"Drei Trainings pro Woche sind zu wenig"

  • Bruno Mangl: "Um langfristig noch erfolgreicher zu sein, würde man natürlich schon 
noch zusätzliche Sponsoren brauchen.  Das kann aber auch nur dann 
klappen, wenn wir in den Medien und vor 
allem im Fernsehen präsenter sind"
    foto: bruno mangl

    Bruno Mangl: "Um langfristig noch erfolgreicher zu sein, würde man natürlich schon noch zusätzliche Sponsoren brauchen. Das kann aber auch nur dann klappen, wenn wir in den Medien und vor allem im Fernsehen präsenter sind"

SV Neulengbach-Obmann Bruno Mangl über den übermächtigen CL-Gegner Turbine Potsdam, die Fortschritte in der Liga und den steinigen Weg an die Spitze

Frauen-Serien-Fußballmeister SV Neulengbach trifft am Mittwoch im Wienerwaldstadion(19 Uhr, live auf Eurosport) auf die beste Clubmannschaft der Welt. Obmann Bruno Mangl spricht im Interview mit Thomas Hirner vor dem Champions League-Kracher gegen den 1. FFC Turbine Potsdam über motivierende TV-Übertragungen, Nachwuchsprojekte und die Unterschiede zu den absoluten Topvereinen. Auch das Budget, Sponsorensuche, der österreichische Fußballbund und die allmählich stärker werdende heimische Liga sind Themen des Gesprächs.

derStandard.at: In Neulengbach kommt es am Mittwoch erstmals zu einer Direktübertragung eines Frauenfußballspiels in Österreich. Eurosport überträgt ab 19 Uhr live. Bedeutet dies eine zusätzliche Motivation für die Spielerinnen?

Bruno Mangl: Auf jeden Fall ist das eine zusätzliche Motivation für die Spielerinnen, wenn sie erstmals 90 Minuten im Fernsehen gezeigt werden.

derStandard.at: Eine zusätzliche Belastung können Sie nicht orten?

Mangl: Nein, das glaube ich weniger. Der Gegner ist ohnehin schon stark genug. Für uns ist es eher ein Ansporn und wir freuen uns, dass die Partie im Fernsehen übertragen wird. Wir werden versuchen, ein gutes Spiel abzuliefern. Wir werden hauptsächlich defensiv aufgestellt sein und schauen, dass wir das Beste herausholen.

derStandard.at: Der Zuschauerrekord bei Frauenfußballspielen in Österreich liegt bei 1.600. Um welches Spiel handelt es sich hierbei und wann war das?

Mangl: Das war das Ländermatch Österreich gegen England 2005 in Amstetten. Damals waren aber auch deshalb so viele Zuschauer, weil es auch eine Ehrung für den Landesnachwuchs gab.

derStandard.at: Wie viele Zuschauer hätten im Wienerwaldstadion Platz und mit wie vielen rechnen Sie am Mittwoch?

Mangl: Wir hätten Platz für knapp 3.000, aber wenn 1.700 kommen, bin ich sehr zufrieden. Ich glaube nicht, dass uns das Fernsehen Zuschauer wegnimmt. Für Leute von weiter weg ist es ein zusätzlicher Reiz, sich einmal Neulengbach anzusehen und für die Menschen aus der Region geht es darum, Turbine Potsdam anzuschauen.

derStandard.at: Der 1. FFC Turbine Potsdam ist die Nummer eins der Welt, hat acht Nationalspielerinnen, drei Weltmeisterinnen und die überragende, zur Weltfußballerin des Jahres 2010 nominierte Fatmire Bajramaj in den Reihen. Was kann man im Vorfeld des Spiels tun, damit der Respekt nicht allzu groß wird?

Mangl: (lacht) Gute Frage! Sicher ist ein gewisser Respekt vorhanden und das muss auch so sein, weil sie die beste Vereinsmannschaft sind, aber man kann aus Sicht der Spielerinnen nur sagen, ich versuche mein Bestes zu geben und schaue, was dabei herauskommt. Ich habe schon im Vorfeld gesagt, dass die Chancen 1:99 stehen, dass wir was erreichen, aber für die Spielerinnen stellt das Match vor allem einen Lernprozess dar.

derStandard.at: Österreichs Frauenfußball kann mit anderen europäischen Ländern wie zum Beispiel Deutschland, Schweden, Norwegen, Frankreich nicht ganz mithalten. Was bräuchte es, um näher an die Spitze heranzukommen?

Mangl: Von solchen Spielen wie gegen Potsdam oder Saloniki bräuchten wir natürlich mehr, damit wir international an die Spitze finden könnten. Mit zwei oder vier Spielen im Jahr ist das schwierig. Aber mit diesem Problem leben auch viele andere Vereine aus Ländern, die nicht zur absoluten Spitze gehören, wie zum Beispiel Ungarn oder die Slowakei. Oft gibt es in der Liga nur zwei, drei starke Teams, die sich den Titel untereinander ausmachen und die Woche für Woche nicht so stark gefordert werden, wie zum Beispiel in Deutschland, wo Potsdam auch von Teams wie dem HSV, der an siebenter Stelle liegt, gefordert wird. Dort ist die Dichte natürlich viel größer als bei uns in Österreich.

Natürlich müsste man auch noch mehr an der Physis arbeiten, weil drei Trainings in der Woche einfach zu wenig sind, um an der Spitze mitzumischen. Potsdam zum Beispiel trainiert achtmal in der Woche und dort sind die Spielerinnen auch Halbprofis, bei uns Amateure, wobei hierzulande schon ein weiterer Schritt gemacht wird. Die ganz jungen Spielerinnen in den diversen Leistungszentren, vor allem St. Pölten, trainieren auch schon sechs Mal die Woche. Bis wir diese 15- bis 16-jährigen Spielerinnen in unsere Mannschaft integrieren können, wird es aber noch rund zwei Jahre dauern. Viele von ihnen wären noch gar nicht berechtigt, in der Champions League mitzuspielen. Das ist erst ab 16 gestattet. Wir hoffen aber, dass einige dieser Spielerinnen bei uns in der Kampfmannschaft Fuß fassen können, damit wir auch einmal weiter kommen als unter die besten 16 Vereine Europas.

derStandard.at: Wie sehr schmerzt der Abgang der Brasilianerin Rosana? 

Mangl: Natürlich war das eine schmerzvolle Angelegenheit. Aber Rosana hat den Sprung von einer Amateurin zur Profispielerin geschafft. Sie spielt jetzt in den USA und schaffte gleich in ihrer ersten Saison für New Jersey den Meistertitel.

derStandard.at: Gibt es in Neulengbach eine eigene Nachwuchsabteilung?

Mangl: Wir haben eine zweite Mannschaft, die sich hauptsächlich aus, 14-,15- und 16-Jährigen zusammensetzt. Die SVN-Juniors. Sie spielen in der zweiten Liga und belegen dort aktuell den dritten Platz und sie werden sukzessive für Einsätze in der Kampfmannschaft aufgebaut.

derStandard.at: In welchem Rahmen bewegt sich das Budget des SV Neulengbach? 

Mangl: Das sind rund 130.000 Euro. Wenn wir nicht international spielen, etwas weniger.

derStandard.at: Reicht das, um die Kosten abzudecken oder ist das eine knappe Angelegenheit?

Mangl: An und für sich reicht das, man muss halt da und dort sparen, das ist klar.

derStandard.at: Wie schwierig gestaltet sich die Sponsorensuche?

Mangl: Um langfristig noch erfolgreicher zu sein, würde man natürlich schon noch zusätzliche Sponsoren brauchen. Das kann aber auch nur dann klappen, wenn wir in den Medien und vor allem im Fernsehen präsenter sind. Aber eigentlich können wir nicht klagen, weil wir durch die Unterstützung des Landes Niederösterreich und das Pflegeheim Beer ganz gut aufgestellt sind.

derStandard.at: Wie beurteilen Sie die Liga? Sehen Sie einen gewissen Fortschritt oder herrscht Stagnation?

Mangl: Es gibt sicher Fortschritte. Früher haben wir die Liga klar dominiert, in den letzten Jahren sind aber mit dem FC Kärnten und heuer mit dem FC Südburgenland zwei Vereine erstarkt, die uns das Leben schon schwer machen. Die anderen Vereine machen größere Fortschritte, als das bei uns aktuell möglich ist, weil man natürlich am Anfang immer größere Fortschritte machen kann. Ich muss allerdings dazusagen, dass wir uns aktuell im Umbruch befinden und wir jetzt versuchen, systematisch junge Frauen in die Kampfmannschaft zu integrieren.

derStandard.at: Klappt die Zusammenarbeit mit dem ÖFB zufriedenstellend, oder wäre ein eigener Frauenfußball-Verband zielführender?

Mangl: Diesbezüglich kann man nichts sagen, die Zusammenarbeit passt. Der ÖFB hat ein gewisses Knowhow, eine gewisse Kompetenz und ich glaube nicht, dass ein ähnliches Konstrukt wie die Bundesliga bei den Herren Sinn machen würde, das würde sicher Schiffbruch erleiden.

derStandard.at: Mit Alexandra Biroova, die nach ihrer Gelb-Roten Karte vom letzten Mittwoch diesmal auf der Tribüne Platz nehmen muss, fällt eine Stütze der Abwehr aus. Gibt es annähernd adäquaten Ersatz? 

Mangl: Das ist sicher ein größeres Problem, weil sie in den letzten Wochen hervorragende Leistungen erbracht hat. Aber so ist Fußball, damit müssen wir leben. Trainerin Sabine Brand wird sich bestimmt etwas überlegt haben, wie der Ausfall zu ersetzen ist. Ein Vorteil ist, dass Daniela Tasch, die beim letzten Match gefehlt hat, wieder dabei ist. Sie kann auch in der Abwehr spielen auch wenn sie eigentlich Mittelfeldspielerin ist.

derStandard.at: Was trauen Sie dem SV Neulengbach gegen Turbine Potsdam zu? Wie geht's aus?

Mangl: (lacht) Das sind so Fangfragen. Wir werden schauen, dass wir das Ergebnis in Grenzen halten. Potsdam ist eine Mannschaft, die nicht zuletzt durch ihren Trainer Bernd Schröder die weltweite Nummer eins ist. Schröder ist ein sehr diktatorischer Mann, der das Team von der ersten bis zur 93. Minute nach vorne treibt. Da gibt es kein Ausrasten nach 60 Minuten, auch wenn es 4:0 steht, da gibt es vom Anfang bis zum Ende nur Vollgas. Auch deswegen ist das Ergebnis   ganz schwer zu tippen. Wenn wir die defensiven Aufgaben über 90 Minuten gut lösen, dann könnten wir ein knappes Ergebnis erreichen. In Potsdam haben wir 60 Minuten lang ganz gut mitgehalten, aber dann konnten sie noch zusetzen und wir waren am Limit.

derStandard.at: Wo sehen Sie die größten Unterschiede im Vergleich mit Turbine Potsdam?

Mangl: Auf jeden Fall im physischen Bereich. Aber auch technisch und taktisch sind sie top ausgebildet. Die Technik ist wahrscheinlich nicht so ausschlaggebend wie die konditionelle Komponente. Wenn man sich in guter physischer Verfassung befindet, bringt man auch die Technik über 90 Minuten rüber. Wenn aber die Kraft nachlässt, dann hilft auch die Technik nicht weiter, weil die Kraft fehlt, um die Technik auszuspielen. Potsdam ist in allen Belangen überlegen, aber vor allem konditionell sind sie tip-top. (derStandard.at, 9. November 2010)

Bruno Mangl ist 52 Jahre alt und von Beruf Bankdirektor. Er arbeitet bereits seit 20 Jahren für den SV Neulengbach und ist Vater eines Kindes.

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SV Neulengbach

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