Wenn Muslime ihre Vertretung wählen

9. November 2010, 18:43

Erstmals wurde eine Aktion zur Registrierung als Mitglieder und als Wahlberechtigte unter den österreichischen Muslimen gestartet

Die "Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich" ist seit etlichen Jahren der offizielle Ansprechpartner für die Regierung und andere Institutionen. Es gab immer Kritik auch anderer muslimischer Repräsentanten, die Glaubensgemeinschaft sei nicht repräsentativ für die rund 500.000 Muslime in Österreich und habe in Wirklichkeit nur wenige tausend Mitglieder. Nun, da Wahlen für die Organe der Gemeinschaft anlaufen, hat man erstmals eine Aktion zur Registrierung als Mitglieder und als Wahlberechtigte unter den österreichischen Muslimen gestartet.

Kürzlich gab Präsident Anas Schakfeh die ersten Ergebnisse bekannt: Insgesamt haben sich etwa 45.800 Personen registrieren lassen, 15.800 davon sind wahlberechtigt. In Wien beginnt die Registrierung erst, man erwartet dadurch ein Verdopplung auf etwa 90- bis 100.000. Das wäre trotzdem keine besonders beeindruckende Zahl. Schakfeh erklärt das mit den Kosten für die Registrierung und der Tatsache, dass die diversen Verbände deshalb nur genau so viele Leute registriert hätten, wie es notwendig ist, um entsprechend viele Repräsentanten im Schura-Rat (dem "Parlament") zu erhalten.

Daraus lässt sich zunächst ablesen, dass die Glaubensgemeinschaft stark von organisierten Verbänden beeinflusst wird. Die Spontanität der "einfachen Muslime" war also nicht sehr stark. Tatsächlich sagt auch Schakfeh, dass erst zum Schluss der Registrierungsfrist ganze Kartons mit ausgefüllten Registrierungsformularen eingetroffen seien. Dieser späte Enthusiasmus dürfte sehr stark dadurch ausgelöst worden sein, dass diverse türkische Verbände erstmals beschlossen haben, sich massiv zu beteiligen. Vor allem die (vom türkischen Staat beeinflusste) Atib (Türkischer Kulturverein in Österreich), aber auch die "Islamische Föderation", die der , gelinde gesagt, konservativen Milli Görüs (Nationale Sicht) nahesteht.

Bisher waren die türkischen Vereinigungen gegenüber der Islamischen Glaubensgemeinschaft eher zurückhaltend, vielleicht, weil ihnen die Führungsspitze arabisch dominiert schien. Nun haben sie offenbar beschlossen, die Glaubensgemeinschaft zu "übernehmen". Der nächste Präsident wird daher vermutlich der türkisch-kurdisch-stämmige Religionspädagoge Fuat Sanaç sein. Er wurde von der "Islamischen Föderation" unterstützt, genießt offenbar aber auch das Vertrauen von Atib. Angesprochen auf Milli Görüs, verweist er darauf, dass das Verfahren gegen die Vereinigung in Deutschland wegen Verdachts auf Bildung einer kriminellen Vereinigung fallengelassen wurde (siehe derStandard.at/Rau-TV).

Auffällig ist die große Diskrepanz zwischen Registrierten und Wahlberechtigten (zwei Drittel/ein Drittel). Schakfeh erklärt das mit dem Kinderreichtum der Muslime (Wahlberechtigung ab 14). Andere Insider erklären das damit, dass viele Männer in der Familie sagen: "Es genügt, wenn ich wählen gehe".

Immerhin erhält die offizielle Vertretung der Muslime in Österreich durch Registrierung und Wahlen eine erhöhte Legitimation. Die Sache mit den Vätern, die quasi für die ganze Familie wählen gehen, zeigt aber, was noch zu leisten ist. (Hans Rauscher/DER STANDARD - Printausgabe, 10.11.2010)

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Posting 1 bis 25 von 54
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pox vobiscum
01
10.11.2010, 16:22

Die Wahl ist ungefähr genauso unsinnig wie wenn Katholiken, Evangelische, Orthodoxe, Evangelikale Freikirchen, Zeugen Jehovas etc den Papst wählen sollen als ihrer aller Vertretung. Deshalb interessiert es auch so wenige. Man kann auch die IGGiÖ nicht als Vertreter aller Muslime in Ö bezeichnen, weil sie es nicht ist.

permanent marker
01
10.11.2010, 13:39
SELFPWN

"Es genügt, wenn ich wählen gehe", sage ich auch immer, wenn ich den Einfluss meiner Familie verkleinern und jenen der anderen vergrößern will!

Kontrahent1
06
10.11.2010, 12:59
Anders begründet Schakfeh

die geringe Zahl in der 'Wiener Zeitung': 'Einige Muslime hätte man zur Mitgliedschaft erst überreden müssen, weil sie im Gedanken an das Schicksal der Juden zu Beginn des WKII Angst hatten, alle ihre Daten bekannt zu geben'. Und trotzdem kamen diese tapferen Menschen nach Österreich und bringen uns 'know how' und Wohlstand;-)

wieso auch nicht
05
10.11.2010, 12:51

Milli Görüs ist islamistisch, gelinde gesagt, nicht "konservativ".

byron sully
03
10.11.2010, 12:33

"Die Sache mit den Vätern, die quasi für die ganze Familie wählen gehen, zeigt aber, was noch zu leisten ist"

etwas, was teile der övp aber leider ebenfalls fordern (stichwort "kinderwahlrecht").

Konrad Euler
00
10.11.2010, 22:32

nanana, das ist aber danebengegriffen.
so plump polemisiert ja nicht einmal der voves.

die angesprochenen türkischen väter stimmen anstelle ihrer wahlberechtigten (!) familienmitglieder
und "rauben" diesen damit ihr vorhandenes wahlrecht.

den övp-vorschlag, eltern für ihre kinder eine zusätzliche stimme zu geben, darf man für falsch, ja ungehörig finden. aber es mit dem verhalten dieser türk. männer (so es überhaupt stimmt...) auf eine stufe zu stellen ist unfair.

Nathaniel Winerib
23
10.11.2010, 11:26

das erinnert an die farce von wahlen in der ehemaligen sowjetunion

1992
00
10.11.2010, 10:59
in katholischer kirche nicht viel anders

auch in der katholischen kirche ist das nicht viel anders: organisierte gruppen (orden, klöster, vereine) etc. dominieren, und kaum jemand der "schäfchen" meldet sich für den pfarrgemeinderat. typisch für religionsgemeinschaften in einer säkularen welt.

pox vobiscum
00
10.11.2010, 16:24

Nein, Evangelische und Orthodoxe interessieren sich nicht für einen katholischen Pfarrgemeinderat. Warum sollten sie auch.

Sabine Bauer8
10
10.11.2010, 10:37
Migranten sind Teil der europäischen Kultur

Lange war der Begriff der Leitkultur in der politischen Versenkung verschwunden. Jetzt ist er wieder aufgetaucht. Doch es geht nicht darum, einen traditionsschwangeren Kulturkanon zu diskutieren. Wir müssen über unsere ideelle Lebensgrundlage sprechen – diese ist wandelbar und wird auch von Migranten mitbestimmt: http://bit.ly/aWo6Uu

Franz Kafka
03
10.11.2010, 13:29
also dass ungebildete islamistisch indoktrinierte

leute, die einem anachronistischen patriachalen weltbild verhaftet sind, in großem stil unsere "wandelbare ideelle lebensgrundlage" mitbestimmen, das möchte nicht. ist eh schon viel zu viel der fall. und ich denke das ist eines der grundthemen jener ganzen "migrations- und integrationsdebatte".

cyber ferkel
01
10.11.2010, 12:41

Grundsätzlich schon. Muslimische Migranten allerdings nicht.

fitzthum
15
10.11.2010, 10:06
Warum nur bei Muslimen eine Wahl,

was wäre mit einer Wahl bei den Katholiken !!

das kleine Maßnahmenpaket
02
10.11.2010, 12:37

Gibts eh: die Pfarrgemeinderatswahlen
Da dürfen Sie sogar kandidieren, wenn Sie möchten ;-)

tramezzino
10
10.11.2010, 09:33
ob die

verbalen flatulenzen des botschafters mit den bevorstehenden wahlen etwas zu tun haben?

nebenerwerbsposter
22
10.11.2010, 08:01
ein experte

der rauscher kennt sich beim islam schon derart gut aus, jetzt bekommt er bald eine ehren-beschneidung...

Trolling is a art.
12
10.11.2010, 10:16
Sie meinen Ehren-Genitalverstümmelung, wenn schon...

Ihr Beitrag wird in Kürze veröffentlicht
01
10.11.2010, 21:42

haben sie's lieber mit dem säbel im gesicht?
total schmissig...

ich nicht
15
10.11.2010, 07:23
demokratie a la teheran

Pyotr Alexeyevich
00
10.11.2010, 03:52
15.800 Wahlberechtigte

Wenn die Glaubensgemeinschaft das Verhältnis von Registrierten zu Wahlberechtigten so genau beziffern kann, wird sie wohl eine schlüssige Erklärung dafür haben. Dass zwei Drittel der registrierten unter 14 sind kann ja wohl kaum sein.

Konnte man sich vielleicht unter "freiwilligem" Verzicht auf das Wahlrecht registrieren? Das wäre natürlich die Einladung für's Patriarchat.

Sisu75
28
9.11.2010, 22:48
http://www.welt.de/politik/a... ismus.html

Sollte jeder lesen...unglaublich

schwörealda
00
10.11.2010, 20:23

Vielen Dank für den Link! Erschütternd, was Erbakan von sich gibt...

fischkopp
04
10.11.2010, 11:48

Und genau das ist es, was die Leute - so sie es nicht wissen - doch spüren. Und genau das ist es, was sie bei uns nicht wollen. Meine Person eingeschlossen. Die Zeit ist reif für eine starke Gegenbewegung, gegen die gar nicht mehr schleichende Islamisierung unseres Kontinents.

Hossam Hassan
01
10.11.2010, 12:12
Ich les da nicht, dass die Islamisierung voran schreitet

sondern dass sich ein muslimischen Fanatiker selbst ins Nirvana redet. Erbakan ist so weit weg von der Wirklichkeit , ich glaube nicht, dass der von ihm so geschmähte Erdogan ihn überhaupt noch als politischen Rivalen ernst nimmt.
Das Ausmaß an antisemitischer Dumpfbackigkeit ist allerdings bestürzend, aber letztlich ein Symptom des Niedergangs einer ohnehin nicht besonders fruchtbaren intellektuellen Kultur. Der Islam geht seinem Ende als politischer Macht entgegen, er wird gegen Ende des Jahrhunderts nur noch ein altmodischer Kult unter vielen sein, der keine Kraft mehr hat, gefährlich zu werden.

Franz Kafka
01
10.11.2010, 13:42
ich hoffe du hast recht.

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