Neuseeland bangt um das Kiwi-Monopol

9. November 2010, 19:15
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Seuche bedroht die Ernte auf der grünen Insel - bald versuchen rosa Früchte ihr Glück

Wien - Die Neuseeländer lassen es sich nicht nehmen, das fruchtbare Geschäft mit der Kiwi. Von Mai bis Ende November haben sie den Weltmarkt fest im Griff und schaffen, was nur sehr wenigen Produzenten gelingt, nämlich den internationalen Handelskonzernen die Preise zu diktieren. Auch in Österreich gibt es für die grünen Früchte aus Übersee nur einen Preis, erzählt Johann Hummer, Einkaufschef des Großhändlers Zeilberger. Und da sei in der hart umkämpften Branche eher ungewöhnlich.

Doch jetzt ist Katzenjammer auf der Insel. Die Ernte wird von einer Epidemie bedroht, die an die Dramatik einer Maul- und Klauenseuche bei den Viehzüchtern erinnere, berichten neuseeländische Radiosender. Landwirtschaftsminister David Carter warnte vor Panik, schmälerte jedoch nicht die Bedrohung, die von der Infektion im Norden ausgehe. Ein Krankheitserreger lasse die Kiwipflanzen von innen verrotten und eine braune Flüssigkeit austreten. Zespri, der größte Produzent im Lande, sieht sich dazu gezwungen, sie wo-möglich bald ausgraben und vernichten zu müssen, um der Verbreitung vorzubeugen.

Fast jede dritte weltweit verkaufte Kiwi wächst in Neuseeland. Ihr Image als Vitaminbombe verschaffte ihr einen internationalen Höhenflug. Sie sei vor 20 Jahren ein Exot gewesen, erinnert sich Hummer, "heute ist sie ein echter Umsatzbringer" . Sollten die Neuseeländer schwächeln, frohlocken andere große Lieferanten, die nur zu gerne aus deren Schatten treten. Im Winter bringt sich Italien stark ein, auch Spanier, Griechen und Franzosen mischen mit. Eine gewisse Marktsättigung sei natürlich da, erläutert Hummer, aber es gebe Innovationen: So probieren bald auch rosa Kiwis ihr Glück. (vk, DER STNADARD, Printausgabe, 10.11.2010)

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    Neuseeland gibt das halbe Jahr die Preise vor.

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