Die Vierbeiner bauen beim Trinken eine Flüssigkeitssäule auf
Washington - Katzen bauen beim Trinken mit ihrer Zunge eine
Flüssigkeitssäule auf, von der sie im genau passenden Moment "abbeißen". Dieses
Verhalten ist nach der Beobachtung von US-Forschern ein brillantes Beispiel für
die Nutzung der Fluiddynamik. Das Team um Roman Stocker vom Zoo in Boston
stellt seine Studie im Journal "Science" vor.
Flüssigkeitssäule
Bisher wurde vermutet, dass Katzen - wie Hunde - beim Trinken ihre Zunge zu
einer Art Suppenkelle biegen, um Milch oder Wasser in sich "hineinzulöffeln".
Die neuen Bilder zeigen aber etwas anderes. Statt die Zunge tief einzutauchen,
bauen die Vierbeiner mit einer minimalen Bewegung der Zungenspitze eine
Flüssigkeitssäule auf. Dazu legen sie ihre Zunge auf die Wasseroberfläche und
ziehen sie zurück.
Dabei schnellt etwas Wasser in einer kleinen Säule nach oben. Später beißen
die Tiere instinktiv im perfekten Moment von der Wassersäule ab. Sie wüssten
genau, wann sie ihr Maul schließen müssten, ehe die Säule wieder in sich
zusammenfällt, heißt es in "Science".
Beobachtungen und Versuche
Stocker hatte die Idee zu dem Projekt, als er vor dreieinhalb Jahren seinen
eigenen Kater Cutta Cutta beim Trinken beobachtete. Er und sein Kollege Pedro
Reis warteten viele Stunden darauf, das Tier beim Trinken mit digitalen Kameras
filmen zu können.
Außer den eigenen Hochgeschwindigkeitsvideos werteten die Wissenschafter auch
Material von YouTube aus. Zudem bastelten sie eine Roboterzunge, um die
physikalischen Prinzipien besser untersuchen zu können. Es zeigte sich, dass
Katzen - egal welcher Größe und Art - instinktiv die Prinzipien der
Flüssigkeitsdynamik beherrschten. Cutta Cutta und seine Artgenossen bewegen ihre
Zunge viermal pro Sekunde. Großkatzen wie Tiger wüssten, dass sie langsamer
schlabbern müssten, um den perfekten Moment zu erwischen.
Froude-Zahl
Die Wissenschafter ermittelten zudem die sogenannte Froude-Zahl, mit der
hydrodynamische Strömungsbedingungen wissenschaftlich beschrieben werden. Sie
liege bei fast genau eins. Dabei spiele es auch keine Rolle, ob es sich um
Haustiere oder Wildkatzen handle. Die Vierbeiner regelten ihren Zungenschlag je
nach Körpergröße so, dass sie diesen Wert erreichten und damit die größtmögliche
Flüssigkeitsmenge aufnehmen könnten.
"Daraus lässt sich schließen", sagte der an der Untersuchung beteiligte
Mathematiker Jeff Aristoff von der Princeton University, "dass Katzen schlauer
sind, als manche Leute denken, zumindest, wenn es um Hydrodynamik geht." (APA/red)