Karl: Einsparungen bei Forschung sind "Strukturbereinigung"

9. November 2010, 14:46

Forschungseinrichtungen fürchten wegen Streichung der Basisfinanzierung um Existenz

Wien - Bei den geplanten Einsparungen bei wissenschaftlichen Einrichtungen und Vereinen handelt es sich für Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (ÖVP) "nicht um eine reine Budgetmaßnahme". "Es ist auch eine Strukturbereinigung, wie sich auch vom Wissenschaftsrat, vom Rat für Forschung und Technologieentwicklung sowie vom Rechnungshof eingefordert wird", so Karl.

Im Wissenschaftsministerium seien bei der Budgeterstellung Kernbereiche außer Frage gestellt worden, bei denen es zu keinen Kürzungen und zum Teil zu Budgetsteigerungen komme, betonte Karl. Dazu zählen etwa die Universitäten, Fachhochschulen, die Akademie der Wissenschaften, der Wissenschaftsfonds FWF, die Ludwig-Boltzmann-Gesellschaft, das Institute of Science and Technology Austria sowie die Studienförderung. "Dennoch muss auch das BMWF einen Konsolidierungsbeitrag leisten. Dazu sind leider auch schmerzhafte Einsparungen notwendig, die unter anderem die Basissubventionen für außeruniversitäre Einrichtungen und Vereine betreffen."

Laut Wissenschaftsministerium gebe es schon seit längerem "Strukturdiskussionen zur Änderung des bisherigen Fördersystems" in diesem Bereich, das schon unter Ministerin Hertha Firnberg (SPÖ, Amtszeit 1970-1983) eingeführt worden sei. Zur damaligen Zeit seien die Unis aufgrund der rechtlichen Rahmenbedingungen nicht flexibel genug gewesen, auf neue Forschungsfelder entsprechend reagieren zu können. Mit dem neuen Universitätsgesetz hätten sie nun aber die notwendigen Instrumente in der Hand und könnten neue Forschungsfelder in ihre strategischen Überlegungen einfließen lassen. Es sei künftig denkbar, "dass die Exzellenz wieder verstärkt zurück an die Universitäten kommt oder in andere größere Forschungseinrichtungen integriert wird", betonte man seitens des Ministeriums.

Karl will in Gesprächen mit den betroffenen Einrichtungen "gemeinsam Lösungen finden": "Mögliche Wege sind Neustrukturierungen, die Anbindungen an bestehende Institutionen - vor allem Universitäten -, verstärkte Kooperationen und die gemeinsame Nutzung von Infrastruktur." Dabei gehe es um eine stärkere Bündelung und damit auch Sichtbarkeit.

Forschungseinrichtungen fürchten um Existenz

Die Streichung der Basisfinanzierungen sowie Kürzungen bei Projektfinanzierungen lassen zahlreiche außeruniversitäre Forschungseinrichtungen um ihre Existenz fürchten. Der Budgetentwurf der Regierung "eliminiert die Finanzierung für die Grundlagen dieser Institute und auch für deren Projekte", betonte Peter A. Bruck, Leiter der Research Studios Austria Forschungsgesellschaft, bei einer Pressekonferenz am Dienstag in Wien. "Etwas, das Jahre oder Jahrzehnte braucht, um aufgebaut zu werden, soll innerhalb weniger Wochen abgewickelt werden."

Die betroffenen rund 40 Institutionen wie etwa das Institut für die Wissenschaften vom Menschen (IWM), das Internationale Forschungszentrum Kulturwissenschaften (IFK), das Zentrum für soziale Innovation (ZSI), die Forschungs-und Beratungsstelle Arbeitswelt (Forba), das Österreichische Institut für Internationale Politik (OIIP) oder das Österreichische Forschungsinstitut für Artificial Intelligence (OFAI) haben sich daher zur "Plattform Wissen/Schafft/Österreich" zusammengeschlossen, um "die grundsätzlich falsche Einschätzung von Wissenschaft durch die Regierungsspitze zu korrigieren", so Bruck. "Wir wissen genau, was effizientes Forschungsmanagement, was Akquise von Forschungsmitteln ist." Änderungen seien dabei "durchaus planbar - was nicht geht, ist, diesen Sektor von einem Tag auf den anderen auszuradieren".

Ab 2012 keine Basissubventionen

Für 2011 werden die Basissubventionen der Einrichtungen um insgesamt vier Mio Euro gekürzt, ab 2012 komplett gestrichen, was jährliche Einsparungen von acht Mio. Euro bedeutet. Die einzelnen Institute sind dabei von der Höhe durchaus unterschiedlich betroffen. Das OFAI erhält etwa eine jährliche Basisfinanzierung von 55.000 Euro - insgesamt habe man aber 8,2 Mio. Euro an EU-Forschungsmitteln zurückgeholt, so Direktor Robert Trappl. "Wenn man 55.000 Euro streicht und so die Chance vergibt, 8,2 Mio. aus Brüssel zu holen, ist das wirtschaftspolitisch dumm."

Das ZSI erhält bei einem Gesamt-Umsatz von jährlich vier Mio. Euro 71.000 Euro an Basisförderung. Dies seien zwar nur zwei Prozent dessen, was über Projekte lukriert werde, aber immerhin die Hälfte der Miete, so Direktor Josef Hochgerner. Außerdem sei diese Summe nicht das einzige, was gestrichen worden sei. So habe man etwa das Auslandsbüro in Sofia schließen müssen, außerdem liefen auch Projekte aus und würden nicht verlängert. Das Forba erhält bei einem Institutsbudget von 1,2 Mio. Euro 20.000 Euro an Basisfinanzierung, eine Erhöhung sei aber bereits fix zugesagt gewesen, so Leiter Jörg Flecker.

Ein Problem für die Institute ist unter anderem, dass der Wissenschaftsfonds FWF mittlerweile keine Overheadkosten mehr bezahlt, gleichzeitig aber Räume, Computer etc. bezahlt werden müssen, so Trappl. Zur Grundfinanzierung zählt laut Bruck auch jener Teil der Mittel, der für Antragstellungen gebraucht werde oder Konferenzreisen, die keinem bestimmten Projekt zugeordnet sind. "Der Wissenschaftsbetrieb ist eine sensible Pflanze. Man kann nicht hergehen, drei Wurzeln ausreißen und sagen, mit den zwei anderen kannst weiterleben."

IFK besonders betroffen

Besonders betroffen ist das IFK, das sich rein über die 950.000 Euro an Basismitteln finanziert. Bisher habe der Staat gesagt, er leiste sich das, "um eine bestimmte Art intellektueller Arbeit auf dem Gebiet der Humanwissenschaften zu ermöglichen", so Vize-Direktor Lutz Musner. Das IFK betreibe Nachwuchsförderung für internationale Karrieren: "Jeder, der vom IFK weggeht, ist ein kleiner Botschafter für unser Land." Mit der nunmehrigen Maßnahme betreibe man eine "Selbstprovinzialisierung", die an den "Kahlschlag" der 1930er-Jahre erinnere.

Konkrete Folgen der Kürzungen wie die Streichung von Arbeitsplätzen oder Institutsschließungen wollte Bruck nicht nennen: "Den Voyeurismus des Leidens wollen wir nicht dulden. Wir werden nicht in das Loch hinunterschauen, in das man uns hineinstürzen will." (red/APA)

=> Die betroffenen Institute: Liste von Einrichtungen und Vereine mit Basissubvention

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Posting 1 bis 25 von 31
1 2
Um der Wahrheit die Ehre zu geben ...
00
12.11.2010, 08:21

und lieber Standard, bis Zensoren ihre Arbeit getan haben, ist das alles schon gar nicht mehr. Also schick' die einfach auf eine Arbeitspause ...

Systemrelevante Ausländerin
00
11.11.2010, 20:28
Karl...

was für ein passender Name :-)

Mario23
02
10.11.2010, 15:04
MINT, und dann:

- Forschungsgesellschaft für Mukopolysaccharidosen
- Forschungszentrum computerunterstützte Materialwissenschaften (CMS)
- Internationales Erwin Schrödinger Institut für Mathematische Physik - ESI (inklusive ESI Stipendien und Senior Research Fellowships)
- Konrad Lorenz Forschungsinstitut in Grünau/Almtal
- Konrad Lorenz Institut für Evolutions- und Kognitionsforschung
- Kurt-Gödel-Gesellschaft
- Österreichische Gesellschaft für Molekulare Biowissenschaften und Biotechnologie ÖGMBT
- Studiengesellschaft für Kybernetik

Die Frau hat is offenbar komplett schizoid!

Um der Wahrheit die Ehre zu geben ...
00
12.11.2010, 08:19

und das ÖFAI nicht zu vergessen, das seit zig-Jahren in Forschung und Lehre das abdeckt, was man auf der TU nicht behirnt.

Das wäre in etwa so, wie wenn man in Deutschland das DFKI (http://www.dfki.de/web) schließt. Hauptsache Proleten wie der Sobotka habe bei uns die Lizenz zur Spekulation mit öffentlichen Mitteln.

Es ist ein Sittenbild unserer Landes in 2010 er Jahren.

g'schupfter Ferdl
00
10.11.2010, 14:59

hättets was G'scheites gelernt: BWL Studium und jahrelange Verbrecherkarriere in einer Bank, dann wäre euch das Geld der Steuerzahler gewiss. Aber wie könnt ihr euch erdreisten für Forschung auch noch Geld zu verlangen? Lasst's doch die Leistungsträger der Republik mit sowas in Ruh!

und speziell hier für Frau Karl: http://de.wikipedia.org/wiki/Ironie

Flann O'Brien
03
10.11.2010, 13:44
Hey, ihr im Wissenschaftsministerium!

Ihr seid für die Forscher da, nicht umgekehrt! Eure einzige Existenzberechtigung ist, der wissenschaftlichen Forschung ein akzeptables Umfeld zu bieten. Was ihr allerdings aufführt, ist eine fahrlässige Zerstörung der wissenschaftlichen Landschaft, geboren aus kleingeistigem Beamtendenken.

Mops
13
9.11.2010, 20:31
Standard Wissen

Innovativer Hirnschrittmacher in erprobung, Frau Minister Karl wäre dieses Gerät nicht etwas für Sie?
Es werden sicher noch Versuchspersonen gesucht, und die Wissenschafter hatten alle eine gute und fundierte Ausbildung, in Zukunft hätte ich Angst vor so einem Eingriff und solchen Geräten aber jetzt noch nicht, da es ja noch Leute gibt die aufgrund von Wissen und Bildung ein Studium geschafft und in der Forschung bekommen haben. In Zukunft ist dies fraglich, da sowohl Forschungs- als auch Bildungsmöglichkeiten von Ihnen und Ihrer SPÖ Kollegin ständig verschlechtert werden.

Mops
01
9.11.2010, 20:35
Fehler in meinem Posting

sollte heißen ... und in er Forschung einen Arbeitplatz bekommen haben

skyrock
45
9.11.2010, 19:09
wer als Wissenschaftsminister/in

Fachhochschulen zum Forschungsbereich zählt hat sicher seinen Job nicht richtig verstanden.

OriT_22
12
9.11.2010, 20:35

weil?!

Loxoceles
22
9.11.2010, 22:04

Weil die Aufgabe der FHs nicht "Wissenschafltiche Forschung" ist, sondern Arbeiter für die Wirtschaft auszubilden.

scenox
02
10.11.2010, 01:25

Forschung und Entwicklung zählen zu den zentralen Aufgaben von Fachhochschulen! An vielen Fachhochschulen wird laufend publiziert.
S.a. §16 FHStG: "Der Erhalter einer Fachhochschule hat dafür zu sorgen, daß das Lehr- und Forschungspersonal an anwendungsbezogenen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten teilnimmt. Dies kann in der eigenen Einrichtung oder durch Kooperation mit anderen Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen geschehen."

Regis 1
21
10.11.2010, 10:49
an anwendungsbezogenen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten..

eben - ausbildung von fach.....

potz
03
9.11.2010, 18:42

blablabla blabla

und luegen

Loxoceles
08
9.11.2010, 17:59

Die Liste jener Institute, die Zusperren sollen, auf Seite 2: Ein Wahnsinn!

Konrad-Lorenz-Institute, Kurt-Gödel-Gesellschaft, Schrödinger-Institut, IHS, ÖGMBT, CMS,...

Österreich auf dem besten Weg in die wissenschaftliche Steinzeit.

Den Unis soll zwar pro forma kein Geld gestrichen werden, aber stattdessen sollen die Unis zusätzlich Geld aus ihrem bereits knappen Budget ausgeben, um renommierte Institute zu übernehmen?

Will man uns für blöd verkaufen?

Freigeist78
08
9.11.2010, 17:36
Die erste Strukturbereinigung wäre das Wissenschaftsministerium einzusparen

Samt allen Beamten, die sich die letzten fünfzehn Jahre einen Spass daraus machen die Forschungslandschaft zu zerstören.

Drew R. Man
03
10.11.2010, 12:04
...an erster stelle sigurd höllinger.

Soph
00
15.11.2010, 11:52
Was, den gibt's immer noch?

"... und seinerzeit war ich mit schon mit Erhard Busek einig, dass wir uns damit nur Feinde machen würden..."

the hag o'hags (aka Esme Weatherwax)
01
12.11.2010, 20:25

Mah, jahrelang hab ich diesen Namen aus meinen Gedächtnis gestrichen gehabt und sie holen diesen Apltraum meiner Assistentenjahre wieder aus der Versenkung des Vergessens.

Freigeist78
01
11.11.2010, 09:59

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der Farbenblinde
07
9.11.2010, 17:35
Brafo Frau Karl, entlich eine Vrau mit Muht für riechtige und effizziente Politick! Östarreich braucht meer Vrauen mit Ihrem Forrmat!

Grammartik und Rechtschreibunk hab ich mir gespaart, eingespaart kwasi "hihihi" Vrau Karl!

papa_ratzi
02
9.11.2010, 16:40

Könnte die Karl nicht gleich sich selbst wegrationalisieren - das wär mal nachhaltiges Sparen!

momo10001
01
9.11.2010, 16:22
Sind Forschung und Wissenschaffende fuer Karl also ein Strukturproblem, das man bereinigen muss?

FlXII
 
02
10.11.2010, 10:29

Strukturproblem ist die dezentrale außeruniversitäre Forschung, die verhindert werden soll.
Darf doch nicht sein, dass sich Intelligenz außerhalb des Machteinflusses des Ministeriums zusammenfindet.

sheldon cooper
00
10.11.2010, 11:08

voll ins Schwarze getroffen.

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