Höhere Statin-Dosis verhindert mehr Herzinfarkte

11. November 2010, 12:13
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Auch bei niedrigem vaskulärem Risiko könnte die Behandlung Vorteile bringen - Experten warnen jedoch vor möglichen Nebenwirkungen

Oxford/Sydney - Eine Erhöhung der Dosis von Cholesterin senkenden Medikamenten könnte eine noch weit größere Anzahl an Herzinfarkten und Schlaganfällen verhindern. Britische und australische Wissenschaftler haben die Standardbehandlung mit Statinen mit einem intensiveren Ansatz verglichen. Die Forscher kommen zu dem Ergebnis, dass eine höhere Dosierung die Anzahl der Herzanfälle und Todesfälle um 13 Prozent senken könnte.

Nebenwirkungen

Details der Forschungsergebnisse wurden in The Lancet veröffentlicht. Die Experten warnten aber, dass höhere Dosierungen des am häufigsten verwendeten Statins auch zu einer starken Zunahme von Nebenwirkungen führen könnten. Allein in Großbritannien nehmen fast zwei Mio. Menschen Statine ein. Ein Medikament ist sogar in Apotheken für Patienten mit einem "mäßigen" kardiovaskulären Risiko frei erhältlich.

Einige frühere Studien sind davon ausgegangen, dass höhere Dosierungen deutliche Vorteile mit sich bringen könnten. Die beiden in The Lancet veröffentlichten Studien wurden von der Clinical Trial Service Unit and Epidemiological Studies Unit (CTSU) und dem NHMRC Clinical Trials Centre  durchgeführt. Sie analysierten die Ergebnisse von Dutzenden anderen Tests und sollten eine zuverlässigere Beurteilung der Vorteile und Risiken ermöglichen.

Für die erste Studie wurde die Standardbehandlung mit einer Intensivbehandlung verglichen. Die Folge war ein weiteres Absinken des LDL-Cholesterins. Es kam auch zu einer Verringerung von 15 Prozent bei großen vaskulären Ereignissen. Dazu gehörte eine Senkung der Herztode und nicht tödlichen Herzanfälle um 13 Prozent, 19 Prozent weniger Operationen zur Behandlung von Herzerkrankungen und 16 Prozent weniger Schlaganfälle.

Intensive Behandlung

Die zweite Studie ergab ebenfalls eine Senkung des LDL-Cholesterins und vaskulärer Ereignisse. In ihrem Kommentar bestätigen Bernard Cheung und Karen Lam von der University of Hongkong, dass Menschen mit einem deutlich ausgeprägten Risiko eine intensive Behandlung erhalten sollten. Auch bei niedrigen Werten könnte dieser Behandlungsansatz Vorteile bringen. Allgemein würden Statine zu wenig eingesetzt. Es sei daher absolute Priorität, jene Personen zu identifizieren, die am meisten von einer Behandlung profitieren.

Die Autoren der Studie warnten jedoch davor, dass allein die Erhöhung der Dosis von Simvastatin, dem in Großbritannien am häufigsten eingesetzten Medikament, auch eine gegenteilige Wirkung haben könnte. Zu den möglichen Nebenwirkungen einer geringen Dosierung dieses Medikaments gehört mit der Myopathie eine Muskelschwäche. Sie kann bei schweren Fällen zu einer ernsthaften Schädigung der Muskeln führen. (pte)

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    Infarktrisiko lässt sich mit höheren Statin-Dosen senken

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