Naturschützer gegen Liftbauer am Piz Val Gronda

9. November 2010, 17:26
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Seit 30 Jahren kämpfen Naturschützer gegen die skitechnische Erschließung des Piz Val Gronda bei Ischgl - Auch das aktuelle Liftprojekt der Silvretta Seilbahnen wurde abgelehnt

Innsbruck - Irgendwann müsse einfach Schluss sein "da oben", meint Peter Haßlacher vom Österreichischen Alpenverein (OEAV). Mit "da oben" meint er den Piz Val Gronda, einen 2.812 Meter hohen Berg in der Samnaungruppe, zwischen Tirol und Graubünden.

Wieder einmal wird das Land Tirol einer Erschließung eines Skigebietes Piz Val Gronda bei Ischgl eine Absage erteilen. Für den für Umweltfragen zuständigen Landeshauptmannstellvertreter Hannes Gschwentner (SP) ist das Projekt nach den vorliegenden Gutachten nicht genehmigungsfähig: Im Bereich der geplanten Skipiste würden unter anderem zwei geschützte Pflanzenarten wachsen. Eine Genehmigung würde somit gegen das Gesetz verstoßen. In Ischgl kämpfen Peter Haßlacher vom Alpenverein und die Silvretta Allianz, ein grenzüberschreitender Zusammenschluss von Naturschützern, seit knapp 30 Jahren gegen die skitechnische Erschließung des Piz Val Gronda über das Vesiltal in der Nähe der Heidelberger Hütte: Gegen eine Erschließung sprechen "die betroffenen prioritären Lebensräume und die herausragende floristische, geologische und geomorphologische Extravaganz", heißt es sperrig in einem aktuellen Gutachten.

Liftbetreiber berufen

Die Projektbetreiber, die Silvretta Seilbahnen, wollen sich mit der Entscheidung naturgemäß nicht abfinden und ein Gegengutachten in Auftrag geben. Für Jürgen Bodenseer von der Wirtschaftskammer dürften einzelne Tiere und Pflanzen kein K.-o.-Kriterium für Bewilligungen sein. Er fordert die Möglichkeit "maßvoller Eingriffe in die Natur zum Vorteil der Menschen".

Ein Ischgler Gegengutachten schreckt Haßlacher wenig. "Kapazunder" der Institute für Geografie und Botanik der Universität Wien hätten die Kartierung von Flora und Fauna am Piz Val Gronda vorgenommen. Freiwillig, betont Haßlacher, nicht im Auftrag des Alpenvereins. Erst nachdem sie die Besonderheiten des in den Ostalpen einzigartigen Bündner Schiefers kartiert hätten, hätten die Wissenschafter ihre Unterstützung gegen eine Erschließung des Piz angeboten. Schützenswert seien Flora und Fauna: vom Mähnen-Pippau über Rispengras bis hin zu verschiedenen Primeln, Orchideen und mindestens zehn Enzianarten. Nicht zu vergessen das europaweit geschützte Steinhuhn, das ebenfalls bereits am Piz gesichtet worden sein soll.

Auch Landesumweltanwalt Johannes Kostenzer hatte immer wieder Kritik an einer Erschließung geübt. Der Berg sei ein "natürliches Raritätenkabinett". Zudem würden mit dem Lift lediglich zwei Pistenkilometer zu den bestehenden 235 Kilometern hinzukommen. Doch die Naturschützer haben ein Hauptproblem, erklärt Haßlacher: "Jeder Projektbetreiber kann sein Projekt zehnmal und mehr einreichen." Schon einmal, 2002, hatte Haßlacher gedacht, der Piz Val Gronda sei "gerettet". Das Land Tirol lehnte auch damals ein Liftprojekt ab. Was folgte, war die nächste Variante.

Hoffnung auf Rettung

Auch die jüngste Ablehnung einer Erschließung durch das Land gibt Haßlacher mittlerweile keine langfristige Hoffnung auf eine endgültige Rettung des Berges. "Was noch kommen wird, hat auch Gschwentner nicht im Griff. Wenn wieder ein anderes Projekt eingereicht wird, muss er wieder von vorne anfangen." Allerdings: "Hat der Naturschutz einmal verloren, hat er immer verloren."

Mittlerweile ist der Naturschutz auch zum politischen Druckmittel geworden. Hat sich doch das zuständige SP-Regierungsmitglied Gschwentner in der Tiroler Tageszeitung beschwert, dass der Regierungspartner ÖVP nur "Wohlmeinungen zu Projekten abgebe, die naturschutzrechtlich nicht genehmigt werden könnten". Gschwentner wünscht sich von der ÖVP eine Rückbesinnung auf gesetzte Ziele. Und überlegt, zumindest auf dem Papier, einen Ausstieg aus der Koalition. (Verena Langegger/DER STANDARD-Printausgabe, 10.11.2010)

  • 235 Pistenkilometer sind nicht genug. Die Ischgler Touristiker wollen die einzigartige Flora und Fauna des Piz Val Gronda zwei weiteren Pistenkilometern opfern.
    foto: österreichischer alpenverein

    235 Pistenkilometer sind nicht genug. Die Ischgler Touristiker wollen die einzigartige Flora und Fauna des Piz Val Gronda zwei weiteren Pistenkilometern opfern.

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