandel

Laut Wirtschaftsministerium wird es Ausnahmen im Großhandel, beim Verkauf loser Süßwaren und wenn der Kunde die Ware selbst wiegt, also beispielsweise Obst oder Gemüse im Selbstbedienungsbereich, geben. Dort entfällt das verpflichtende Drücken der Tara-Taste. Außerdem dürfen dünne Trennblätter mit einer Masse von höchstens 1 Gramm zwischen einzelnen Wurst- oder Käsescheiben weiterhin mitgewogen werden. Kunden können allerdings darauf bestehen, dass die Ware ohne Trennblätter verpackt wird.

Die Arbeiterkammer regt sich schon seit Jahren darüber auf, dass Konsumenten das Wurstpapier mitbezahlen müssen. Das Problem liegt laut Konsumentenschützern darin, dass die Verpackung zum Wurstpreis in Rechnung gestellt wird. Kaufe man eine teure Wurst, erhöhe sich auch automatisch der Preis für das Papier.  (APA)

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cirkel von amn
00
6.12.2010, 08:30

"Richard Franta, Geschäftsführer des Bundesgremiums des Lebensmittelhandels in der Wirtschaftskammer, hält die Regelung für "überflüssig", da die Tara-Taste auf Wunsch des Kunden schon jetzt gedrückt wird und sich der Handel in der Vergangenheit kein Körberlgeld mit dem Wurstpapier erwirtschaftet habe."

äähm t'schuldigung? geht's noch? "auf wunsch des kunden" werden auch bei UPC die erlagscheingebühren nicht mehr eingemahnt. was aber heisst, dass das ausschliesslich auf wunsch des kunden passiert. wenn man das nicht ausdrücklich verlangt, wird also eben sehr wohl ein körberlgeld verdient! bei UPC, beim wurschtpapier, egal wo. die GIS zwingt einen sogar, als nichtradiohörer zur anmeldung wenn man internet hat. körberlgeld ist nichts neues.

Calimero22
00
6.12.2010, 07:59

auf wunsch ... haha, die meisten werden, wie ich, gar nicht daran denken. keine freude ... noch besser, vieles im job ist nicht angenehm, trotzdem notwendig (händewaschen im gastrobereich zb ;-)). die fristen sind ja überhaupt das beste ... übergangsfrist bis 2015 (sogar meine 10€-waage hat eine tara-funktion), gültig erst ab 2012.

trockenes brot
01
4.12.2010, 13:15

wahre geschichte eines grossen unternehmens aus deutschland: ein fleissiger einkäufer verhandelte neue konditionen mit dem wurstpapierleiferant und wie es in der papierindustrie üblich ist gibts billiger nur mit weniger papiergewicht.

nur wurde dies nicht mit dem feinkostdirektor besprochen und so schmälerte der gute die feinkostmarge weil das papier mitgewogen wurde.
was ihn nicht beliebt machte

Bertel Mann
00
9.12.2010, 19:28
Eigenartig an dieser "wahren Geschichte aus Deutschland": in Deutschland darf das Papier schon längst nicht mehr mitgewogen werden

Im Gegensatz zur Situation bei uns...

living reef
00
4.12.2010, 09:32
ehrlich

wer schaut wirklich auf die waage und kontrolliert ob die tara taste gedrückt wird?

Karl85
 
01
1.12.2010, 21:48
Schuss in den Ofen

Lernt man's denn nie wie Kaufleute denken: Dann wird halt die Wurst und der Käse bei der nächsten Teuerung einen Papierlausgleich dazugerechnet bekommen und das gleich mit ein bissel unbemerktem Aufrunden. Nona. Es wird in Zukunft teurer werden als wie wenn man den Mund gehalten hätte. Außerdem könnte man ja sagen, bis jetzt waren die Verpackungskosten abgegolten. Jetzt kommt ein Papierl-Zuschlag. Aufgerundet natürlich. Hörts endlich auf zu helfen, bitte!

Ron Jeremy 2000
00
27.11.2010, 21:00
naja wers braucht

oiso bei mia beim adeg haut mir die wursttante eh meist 13 deka drauf wenn ich 10 deka wurschti bestell.

deafs a bissal mea sei?

jo lossens as so.
daung sche
wiedaschaun

Mathias1337
00
1.12.2010, 13:54
Frei nach Hader

"gems ma vo irgendana Wuascht, sovüs woin" :D

With Fear I Kiss The Burning Darkness
01
17.11.2010, 07:51
Für Händler, die keine Waage mit Tara-Funktion haben, gebe es ohnehin eine Übergangsfrist bis 31. Dezember 2015.

da haben sich wohl wieder die WKO Lobbyisten durchgesetzt...

El Lute
00
14.11.2010, 11:37

Wir haben uns heuer über das Mitwiegen des Einpackpapiers bei der SPAR-Zentrale beschwert. Im Antwortbrief steht u.a.: "Verpackungsmaterial ist bei jeder Art von Produkt Bestandteil der Produktkalkulation ... Bei offener Ware wie Fleisch, Wurst oder Käse ist genauso für das Verpackungsmaterial zu bezahlen, nur hier ist es am jeweiligen Artikelpreis noch nicht mit einkalkuliert, sondern wird mitgewogen. Im gesamten österreichischen Lebensmittelhandel - vom Supermarkt, über die Fleischer bis hin zu Feinkostläden und dem Jausenstandel, ist es allgemein üblich, so zu verfahren. Es handelt sich also um eine branchenübliche Vorgehensweise, vor allem auch, weil es derzeit keine praktikable Alternativlösung gibt."
Kein weiterer Kommentar ...

El Lute
01
14.11.2010, 11:30

Kunde: "Liebes Fräulein Verkäuferin, Sie haben vergessen, die Tara-Taste nach dem Auflegen des Papiers zu drücken!" Fräulein Verkäuferin: "Diese Waage hat keine Tara-Taste. Daher gilt das erst ab 2015!"
Die Handelsketten werden Waagen ohne Tara-Taste in Einsatz bringen und bis Anfang 2015 das Einpackpapier zum Schinkenpreis mitverkaufen. Die jetzt verwendeten Waagen mit Tara-Taste werden eingemottet und erst Anfang 2015 ausgepackt.

Bist du fett?
14
13.11.2010, 16:11

Auf Wunsch des Kunden wird die Taste auch jetzt schon gedrückt? WTF!?!? Muss ich tatsächlich ausdrücklich sagen, dass ich für Papier nicht den gleichen Preis bezahlen will wie für Parmesan? Diese Regelung ist doch ohnehin schon längst überfällig. Warum noch bis 2012 warten? Die Familienbeihilfe kann man in wenigen Wochen streichen, aber bei einem einzigen Tastendruck braucht man eine Übergangsfrist von über einem Jahr?

sixela
41
13.11.2010, 11:19
Was ist bitte die Tara-Taste?

Und woher kommt der Begriff, ich höre ihn zum ersten Mal? Ich meine, ich kann mir jetzt vorstellen, was gemeint ist, aber sowas sollte man in dem Artikel erwähnen.

nicht weinen
03
6.12.2010, 07:24
Wurstverkäuferin?

Calimero22
00
6.12.2010, 08:00

hihi, der war gut :-)

Winter Max
10
17.11.2010, 02:04

Nachdem Sie in der Lage sind, hier Postings abzusondern, werden Sie doch wohl auch in der Lage sein, der Firma Google einen Besuch abzustatten. Und sollten Sie der glückliche Besitzer einer dgitalen Küchenwaage, so empfehle ich Ihnen, sich einmal in die Bedienungsanleitung zu vertiefen - Sie werden erstaunt sein, wozu man diese geheimnisvolle Taste sonst noch brauchen kann.
Das ist ja alles nicht avancierte Quantenphysik, das mit dem Wurstpapier.

Cavaliere Huscher
13
13.11.2010, 16:13

Tara ist die Tochter des unvergesslichen Ex-Finanzministers mit der Unschuldsvermutung.

El Lute
10
14.11.2010, 11:42

Köstlich! Gratuliere!

Cavaliere Huscher
11
14.11.2010, 16:05

Nun, das Lob für diesen fragwürdigen Humor gebührt wohl eher dem Vater als mir.

ranchorelaxo
06
13.11.2010, 08:50

warum denn "schon" ab 2012?
nur keinen stress ...

Zenon
00
14.11.2010, 00:58

Damit die Zeit bis zur Abschaffung nach der Nationalratswahl nicht zu lange ist.

Jack Soboth
00
13.11.2010, 02:41

das sagt didi kühbauer dazu:
http://www.youtube.com/watch?v=4C21IEK27B0

Pepi friß weniger
01
13.11.2010, 01:11

Pepi wird sich die Wuwu künftig direkt in den Mund schneiden lassen.

jose luis schuster
01
12.11.2010, 23:48

wer glaubt, dass er dann für die wurst weniger bezahlt, und die supermarktketten jetzt x millionen weniger "stehlen" ist schwachsinnig.

BrainDrainer
00
12.11.2010, 23:26

Da fällt mir die Seniorchefin der Grazer Metzgerei Mooshammer ein. Sie hat grundsätzlich nach dem Drucken des Bons beim Wägen eines Wurstaufschnitts (für Semmel oder nur so) das oberste Blatt Wurst selbst heruntergegessen. Hat also auch immer der Kunde mit bezahlt.

So lange in der Feinkostabteilung nur ein Blatt Papier genommen wird, ist mir das egal. Manche verwenden allerdings mehrere Blätter (sogar nach Anordnung des Geschäftsführers bzw. Besitzers) und das finde ich geht stark Richtung Betrug.

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