Das Zeltlager in Laayoune wurde gestürmt, während Regierung und Polisario-Rebellen in New York verhandeln
Rabat - Nach den zweitägigen Unruhen in der Westsahara ist am
Mittwoch nach Beobachterangaben wieder Ruhe in der Region eingekehrt. In der
Hauptstadt des von Marokko seit 31 Jahren besetzten Gebietes, Laayoune,
patrouillierten zwar Soldaten und Polizei auf den Straßen, in einigen Bezirken
kehre aber wieder Normalität ein, berichtete der Menschenrechtsaktivist Brahim
Elansari. "Die Geschäfte sind geöffnet und Leute laufen durch die Straßen."
Widersprüchliche Angaben
Die Unruhen waren am Montag ausgebrochen, nachdem marokkanische
Sicherheitskräfte ein Zeltlager von Demonstranten gestürmt hatten, die gegen die
schlechten Lebensbedingungen der Sahrauis protestieren wollten. Anschließend
machten beide Seiten unterschiedliche Angaben über die Zahl der Toten. So seien
am Dienstag noch acht weitere Leichen entdeckt worden, berichtete der Madrider
Delegierte der Befreiungsbewegung Polisario, Bucharaya Beyun. Demnach habe es
aufseiten der Sahrauis bisher 19 Tote und mehr als 700 Verletzte gegeben. Die
marokkanische Nachrichtenagentur MAP berichtete unterdessen, dass acht
Sicherheitskräfte getötet worden seien. Unbeteiligte Zivilisten sind nach
marokkanischen Angaben nicht ums Leben gekommen.
Die Westsahara wurde nach dem Abzug der spanischen Kolonialmacht 1975
zwischen Marokko und Mauretanien aufgeteilt. Marokko besetzte aber das gesamte
Territorium, nachdem sich Mauretanien 1979 zurückgezogen hatte. Die
Befreiungsbewegung Polisario nahm daraufhin den bewaffneten Kampf auf, der 1991
mit einem von den Vereinten Nationen vermittelten Waffenstillstand endete. Die
Polisario tritt für die Unabhängigkeit der an Rohstoffen reichen Region ein.
1975 aufgeteilt, 1979 besetzt
Die Westsahara wurde nach dem Abzug der spanischen Kolonialmacht 1975
zwischen Marokko und Mauretanien aufgeteilt. Marokko besetzte aber das gesamte
Territorium, nachdem sich Mauretanien 1979 zurückgezogen hatte. Die
Befreiungsbewegung Polisario nahm daraufhin den bewaffneten Kampf auf, der 1991
mit einem von den Vereinten Nationen vermittelten Waffenstillstand endete.
Die Polisario tritt für die Unabhängigkeit der an Rohstoffen reichen Region
ein. Die Exilregierung der von Polisario ausgerufenen Demokratischen Arabischen
Republik Sahara (DARS) hat ihren Sitz in der algerischen Wüste bei Tindouf, wo
zehntausende Menschen in Flüchtlingslagern leben. Unter Vermittlung der
Vereinten Nationen begann in der Nähe von New York am Montag ein zweitägiges
informelles Treffen zwischen der marrokanischen Besatzungsmacht und der
Befreiungsbewegung Polisario.
In Wien forderte die Nationalratsabgeordnete Petra Bayr (SPÖ) als Mitglied des
parlamentarischen Menschenrechtsausschusses eine Westsahara-Initiative
Österreichs im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen. Nach den jüngsten
Vorkommnissen in dem von Marokko besetzten Gebiet rief die Politikerin am
Dienstag laut Parteipressedienst Außenminister Michael Spindelegger (ÖVP) auf, den
Sicherheitsrat zu aktivieren. "Österreich ist bis Ende des Jahres Mitglied des
UN-Sicherheitsrats und hat hier besondere Verantwortung zu tragen", hob Bayr
hervor.
"Das massiv gewaltsame Vorgehen Marokkos ist ein beispielloser Affront, dem
täglich Menschen zum Opfer fallen, und muss endlich gestoppt werden", erklärte
die Abgeordnete. "Weder sind Gewalt und Menschenrechtsverletzungen, wie sie in
der Westsahara seit Jahrzehnten andauern, zu dulden, noch darf die UNO zulassen,
dass ihre fortdauernden Vermittlungsbemühungen derart konterkariert werden."
Die Zerstörung einer Zeltstadt durch marokkanische Sicherheitskräfte habe
etwa 20.000 Menschen getroffen, die offenbar unter Wasserwerfern und Tränengas
von Hubschraubern aus gejagt worden seien.
"Das dies unmittelbar vor den neuen Gesprächen (in den USA) unter der
Schirmherrschaft der Vereinten Nationen geschehen ist, macht diesen an sich
schon empörenden Gewaltakt zu einer Gefährdung der Glaubwürdigkeit der UNO, wenn
hier nicht sofort und scharf reagiert wird - diese Situation ist nicht nur für
die seit Jahrzehnten drangsalierten und unterdrückten Saharaui unerträglich,
sondern auch für die Internationale Staatengemeinschaft nicht duldbar", betonte
Petra Bayr. (APA/dapd)