Sparkurs

Wissenschafter kritisieren "Vertreibung der Intelligenz"

09. November 2010 14:00
  • Übersicht Basisgeförderte Institution

Ab 2011 wird die Basisförderung für die außeruniveristären Forschungsinstitute gekürzt, ab 2012 gestrichen

Anfang dieser Woche haben die betroffenen Forschungsinstitute die Nachricht auch per E-Mail erhalten, dass sie durch das von der Regierung geschnürte Sparpaket von groben Einschnitten betroffen sein werden. Seit der Regierungsklausur in Loipersdorf war klar, dass ca. 40 außeruniversitäre Institute ab 2011 keine oder weniger Förderung vom Wissenschaftsministerium erhalten werden.

Überall dort, wo es keine längeren Verträge gegeben hat, wird die Finanzierung ab 1.1.2011 wegfallen. Für 2011 werden die Basissubventionen der Einrichtungen um insgesamt vier Millionen Euro gekürzt, ab 2012 komplett gestrichen, was jährliche Einsparungen von acht Millionen Euro bedeutet.

Wissenschafter protestieren

Wissenschafter kritisieren nun, dass das, was jahrelang aufgebaut wurde, vernichtet werden soll. Die außeruniversitären Forschungseinrichtungen haben sich zu einer Plattform zusammen geschlossen und sammeln Unterschriften gegen das Budgetpaket der Regierung. Das Ziel der Initiative formuliert Peter A. Bruck, wissenschaftlicher Gesamtleiter der Research Studios Austria Forschungsgesellschaft, folgendermaßen: "Es geht nicht darum, das Budget zu korrigieren, sondern die Einstellung der Regierung zur Wissenschaft. Wir wollen keine individuellen Lösungen, sondern eine grundsätzliche Wertschätzung der Wissenschaft."

Änderungen, so Bruck, könne man machen, aber "man kann uns nicht von einem Tag auf den anderen ausradieren. Unsere Arbeit ist essentiell für den Wissenschaftsstandort Österreich."

Institute unterschiedlich betroffen

Bei einer Presskonferenz am Dienstag führten Betroffene vor Augen, welche finanziellen Einschnitte durch die Streichung der Mittel passieren. Anwesend waren Vertreter des Instituts für die Wissenschaften vom Menschen (IWM), des Internationalen Forschungszentrums Kulturwissenschaften (IFK), des Zentrums für soziale Innovation (ZSI), der Forschungs-und Beratungsstelle Arbeitswelt (Forba), des Österreichischen Instituts für Internationale Politik (OIIP) oder des Österreichische Forschungsinstitut für Artificial Intelligence (OFAI). 

Die einzelnen Institute sind durchaus unterschiedlich betroffen. Das OFAI erhält etwa eine jährliche Basisfinanzierung von 55.000 Euro, das ZSI eine Basisförderung in Höhe von 71.000 Euro. Das Forba erhält 20.000 Euro an Basisfinanzierung, eine Erhöhung sei aber bereits fix zugesagt gewesen, so Leiter Jörg Flecker.

"Selbstprovinzialisierung"

Besonders betroffen ist das IFK, das sich rein über die 950.000 Euro an Basismitteln finanziert. Das IFK betreibe Nachwuchsförderung für internationale Karrieren, sagte Vize-Direktor Lutz Musner: "Jeder, der vom IFK weggeht, ist ein kleiner Botschafter für unser Land." Seine Kritik am Budget fiel besonders hart aus: Man betreibe eine "Selbstprovinzialisierung", die an den "Kahlschlag" der 1930er-Jahre erinnere. Die Intelligenz werde aus Österreich "vertrieben". 

Heinz Gärtner vom OIIP betonte, welchen Beitrag die Institutionen auch für den inneruniversitären Bereich leisten. So betreue er 50 Dissertanten bzw. Diplomanden und nehme damit auch der Uni Arbeit ab.

Forscher kämpferisch

Der Frage, welche Auswirkungen die Streichungen auf die Praxis der Forschungseinrichtungen haben werden - etwa wieviele Leute man kündigen müsse - wollen sich die Betroffenen vorerst nicht wirklich stellen: "Den Voyeurismus des Leidens wollen wir nicht dulden. Wir werden nicht in das Loch hinunterschauen, in das man uns hineinstürzen will", sagte Bruck.

Karl will "gemeinsame Lösung"

Wissenschaftsministerin Beatrix Karl hat den Wissenschaftern unterdessen via APA ausrichten lassen, dass sie in Gesprächen mit den betroffenen Einrichtungen "gemeinsam Lösungen finden" will: "Mögliche Wege sind Neustrukturierungen, die Anbindungen an bestehende Institutionen - vor allem Universitäten -, verstärkte Kooperationen und die gemeinsame Nutzung von Infrastruktur." Dabei gehe es um eine stärkere Bündelung und damit auch Sichtbarkeit.

Bei den geplanten Einsparungen bei wissenschaftlichen Einrichtungen und Vereinen handelt es sich für Karl "nicht um eine reine Budgetmaßnahme". Es handle sich auch um eine Strukturbereinigung, wie sich auch vom Wissenschaftsrat, vom Rat für Forschung und Technologieentwicklung sowie vom Rechnungshof eingefordert werde, so Karl. (rwh, APA, derStandard.at, 9.11.2011)

Link: Plattform extra-universitärer Wissenschaften - mit Unterschriftenliste

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gipshax
11.11.2010 09:30
Silvios Masterplan!

Diese Idee der verordneten Volksverdummung hat sich Werner und Josef sich von Silvio - bei einem netten Schwätzchen auf Sardinien - erklären lassen!

Und überhaupt - irgendwie muß man ja das Geld auftreiben um
die ausufernde Verwaltung - den Elefantenfriedhof ausgedienter Funktionäre -
sowie mediale Haberer-Projekte wie dem Koralm-Tunne zu finanzieren.

Wissenschafter - Kopf hoch! Mit etwas Glück geht der Budgetentwurf durch einen Plattencrash beim Werner verloren - nicht nur die Claudia würde das sicher verstehen!

José Atento
10.11.2010 18:17
Wissenschafter kritisieren "Vertreibung der Intelligenz"

Tja, ich packe auch schon meine Koffer ;-)

mao zeitung
10.11.2010 17:36
alte ehrwürdige Institutionen wie " Research Studios Austria "

sind da auch gefährdet, so geht's nun wirklich nicht!

Lichtfreak
10.11.2010 14:28
Intelligenz

wird halt von manchen Dumpfbacken als gefährlich angesehen. Die geistige Elite ist den Hetzern nur im Weg.

cerberos
10.11.2010 13:58
Strukturbereinigung

Bund und Länder sollten Neustrukturierungen, verstärkte Kooperationen und gemeinsame Nutzung von Infrastruktur angehen. Dort wird das große Geld verbrannt.

Tom93
10.11.2010 13:55
wissenschaft&forschung? was brauch' ma des?

wir können ohne all das auch sehr gut leben. wir brauchen keine institute, archive, forschungseinrichtungen und dergleichen firlefanz. das gehört alles eingespart und geschlossen, nein, pardon "gebündelt" und "strukturbereinigt".

alles unter einem spö-bundeskanzler...

Erich.Hartig
10.11.2010 18:26
und zwei ÖVP MinisterInnen

die Zukunft des Landes ist denen völlig egal.
Karl sollte doch wissen, dass in Ö keine starke Industrie existiert, welch in großen Ländern diese Institute finanzieren.
Die offenen Milliarden Gegengeschäft aus den Eurofighter Kauf könnten doch zu solchen Zwecken verwendet werden, da müsste aber in den Ministerien etwas getan werden.

(Denken Sie sich bitte hier einen Nick. Danke.)
10.11.2010 18:55

auch der SP ist's egal. zuerst "microsoft/modern times" broukal, jetzt "medien" kuntzl für wissenschaft zuständig. ist ihnen schon wichtig, nicht wahr?

Romeo und Julia
10.11.2010 12:56
Niemand lässt es sich gefallen,

wenn eines Tages draufkommt nicht der intelligensteste Mensch auf Erden zu sein.
Sodann wird die Intelligenz vertrieben und der Horizont gekürzt.

naihoit
10.11.2010 12:47
Mögliche Wege sind Neustrukturierungen, die Anbindungen an bestehende Institutionen - vor allem Universitäten -, verstärkte Kooperationen und die gemeinsame Nutzung von Infrastruktur

Wirklich gescheit, ein sinnvoller Weg.
Frau Karl geht ihn aber in der falschen Richtung.
Erst kürzen und dann Einsparungspotential suchen wird wohl mehr einsparen, weil dann nichts mehr da ist, das man zusammen führen könnte.
Aber nichts bringen.
Einrichtungen, die sie nicht will, sollte sie gleich entsorgen und nicht auf Kosten der anderen langsam aushungern.
Und bei den erwünschten Einrichtungen kann man ja Synergien suchen, nutzen und die so ersparten Beträge entweder zwecks Steigerung belassen oder aber anders nutzen.

Harald H
10.11.2010 12:42
Zeit für eien neue Partei

Partei Engagierter Bürger (PEB)

Aufgaben:

1. Ende Klientelpolitik
2. Korruption bekämpfen (zB Herresspital)
3. Politikerhaftung für grobe Fahrlässigkeit (Verlust von Ressourcen)

merlot46
10.11.2010 11:20
Pat und Patachon in Aktion

Nach dem gestrigen Ministerrat stelle ich mir die Frage: "Wann meutert endlich die SPÖ-Basis und jagt Faymann fort? Wie groß ist die Leidensfähigkeit dieser Partei?

Synchronschachklub "Rudolf Nurejew"
10.11.2010 11:38
deren leidensfähigkeit ist unendlich

solange es die jetzigen und fast-pensis kaum trifft, ist für die alles paletti. denn das ist die basis SP, die ihr langsam wegstirbt.

Bernhard K.1
 
10.11.2010 11:06
Strukturbereinigung

Aha - wenn ich also will, dass sich die Struktur von Forschungsinstitutionen verbessert, ist die Beste Art, die der Wissenschaftsministerin einfaellt, den Instituten einfach kein Geld mehr zu geben.
Wow - Minister sein ist wahrlich ein herausfordernder Job...

Demian Höllwarth
 
11.11.2010 00:04

Sie kriegt doch nicht dafür ihr Geld. Das kriegt sie, damit sie schön brav irgendwelche vorgefertigte Stehsätze abliefert, ganz nett in verschiedenste Kameras grinst und dann irgendwas von "gemeinsamer Lösung" faselt, wenn alle Entscheidungen getroffen sind.

joseba beloki
10.11.2010 10:41

die forcierte ausrottung der "selbsternannten intellektuellen" (um einem begriff aus der ebenso leidigen migrationsdebatte auszuborgen) muss als konsequenter schritt zum arbeiter- und bauernstaat (um chinesische löhne im dienste der IV bzw. auf kredit im dienste der raiffeisen) weiter vorangetrieben werden!
siehe da - in der övp findet sich so manches, das durchaus an pol pot erinnert.
ich werde mich einmal an kontaktlinsen gewöhnen, bevor dann in ein paar jahren brillen tragen zum haftgrund wird.

Onkel Tom´s Hütte
10.11.2010 10:31
Österreich ist KEINE Bananenrepublik!

Aber wir haben Bananenpolitiker!

:-(

The Chaos Path
10.11.2010 10:06
prioritäten in österreich

was jährliche Einsparungen von acht Millionen Euro bedeutet.

im gegensatz dazu:

Hacklerpensionen: Zulauf so stark wie nie
"Die Folge war ein Run auf die Hacklerpension, der pro Jahr 500 bis 700 Millionen Euro kostet und bis dato anhält."

Dark Horizon
10.11.2010 09:50
Weitblick null.

Keine Bildung = Einfache Lösungen = radikal = Gewalt = Unrecht... und die sich ständig wiederholende Spirale dreht sich, ohne daraus je langfristig gelernt zu haben, was mE nur mit viel Bildung(sinvestition) geht.

Gonga
 
10.11.2010 09:29

so, und jetzt fordere ich die gleichen einsparungen bei den parteienförderungen!

Isokolon
10.11.2010 09:20
nicht mal einen NÖ-Rülpser wert

entweder Frau Karl ist eine unglaubliche Zynikerin, die bewusst als wandelnde Satire auftritt, oder - und das Gefühl werde ich momentan leider nicht los - sie meint das alles wirklich ernst, was sie sagt. Die Unis sagen bereits dass sie Fakultäten zusperren müssen bei dem Budget und sie will dass sich diese Institute Geld von den Unis holen -- ja woher denn Frau Karl?

beinstein
10.11.2010 08:27
WAS HABT IHR ANDERES ERWARTET..

von unseren roten und schwarzen regierenden und blauen die es auch gerne werden möchten?
"du sollst keinen intelligenteren neben mir dienen" is die oberste maxime aller beherrschenden, die mangels eigener fähigkeit das heil in der ausrottung der kritischen intelligenz suchen.
ab zum arbeitsdienst auf die felder ihr aufmüpfigen ;-)

mao zeitung
10.11.2010 10:05

In den letzten 10 Jahren wurden die F&E-Ausgaben in Österreich verdoppelt !!!

http://www.statistik.at/web_de/dy... ion/036406

Loxoceles
10.11.2010 11:25

Ja, nett, sie übersehen aber, was alles unterm diesem Posten gehandelt wird.
Etliche sog. "Forschungsförderungen" sind verkappte Direktförderungen für Betriebe, die nicht in Forschung, sondern in Produktentwicklung gehen.
Die Förderungsquote bei Grundlagenforschung hingegen ist minimal.
Bei den Uni-Budgets sind unter dem Posten "Forschungsförderung" auch die Gebäudemieten und die Lohnnebenkosten inkludiert. Diese machen über 50% dieses Teils aus, fließen also an den Staat zurück. Bei der Forschung selber kommt nur ein geringster Teil an.
Eine reine Schönung der Statistik ist das, kein reales Anheben der direkten Forschungsförderung.
"Hauptsache, die Formulare stimmen."

mao zeitung
10.11.2010 14:37

trotzdem, in den letzten 10 Jahren wurden diese von ihnen genannten Ausgabe / bzw. F&E-Ausgaben in Österreich verdoppelt !!!

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