"Die Agape gibt's dann beim Taschler"

10. November 2010, 17:00
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Zu Gast im kleinen Buschenschank Taschler im Wiener Kahlenbergerdorf

"Die Kruste vom Kümmelbraten ist die beste von ganz Wien!" Das Ehepaar aus dem neunten Bezirk besucht den Buschenschank heute allerdings nicht aufgrund seines guten Bratens, sondern wegen des Auftritts der 16er Buam, die jedes Monat hier gastieren. Heute kommen auch Freunde des Ehepaars extra aus Bayern angereist, ebenfalls ergebene Fans des Wienerlied-Duos. Nach und nach füllen sich die ausnahmslos reservierten Tische.

Eine Art Dorftreffpunkt

Als die Taschlers vor fünf Jahren aus Sievering hierher ins Kahlenbergerdorf übersiedelten, wurden sie von der Dorfgemeinschaft sehr gut aufgenommen. Da das alte Haus in der Geigeringasse immer schon ein Heuriger war, gab es zum Glück keine Konkurrenzprobleme mit anderen Betrieben im Ort. So avancierte der Buschenschank zu einer Art Dorfgasthaus, zu einem Dorftreffpunkt, wo man auch sonntags nach der Kirche auf ein Achterl vorbeischaut.

Hobby zum Beruf gemacht

Herr Taschlers Familie hatte keinen Weinbaubetrieb, sein Interesse dafür war aber bereits in seiner Kindheit sehr ausgeprägt. Als kleiner Bub war er bei Bekannten im Weingarten immer dabei: "Das war mein Hobby, und ich habe es zum Beruf gemacht." Auch für seine Lebensgefährtin Ulrike war die Liebe zum Wein immer schon da, und diese wurde durch ihre Beziehung und ihre Arbeit noch stärker: "Ich bin immer gern zum Heurigen gegangen, dann habe ich einen Heurigenwirt kennen- und lieben gelernt und jetzt arbeite ich hier. Ja, so ist das!"

Schubert und Beethoven

Auf seinen fünf Hektar Weingärten, die von Sievering bis ins Kahlenbergerdorf reichen, pflanzt der Weinbauer traditionell den Gemischten Satz - so die Bezeichnung gemischt ausgepflanzter verschiedener Rebsorten in einem Weingarten. Außerdem Grünen Veltliner, Weißburgunder, Rheinriesling und einige spezielle alte Sorten - diese aber nur in kleinsten Mengen.  Wie zum Beispiel den Österreichisch Weiß, sein Liebkind, der "vor der Reblaus die Hauptsorte in unserem Gebiet war. Das ist der Wein, den der Schubert und der Beethoven getrunken haben."

Drei, vier mal die Woche

Vereinzelt besuchen Touristen den kleinen Buschenschank im Kahlenbergerdorf, meist sind es dann Gäste, die selbst aus einem Weinbaugebiet kommen. Die Hauptkundschaft der Taschlers sind allerdings ihre Stammgäste. "Es ist immer so nett, ich geh' so gern her," schwärmt etwa Herr Gattereder, der seit zweiundzwanzig Jahren im Kahlenbergerdorf wohnt und "also schon fast ein Einheimischer" ist. "Sicher drei, vier Mal die Woche" ist er hier, trinkt einen Gemischten Satz oder einen Jungwein - der diese Tage fertig sein sollte - und unterhält sich mit den sympathischen Wirtsleuten.

Sturm, Staubiger, Jungwein

"Der Heurige ist klein, überschaubar, und ich weiß, wo der Wein herkommt," meint ein anderer Stammgast, ein Kärntner, der seit 20 Jahren in Wien lebt und immer auf der Suche nach dem Regionalen ist. "Außerdem kann man vom 19. Bezirk so schön hierher wandern. Es ist wie so eine Mischung aus Schutzhütte und Ausflugsziel." Ihm gefällt besonders, dass man bei kleinen Buschenschanken "mehr mit den Ernteerträgen", also saisonaler lebt: "Im Herbst beginnt's mit dem Sturm, dann kommt der Staubige, dann der Jungwein und so weiter, und diese Schritte kannst du direkter nachvollziehen als bei den 'Container-Heurigen'."

Nach der Mitternachtsmette

Obwohl das Kahlenbergerdorf geografisch noch zu Wien gehört, fühlt es sich hier gar nicht mehr danach an. "Das Dorfleben wird hier noch richtig gelebt," freut sich die Wirtin. So wie am Heiligen Abend zum Beispiel. Da wird am frühen Abend noch mit der Familie gefeiert, um 22 Uhr sperren die Taschlers ihren Buschenschank auf, und nach der Mitternachtsmette kommen beinahe alle Kirchengäste hierher. "Da sagt auch der Pfarrer von der Kanzel - weil der geht auch mit! - dass die Agape dann beim Taschler stattfindet. Das Lokal füllt sich dann schnell, und es gibt viel Arbeit. Aber das macht nichts, das gehört dazu." (Jasmin Al-Kattib, derStandard.at, 10.11.2010)

 

Der echte Wiener "Heurige" und der "Buschenschank" stehen gleichermaßen für einen Gastbetrieb, der nur Wein aus Eigenbau und kaltes Buffet anbietet. Da der Begriff "Heuriger" aber nicht geschützt werden konnte, wird er auch gerne für Betriebe ohne eigenen Wein verwendet. Um zu vermeiden, mit reinen Schankbetrieben verwechselt zu werden, nennen sich daher auch in Wien einige "Buschenschank", da dieser Begriff geschützt ist und mit diversen Vorschriften versehen Wein aus Eigenbau garantiert.

  • Im echten Buschenschank oder Heurigen gibt ausschließlich Wein aus 
Eigenbau...
    foto: jasmin al-kattib

    Im echten Buschenschank oder Heurigen gibt ausschließlich Wein aus Eigenbau...

  • ...und kaltes Buffet.
    foto: jasmin al-kattib

    ...und kaltes Buffet.

  • Im Winter kann man im kleinen windgeschützten Innenhof Glühwein trinken.
    foto: jasmin al-kattib

    Im Winter kann man im kleinen windgeschützten Innenhof Glühwein trinken.

  • Der Buschenschank Taschler ist das "Dorfwirtshaus" des 
Kahlenbergerdorfs.
    foto: jasmin al-kattib

    Der Buschenschank Taschler ist das "Dorfwirtshaus" des Kahlenbergerdorfs.

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