Deripaska zurück, neue Beteiligung in Russland

8. November 2010, 22:32
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Baukonzern steigt bei Transstroj ein

Oleg Deripaska hat den Großteil seines verpfändeten Pakets von 25 Prozent am österreichischen Baukonzern Strabag ausgelöst: Der russische Oligarch zahlt 373 Millionen Euro für 17 Prozent. Gleichzeitig wird die bestehende Kooperation von Deripaskas Mischkonzern und der Strabag intensiviert, indem die Österreicher 26 Prozent am russischen Bauunternehmen Transstroj übernehmen. Der auf Straßenbau spezialisierte Betrieb war zuletzt mit Korruptionsvorwürfen konfrontiert und hat seinen Chef verloren. Über Transstroj will Strabag in die Infrastrukturerrichtung einsteigen.

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Moskau - Mehr als ein Jahr nach seinem Abschied als Kernaktionär des österreichischen Baukonzerns feiert der russische Oligarch Oleg Deripaska ein Comeback in Etappen. Bis Monatsende wird Deripaska über die Rasperia Trading Ltd einen Teil seines 25-prozentigen Aktienpakets zurückkaufen. Für 17 Prozent an der Strabag muss der fünftreichste Russe rund 373 Millionen Euro bezahlen. Für den Rückkauf der restlichen acht Prozent haben ihm die übrigen Kernaktionäre - Haselsteiner und Raiffeisen - Zeit bis 15. Juli 2014 eingeräumt.

Die Strabag wird sich ihrerseits an Deripaskas Transstroj, dem führenden Straßenbauunternehmen in Russland beteiligen. Geplant ist eine Beteiligung von 26 Prozent, für die der österreichische Baukonzern eine Anzahlung von 70 Mio. Euro leistet.

Die Strabag erhofft sich im Fahrwasser von Transstroj den Zugang zu Aufträgen im Straßenbau, die profitabler als das Hochbaugeschäft sind. Russland will in den nächsten fünf Jahren die Investitionen in die marode Verkehrsinfrastruktur erhöhen und 14.000 Straßenkilometer neu bauen. Um an die lukrativen Staatsaufträge zu kommen, ist allerdings ein russischer Partner nötig.

Strabag-Chef Hans Peter Haselsteiner gibt die Zielrichtung vor: Bis 2020 soll Russland dank der Partnerschaft mit Transstroj einer der drei größten Märkte für die Strabag-Gruppe werden. Ob sich Transstroj tatsächlich als Motor der Strabag-Expansion in Russland erweisen wird, ist noch offen.2010 ist für Transstroj alles andere als gut gelaufen. Die Pechsträhne begann mit einem Sturm, der den von Transstroj gebauten Hafen in Sotschi wegspülte. Im Sommer hob die russische Wettbewerbskommission die Auftragsvergabe für die zweite Baustufe des Hafens auf. Transstroj entgehen damit rund drei Mrd. Rubel (rund 70 Mio. Euro). Zudem erschüttert ein Korruptionsskandal das Unternehmen. Transstroj-Chef Iwan Kusnezow, der die Baufirma im September verlassen musste, steht laut Russki Newsweek im Verdacht, sich bereichert zu haben. Das Magazin berichtete, dass die Auftragnehmer das Vertrauen in Transstroj verloren hätten.

Zumindest beim Bau des Olympischen Dorfes rechnet sich die Strabag, die ursprünglich inSotschi von einem Auftragsvolumen von rund einer Milliarde Euro ausging, Chancen aus. Strabag und Glawstroj, die Bauholding unter dem Dach von Basic Element, haben am Montag eine Absichtserklärung über den Bau von Hotels und Unterkünften unterzeichnet. Die Auftragssumme beträgt 350 Mio. Euro.

Deripaska zahlt mit Cash

Der Rückkauf der Strabag-Aktien erfolgt mit Barmitteln, sagte Sergej Babitschenko, Sprecher von Basic Element, dem Standard: "Wir werden den Deal mit eigenem Geld und Fremdkapital finanzieren." Es gebe mehrere Finanzierungsoptionen. So werde mit mehreren Banken, darunter Raiffeisen, über einen Kredit verhandelt. Die Anzahlung, die die Strabag für den Transstroj-Anteil leistet, werde hingegen nicht für die Finanzierung der Option herangezogen. Basic Element habe "als Gruppe jede Menge Geldquellen" , sagte Babitschenko.

Wieviel die Strabag für den Transstroj-Anteil zahlen muss, wird sich nach der Due Dilligence, die bis Oktober 2012 abgeschlossen werden soll, weisen.Bis dahin können sowohl Strabag als auch Basic Element von dem Deal zurücktreten. Transstroj hat 2009 rund 900 Mio. Euro umgesetzt.

(Verena Diethelm aus Moskau, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.11.2010)

Wissen: Oleg Deripaska war im April 2007 mit zunächst 30 Prozent in die Strabag eingestiegen, was den damals unmittelbar bevorstehenden Börsegang um ein halbes Jahr verschoben hatte. Wie sich später herausstellte, war das Engagement mit einem Kredit bei der Deutschen Bank in London finanziert, besichert mit Aktien, die im Zuge der Finanzkrise stark an Wert verloren. Im Oktober 2008 verlangte die Bank von Deripaska deshalb einen Kapitalzuschuss, den dieser nicht leisten konnte. Daraufhin übernahm ein Finanzkonsortium um die Raiffeisen/Uniqa und die Haselsteiner-Gruppe den Kredit. Deripaska blieb symbolisch mit einer Aktie in der Strabag. Am vergangenen Freitag endete seine Rückkauf-Option auf 25 Prozent am Baukonzern.

  • Oleg Deripaska (rechts) kam, ging und ist schon wieder da. Mit im 
Gepäck: eine Beteiligung am Baukonzern Transstroj. Für Strabag-Chef Hans
 Peter Haselsteiner ein großer Schritt in Russland.
    foto: standard/matthias cremer

    Oleg Deripaska (rechts) kam, ging und ist schon wieder da. Mit im Gepäck: eine Beteiligung am Baukonzern Transstroj. Für Strabag-Chef Hans Peter Haselsteiner ein großer Schritt in Russland.

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