Wie wir unsere Schmerzen riechen und hören können

11. November 2010, 18:25
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    illustration: imba

    An Fruchtfliegen, Mäusen und Menschen untersuchten die Molekularbiologen die Variationen von Schmerzgenen und deren Wirkung auf Empfindungen.

Ein Forscherteam in Wien untersucht, warum Sinneseindrücke manchmal quer durch Hirnregionen gehen

Wien - In der traditionellen Psychologie werden sinnesspezifische Reizorgane auseinandergehalten: Rezeptoren im Auge sind zum Sehen da, die im Ohr zum Hören; andere sind für Schmerz zuständig. "Synästhesie" als Konzept scheint nur zu stören.

Nun haben aber österreichische und US-Forscher in einer Untersuchung von Schmerzempfinden festgestellt, dass ein dafür verantwortliches Gen im Zusammenhang mit eben dieser Synästhesie steht. Menschen mit dieser Fähigkeit empfinden also etwa Worte als Farben oder Klänge als Bilder und sind zudem überdurchschnittlich kreativ.

Etwa einer von fünf Erwachsenen leidet unter akuten oder chronischen Schmerzen. Dabei ist die Intensität, mit der Schmerz empfunden wird, von Mensch zu Mensch verschieden - wobei die genetische Veranlagung eine große Rolle spielt. Bisher sind die beteiligten Gene und die molekularen Mechanismen der Schmerzentstehung jedoch noch großteils unbekannt.

Ein Team um die Molekularbiologen Josef Penninger und Greg Neely vom Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien und den Neurobiologen Clifford Woolf von der Harvard Medical School veröffentlichte soeben ihre Suche nach Schmerzgenen in Cell. Sie untersuchten nahezu alle Gene der Fruchtfliege auf ihre Rolle bei der Schmerzempfindung und fanden rund 600, die an der Schmerzverarbeitung beteiligt sind. Eines ist für die Bewegung von Kalzium-Ionen durch Zellmembranen verantwortlich, ein Mechanismus, in den auch einige Schmerzmittel eingreifen.

An Freiwilligen, die genetische Varianten im Bereich dieses Gens aufweisen, wurde tatsächlich ein geringeres Schmerzempfinden festgestellt. An Mäusen mit Genmutationen wiederum wurde beobachtet, dass das Schmerzsignal zwar unverändert in einer ersten Schaltzentrale des Gehirns ankommt. Von dort wird es jedoch nicht in die Gehirnrinde weitergeleitet, wo der Schmerz erst bewusst wird, sondern in andere Gehirnregionen auf, die für optische, akustische, oder olfaktorische Eindrücke stehen. Offensichtlich sehen, hören oder riechen die genveränderten Mäuse den Schmerz, anstatt ihn zu fühlen.

Solche Synästhesie betrifft etwa vier Prozent der Bevölkerung. Sie ist laut IMBA erblich und wird mit gesteigerter Intelligenz und Kreativität in Verbindung gebracht. "Diese Ergebnisse kamen für uns völlig unerwartet", erklärte Penninger in einer Aussendung, "wir haben vermutlich das erste Tiermodell zur Hand, an dem sich Synästhesie studieren lässt - ein neuer Zweig der Neurobiologie."

Die Wissenschafter sagen, sie hätten hunderte neue Kandidaten-Gene für Schmerzwahrnehmung identifiziert, und viele davon würden sie beim Menschen wiederfinden. "So können wir das Phänomen Schmerz auf molekularer Ebene verstehen." Penninger rechnet langfristig mit der Entwicklung neuer Schmerzmedikamente und der Möglichkeit, individuelle Vorhersagen über das Schmerzrisiko von Patienten treffen zu können. (APA, mf, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12. November 2010)

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10 Postings
Freund der Sanktionen
00
12.11.2010, 14:59
Nichts Neues.

Die sogenannte Hemicrania sine dolore, also quasi eine Migräne ohne Schmerzen, die zB mit optischen Empfindungen einhergeht, wird schon im Altertum beschrieben...

Ulrich Nagel
00
12.11.2010, 18:05

Neu ist aber dass es ein bausmodell gibt, anfaenge eines mechanismus und noch ein neues gen (unter vielen anderen), das schmerzempfineden steuert.

J.M.K.
 
00
12.11.2010, 13:16
Kreativer?

Blutgeruch und Geschmack kam mir hoch obwohl ich mir nur meinen Finger derbe wo angehauen habe!
Bin ich so jemand? Nun ja ich spiele etwas Bass, Saxophon, Klavier und Gitarre, zudem denke ich sehr gerne nach, bin noch jung und schaffe es lockerst Zeugen Jehovas verwirrt grinsend und sprachlos dastehen zu lassen. Doch womit sollte ich meinen Vorteil beweisen7vermarkten? Empathie lässt nicht schmecken.

her wig
00
12.11.2010, 08:21

Ich warte auf die genetische Erklärung für die Chakra-Seher. Dann werden viele Menschen plötzlich vom Abwehr in den Ehklar-Modus wechseln, als ob ihnen jemand einen Schalter umgelegt hätte.

Ulrich Nagel
00
12.11.2010, 18:12

das wird vielleicht kommen, aber eher nicht so wie sie es sich wuenschen.
vielleicht irgendwas mit ueberaktivitaet in den sehnerven, die die leute unscharf oder das auge nicht ordentlich fokussieren laesst, woraufhin sich das hirn irgendwas dazudichtet - siehe optische stoerungen (war jetzt alles spekulation auf eine moegliche simple erklaerung).
Die leute die "Abwehr" gegen rationale erklaerungen haben werden aber befuerchte ich trotzdem nicht in den ehklar modus wechseln.

Neuer Nick neues Glück
00
12.11.2010, 08:24

Wäre vermutlich auch so, wenn eine seriöse Studie die Wirksamkeit von Homöopokus nachweisen würde.
Oder die relle Existenz Gottes.
Wird nur leider nie passieren, also kannst du ewig warten.

her wig
00
12.11.2010, 09:17

Bei dem Homöozeugs habe ich keine Ahnung was das soll, aber die Chakren gibt's so sicher wie die Schmetterlinge im Bauch.

marty fink
00
12.11.2010, 14:28
Steht wo?

her wig
00
13.11.2010, 22:23

Entweder Sie können es selber wahr nehmen, oder Sie vertrauen blind auf das was andere ihnen sagen, oder sie lehnen es ab, oder Sie warten darauf bis es jemand objektiv - von aussen - irgendwie nachvollziehen kann. Ich wüsste aber nicht dass letzteres schon geschehen wäre. Und andere Quellen werden Sie vermutlich nicht akzeptieren, also: vergessen Sie den Unsinn.

Neuer Nick neues Glück
00
12.11.2010, 10:07

Ja eh, Schwingungsfrequenz und so.

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