Rücktrittsangebot von Parteichefin Sahlin nach Wahldebakel - Medien konstatieren "völliges Chaos"
Stockholm - Bei den schwedischen Sozialdemokraten ist nach dem Rücktrittsangebot von Parteichefin Mona Sahlin eine offene Führungskrise ausgebrochen. Sahlin, die mit dem mittlerweile aufgelösten rot-grünen Bündnis bei den Parlamentswahlen am 19. Oktober eine Schlappe einstecken musste, schlug am Mittwoch (gestern) vor, den gesamten Parteivorstand bei einem Sonderparteitag zur Disposition zu stellen.
Schwedische Medien diagnostizierten am Donnerstag "völliges Chaos" ("Aftonbladet") bei den Sozialdemokraten, konstatierten aber auch Erleichterung ("Jetzt ist der Pfropfen gelöst" - "Expressen") über den Schachzug Sahlins. Viele politische Beobachter hatten mit dem Rücktritt der 53-jährigen Sahlin unmittelbar nach der verlorenen Wahl gerechnet.
Bisher ist kein Kandidat für Sahlins Nachfolge in Sicht. Spekuliert wird unter anderem, ob der populäre ehemalige Justizminister Thomas Bodström ins Rennen um die Parteiführung gehen könnte. Bodström hatte seinen Sitz im Reichstag nach einem Richtungsstreit innerhalb der Partei erst vor kurzem aufgegeben.
Bereits vor vier Jahren hatten die Sozialdemokraten Probleme, eine Nachfolgerin für den nach der Wahlniederlage 2006 zurückgetretenen Premier Göran Persson zu finden. Damals lautete die interne Parole, der neue Parteichef müsse eine Frau sein. (APA)