Magnet zieht pillengroße Kamera durch den Magen

9. November 2010, 12:56
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Testpatienten würden Endoskop in Kapselform der herkömmlichen Methode vorziehen

Wissenschafter und Ingenieure haben eine neue Technik entwickelt, mit der Magenspiegelungen für den Patienten in Zukunft wesentlich angenehmer werden könnten. Die Idee dahinter: Der Patient schluckt ein Endoskop in Kapselform, das der Arzt von außen per Joystick über eine Magnetsteuerung durch den Magen navigiert.

Die Kapsel überträgt hochauflösende Bilder des Mageninneren drahtlos auf ein Bildverarbeitungssystem, an dem der Arzt sie sofort betrachten kann. Die Ergebnisse einer ersten Machbarkeitsstudie sind im Fachjournal Endoscopy beschrieben. Das System wurde jetzt auf der United European Gastroenterology Week in Barcelona als Modell in Originalgröße vorgestellt.

Der von Siemens und Olympus entwickelte Prototyp eines magnetgesteuerten Kapselendoskops besteht aus einer Magnetsteuerung, einem Bildverarbeitungs- und Steuerungsinformationssystem und dem Kapsel-Endoskop.

Variierende Magnetfelder und Funk

Der Patient schluckt die Kapsel mit Wasser und wird so positioniert, dass sich sein Magen samt Kapsel im Zentrum eines Magnetfeldes befindet. Der Magnet erzeugt in Echtzeit variierende Magnetfelder zur Navigation der Kapsel. Mit dem Magnetfeld kann der Arzt die Kapsel im Magen des Patienten per Joystick steuern. Die Kameras an beiden Enden der Kapsel übertragen Bilder des Mageninneren per Funk an das Bildverarbeitungssystem und der Arzt kann die Aufnahmen dann an einem Monitor betrachten. Das Kapselendoskop selbst ist etwa 31 Millimeter lang und elf Millimeter dick.

Test an 50 Personen

Eine Machbarkeitsstudie am Institut Arnault Tzanck in Saint Laurent du Var in Frankreich kam zu dem Schluss, dass die Methode funktioniert und exakte Ergebnisse bei Magenuntersuchungen liefert. Mit der neuen Methode könnten endoskopische Untersuchungen patientenfreundlicher und ohne Sedierung durchgeführt werden. Insgesamt zeigten sich im Rahmen der Studie bei den mehr als 50 untersuchten Personen 30 krankhafte Veränderungen im Magen. Davon wurden 14 Läsionen sowohl mit der Kapsel als auch mit dem konventionellen Gastroskop entdeckt, zehn nur mithilfe der Kapsel und sechs nur mit dem Gastroskop.

93 Prozent der untersuchten Personen empfanden die neue Untersuchungsmethode als angenehm, 89 Prozent fiel das Schlucken der Kapsel leicht, alle Befragten würden künftig eine Untersuchung mit der magnetgesteuerten Kapsel einer klassischen Gastroskopie vorziehen. (red)

  • Die 31 Millimeter lange und elf Millimeter dicke Kapsel-Kamera (rechts) wird per Magnetfeld durch den mit Wasser gefüllten Magen geleitet.
    foto: siemens

    Die 31 Millimeter lange und elf Millimeter dicke Kapsel-Kamera (rechts) wird per Magnetfeld durch den mit Wasser gefüllten Magen geleitet.

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