Im Labor für spannenderen Unterricht

9. November 2010, 17:54
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Eine Tagung über die Kooperation zwischen Schulen und Forschungsinstituten

Kinder, die einmal Interesse hatten, die Natur mit physikalischen Methoden zu ergründen, laufen Gefahr, das in der Schule zu verlieren, sagte kürzlich Manfred Prenzel, Bildungsforscher an der Technischen Universität München. Andere Kinder finden nie einen Zugang. Für sie bleiben später nur Formelfragmente und die Erinnerung daran, wegen des zum Teil unverständlichen Stoffes eingeschüchtert gewesen zu sein. Prenzel, der die Pisa-Studie in Deutschland leitete, meinte, die Kinder würden nicht an Dummheit oder Faulheit scheitern, sondern an Unterrichtsmethoden: Frontalunterricht, kurze Fragen, kurze Antworten, wenig Raum für breite Diskussion und das gemeinsame Erarbeiten von Themen.

Was fehlt, sind neue Impulse für den naturwissenschaftlichen Unterricht in den Schulen, klagen Experten. Doch woher kann man diese bekommen? Eine Antwort bietet unter anderem Manfred Euler, Direktor am Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften an der Universität Kiel, an. Er schlägt "außerschulisches Lernen" vor.

Hinter diesem trockenen Begriff verbirgt sich: Schüler und Lehrer besuchen gemeinsam Labors und arbeiten mit Wissenschaftern. Euler ist deshalb auch Gast der Tagung "Forschend lernen" , die derzeit vom Science-Center-Netzwerk, vom Verkehrs- und vom Unterrichtsministerium (bis heute, Mittwoch, im Kassensaal der Österreichischen Nationalbank, Otto-Wagner-Platz 3, 1090 Wien) veranstaltet wird, wo ein Resümee über das zweijährige Projekt zum Thema "außerschulisches Lernen" gezogen wird.

Strukturproblem

Das Projekt aus dem Humanressourcen-Förderprogramm "Generation Innovation" ging von einer Grundproblematik aus: Naturwissenschaftlicher Unterricht anhand von Experimenten nimmt in der Volksschule einen geringen Stellenwert ein, obwohl dieses Alter prägend ist für die Entwicklung von naturwissenschaftlichem Interesse.

Das liegt zum Teil daran, dass sich Lehrkräfte die Vermittlung fachlich und didaktisch nicht zutrauen, heißt es beim Science-Center-Netzwerk. Zum Teil liegt es auch an den strukturellen und finanziellen Rahmenbedingungen von Schulen, zum Teil an der mangelnden Ausbildung der Lehrkräfte. Nun hat man Kooperationen zwischen Volksschulen und Science-Center-Einrichtungen etabliert, um die bereits bestehenden Angebote in Sachen "Forschend lernen" weiterzuentwickeln und Kompetenzen bei Lehrern zu stärken. Dabei will man weg vom Frontalunterricht hin zu einer aktiven Teilnahme am Unterricht.

Schüler sollen dabei lernen, Fragen stellen zu können, und entwickeln in Gruppen individuelle Lösungswege. Damit man schon in jungen Jahren lernt, dass naturwissenschaftliche Forschung aufgrund der komplexen Anforderungen nur in Teams gelingen kann.

Heute, Mittwoch, werden im Rahmen der Tagung Gerhild Bachmann, Erziehungs- und Bildungswissenschafterin der Uni Graz, Brigitte Pokorny von der Kirchlich Pädagogischen Hochschule Wien und Andrea Frantz-Pittner vom "Forschend lernen" -Projektteam über Erfahrungen und Forschungsergebnisse aus Kooperationen zwischen Volksschulen und Science-Center-Einrichtungen sprechen. (pi/DER STANDARD, Printausgabe, 10.11.2010)

 

  • Weg vom Frontalunterricht wollte man mit dem Projekt "Forschend lernen"
    foto: heribert corn/standard

    Weg vom Frontalunterricht wollte man mit dem Projekt "Forschend lernen"

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