Späterer Krankheitsbeginn

Zweite Sprache verzögert Alzheimer

10. November 2010, 11:12
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    foto: apa/barbara gindl

    Wissenschafter glauben, dass eine Zweitsprache dem Gehirn spezielle Fähigkeiten zur Kompensation verleiht, die typische Alzheimer-Anzeichen zurückhält.

Zweisprachigkeit erhöht die kognitiven Reserven des Gehirns - Symptome wie Vergesslichkeit treten später auf

Toronto/München/Wien - Wer zwei Sprachen gleichzeitig spricht, verschiebt damit den möglichen Beginn von Alzheimer und dessen Symptomen nach hinten. Das berichten kanadische Forscher in der Fachzeitschrift "Neurology". "Zwar schützt Zweisprachigkeit nicht vor Demenz im Alter, sie erhöht jedoch die kognitiven Reserven des Gehirns. Dadurch wird der Ausbruch der Krankheit deutlich hinausgezögert", sagt Studienleiter Fergus Craik vom Rotman Research Institute.

Die Forscher analysierten die Befunde von 200 Alzheimerpatienten, die teils ein- und teils mehrsprachig aufgewachsen waren. Außer in diesem Merkmal unterschieden sich die Gruppen statistisch etwa in den kognitiven Fähigkeiten, in ihren Berufen, in der Migrationsvergangenheit oder in der Geschlechtszugehörigkeit nicht. Allerdings hatte Alzheimer bei denen, die über viele Jahre zwei Sprachen gesprochen hatten, um 4,3 Jahre später begonnen als bei den Einsprachigen. Zu typischen Symptomen kam es sogar erst fünf Jahre später.

Gehirn kompensiert besser

Die Wissenschafter glauben, dass eine Zweitsprache dem Gehirn spezielle Fähigkeiten zur Kompensation verleiht, die typische Alzheimer-Anzeichen wie Gedächtnisverlust, Verwirrung oder Schwierigkeiten mit dem Problemlösen und Planen zurückhält. Sprachen könnten deshalb neben Lebensstil-Faktoren wie regelmäßiges Herz-Kreislauf-Training oder gesunde Ernährung dabei helfen, mit dem Rückgang der Gehirnfähigkeiten im Alter oder durch Krankheiten besser zurechtzukommen.

Gehirn in Schwung halten

Ob konkret die Zweitsprache dafür den Ausschlag gibt, stellt der Münchner Alzheimer-Forscher Alexander Kurz allerdings in Frage. "Vielleicht genießen Menschen mit zwei Sprachen auch bloß eine längere Ausbildung. Denn bisher ist nur erwiesen, dass Menschen mit langer Bildungszeit seltener von Alzheimer betroffen sind." Hoffnungen gebe es viele, dass eine höhere Widerstandsfähigkeit des Gehirns durch Training nachgewiesen werde. "Im Experiment kann man das jedoch aus ethischen Gründen nicht zeigen", so der Experte von der deutschen Alzheimer-Gesellschaft.

"Alles, was das Gehirn in Schwung hält, verzögert Alzheimer", betont die Wiener Neurologin und Psychiaterin Margot Schmitz. Dies könne auf Ebene der kognitiven Beschäftigung ebenso geschehen wie durch Ernährung, Bewegung und Schlaf. Eine zweite Sprache zu verstehen und zu sprechen rege das Gehirn auch aufgrund der Möglichkeit an, andere Kulturen bewusster zu erleben. "Ähnlich braucht ein Musiker beim Musikhören doppelt so viel Gehirn wie ein Nicht-Musiker, da er die Klänge weit intensiver wahrnimmt." (pte)

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13 Postings
Stefan Lindemann
00
2.12.2010, 17:27
Bin dreisprachig aufgewachsen...

Das Ergebnis ist dass ich keine so 100% kann, zB. bei Redewendungen tu ich mir manchmal schwer, und bei der Rechtschreibung verwechsle ich Worte wie zB. de:Adresse und en:address. Bin gespannt, ob ich den Unterschied immer noch weiss wenn ich mit 90 im Altzheim sitze. Ich vermute mein Einsprachiger Zimmernachbar wird es da leichter haben. :)

(Bin aber auch kein Sprachtalent)

Walter Krankheit
00
12.11.2010, 20:44

vor knapp dreißig Jahren ist doch schon nahezu jeder zweisprachig aufgewachsen, wo ist das Problem?

In meinem Bekanntenkreis sind fast alle dreisprachig erzogen worden, das ist heutzutage im Berufsleben auch bitter nötig.

obibiber
04
11.11.2010, 08:56

"zwei Sprachen gleichzeitig" :)

gastrosoph
01
11.11.2010, 06:54
Im Labor oder in der Kirche?

'Wissenschafter glauben' - nun denn. Wie unten ein Poster es treffend beschreibt: wenn das Gehirn gefordert wird, dann - höchstwahrscheinlich - spätere Demenz, wenn überhaupt. Die österreichische Bildungspolitik wirkt hingegen dagegen; aber die Spitäler müssen ja ausgelastet sein.

werwolfi
06
10.11.2010, 21:58

"Wer zwei Sprachen gleichzeitig spricht"

wow, also wer das schafft, respekt... ;o)

Chocoholic
02
10.11.2010, 19:10
Wer zweisprachig aufgewachsen ist, benutzt das gleiche Hirnareal für

Beide Sprachen, wer erst später eine zweite Sprache lernt, benutzt unterschiedliche Areale, die sich vernetzen.

Im ersten Fall strengt sich das Hirn also nicht mehr extra an, eine zweite Sprache zu verwenden, also wäre das ein Widerspruch des geforderten Hirns im Alter.

um-schul- vermutung
01
10.11.2010, 19:00
uff

auch die Mamma vom Markus Rogan muss wieder mal was publik machen...gääähnn

mediview
 
01
10.11.2010, 15:35
Wie auch immer...

Gehirn in Schwung halten - das scheint es zu sein. http://mediview.wordpress.com/

s33ka
00
10.11.2010, 17:03
auf den punkt gebracht ;)

Alfred Jodelhuber
 
04
10.11.2010, 14:12

"Zwei Sprachen gleichzeitig" spricht Salvatore aus "Der Name der Rose" und der wirkt zeimlich dement.

JuergenL
05
10.11.2010, 11:44

bin aus ebensee und spreche hochdeutsch. passt.

styliann
00
11.11.2010, 13:25

dann bist der einzige ebenseer der des kann :) ... bin selber gmunden und somit fast täglich mit deinesgleichen konfrontiert!

word8
00
10.11.2010, 11:18
ist das eine valide studie?

oder einer der mittlerweile häufig publizierten schnellschüsse? was ist mit den anderen, kurz angesprochenen faktoren (bildung, beruf, etc.)?

na ja...

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