Fadenwurm-Männchen "pluggen" Weibchen zu deren Wohl

12. November 2010, 18:53
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Gelartige Masse hat positiven Einfluss auf Eiproduktion und ist kein Schutz gegen Konkurrenz

Berlin - Männliche Fadenwürmer belohnen ihre Weibchen gleichsam für Sex: Sie versehen die Weibchen nach der Paarung mit einer Art Pfropfen, den die Zoologen "Plug" nennen. Wissenschaftler der Universität Tübingen konnten nun nachweisen, dass dieser Kopulationsplug den Weibchen gut tut und ihre Fitness verbessert. Außerdem beeinflusst der Plug auch die Eiproduktion positiv, wie die Forscher in der Zeitschrift Frontiers in Zoology berichteten.

Kein Schutz vor Rivalen

Der sogenannte Plug, eine gelartige Masse, wird von den Männchen der Spezies Caenorhabditis remanei auf die äußeren Geschlechtsorgane des Weibchens aufgebracht, anschließend wird er - wie Klebstoff - hart. Bisher vermuteten Forscher, die Männchen wollten damit Rivalen abhalten, sich mit "ihrem" Weibchen zu paaren. Die Tübinger Wissenschaftler um die Zoologin Nadine Timmermeyer entdeckten jetzt aber, dass Weibchen mit Kopulationsplug genauso häufig Sex haben wie die ohne.

"Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Pluggen weder die Wahrscheinlichkeit beeinflusst, dass ein Weibchen von einem Männchen gefunden wird, noch ob eine Paarung folgt oder nicht. Stattdessen haben wir festgestellt, dass das Pluggen einen positiven Einfluss auf die Eiproduktion hat", erklärte Timmermeyer. Dies lege den Schluss nahe, dass Pluggen einen nützlichen Beitrag des Männchens für sein Weibchen darstelle und kein Konkurrenzverhalten von Männchen untereinander.

Siegel oder Nährstoffquelle

"Der Plug kann wie ein Siegel wirken, das Sperma im Weibchen einschließt und das Eindringen schädlicher Pathogene verhindert." Er könnte auch Substanzen enthalten, die das Weibchen stimulierten, Nährstoffe übertragen oder antimikrobielle Eigenschaften haben, erläuterte die Zoologin. (red/APA/dapd)

  • Ein "gepluggtes" Fadenwurm-Weibchen nach der Paarung. Der gelartige Pfropfen trägt zum Wohl der Tiere bei, wie 
Tübinger Forscher nun herausgefunden haben.
    foto: timmermeyer, schulte, universität tübingen

    Ein "gepluggtes" Fadenwurm-Weibchen nach der Paarung. Der gelartige Pfropfen trägt zum Wohl der Tiere bei, wie Tübinger Forscher nun herausgefunden haben.

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