Sand fürs Getriebe der Elektronikbranche

10. November 2010, 10:36
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Bei der Entwicklung neuer Materialien und beim Recycling wird mächtig Gas gegeben

Der Bedarf an Rohstoffen ist hoch wie noch nie. Und er wird weiter steigen, auch in der Elektronikindustrie. Ohne Rohstoffe zu leistbaren Preisen können elektronische Produkte entweder gar nicht produziert werden oder würden für viele Konsumenten unerschwinglich. Bis heute stand die Verfügbarkeit von Rohstoffen, insbesondere Metall und Kunststoffe kaum im Fokus der Elektronikindustrie, da die Kosten dafür nur einen geringen Anteil an den gesamten Produkten haben.

Mit dieser Unbesorgtheit wird es in der Branche bald vorbei sein, sagt Klaus Hieronymi, seit zwölf Jahren Umweltmanager bei Hewlett-Packard für den europäischen Raum und einer der Redner der Konferenz "Going Green, Care Innovation 2010" in Wien. Einerseits lässt sich durch Bevölkerungswachstum und den starke Anstieg der Mittelklasse in Wachstumsregionen wie China, Indien und Brasilien in den kommenden Jahre eine Verdoppelung der Nachfrage nach Elektronikprodukten erwarten.

Andererseits treten andere Industrien wie Autohersteller zunehmend in den Wettstreit um dieselben Rohstoffe ein. Akkus für Notebooks sind jenen in Elektromobilen sehr ähnlich. Ein einziges Elektroauto benötigt allerdings so viele Akkus wie 3000 bis 4000 Notebooks. Dann ist da noch das rohstoffreiche und zugleich rohstoffhungrige China, das seine Ausfuhrbestimmungen immer restriktiver gestaltet.

Glasfaser statt Kupfer

Die Suche nach Auswegen aus dem Rohstoffdilemma hat in der Elektronikbranche schon begonnen. Einer davon geht in Richtung neuer Materialien. So sollen Glasfaser- sukzessive Kupferkabel ersetzen. Technologisch an sich nichts Neues, die Substitution wird sich künftig allerdings auf den Leiterplatten abspielen. Informationen werden dann nicht mehr über elektrischen Strom sondern Lichtsignale übermittelt.

Daraus ergeben sich viele Vorteile, erläutert Hiernonymi: Das Ausgangsmaterial für Glasfaser ist Rohglas, das aus Quarzsand, Soda und Kalkstein geschmolzen wird, alles Materialien, die es kostengünstig und zur Genüge gibt. Der Stromverbrauch könne gesenkt werden, die Hitzeentwicklung liege niedriger, die Kühlung der Computersysteme könne reduziert werden. Hiernonymi rechnet damit, dass serienreife Lichtfaser-Leiterplatten für Großrechner bis 2015 zur Verfügung stehen.

Hand in Hand damit gehe ein Spar- und Umwelteffekt: Wenn allein die großen Datenzentren der Welt mit dieser Technologie ausgestattet sind, würde das ihren Stromverbrauch um 13 Terawattstunden (entspricht etwa dem Verbrauch Mexikos) pro Jahr senken, so die Schätzungen. Nächster Schritt ist der Einzug der Glasfaser in Chips für PCs und andere Elektronikgeräte

Schrottsammler-Revival

Der HP-Umweltmanager kann der Rohstoffverknappung auch im Alltag positive Aspekte abringen: "Wir beginnen, unser Verhältnis zum Abfall generell zu überdenken." Wiederverwertung erhalte einen zunehmend höheren Stellenwert, sowohl in der Industrie als auch beim Konsumenten. "Sammeln wird wieder attraktiver, zum Beispiel Metallschrott." Die Tätigkeit des Schrottsammlers, der vor Ort Material einsammle, erlebe ein Revival. Für viele Menschen aus ärmeren Ländern eine durchaus gute Chance, ihr Lebenseinkommen zu verbessern.

Ein wesentlicher Punkt dürfe dabei jedoch nicht vergessen werden: "Wir müssen Strukturen aufbauen, damit das Recyceln der Sammelgüter auch weiterhin so erfolgt, dass es sowohl in der Industrie ohne großen Kostenaufwand wiederverwendet wird und vor allem: dass es umweltverträglich geschieht."(Karin Tzschentke/ DER STANDARD Printausgabe, 10. November 2010)

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HP

  • Hohe Rohstoffpreise machen die Rohstoffe im Elektronikschrott zu einer interessanten Quelle: Recycling wird zu einem wesentlichen Faktor für die IT-Industrie.
    foto: hp


    Hohe Rohstoffpreise machen die Rohstoffe im Elektronikschrott zu einer interessanten Quelle: Recycling wird zu einem wesentlichen Faktor für die IT-Industrie.

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