Novemberblues

8. November 2010, 17:47
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Anders als so mancher (West-)Tatort-Kommissar hat Imogen Kogge zehn Jahre lang unprätentiös am Land in Brandenburg ermittelt

Irgendwie mag keiner mehr. Der Hund von Polizist Krause (Horst Krause) ist müde, das Motorrad springt auch nicht an. Nebenan, in der Potsdamer Polizeizentrale, packt die Psychologin ihre Kisten und hört nur noch mit halbem Ohr zu. Dabei gesteht Kommissarin Johanna Herz (Imogen Kogge) am Sonntag um 20.15 Uhr in ihrem letzten Polizeiruf 110: "Eigentlich ist bei mir alles in Ordnung. Ich muss aber immer weinen."

An ihrem letzten Fall liegt das nicht, obwohl es da allerhand Grund für Tränen gibt - unfreiwillig auch für die krude Story. Kommissarin Herz sucht nach einer verschwundenen Polizeischülerin, die angeblich ermordet wurde. Eh klar, dass die junge Dame eigentlich quicklebendig ist und nur einen perfiden Rachefeldzug gegen ihren Liebhaber plant. Der spurt nicht so wie er soll, was im speziellen Falle ohnehin recht schwierig wäre, weil die Schülerin ein Borderline-Syndrom hat, man ihr nichts recht machen kann und sie auch noch ihre Rivalin verbrennt.

So weit, so schlecht. A propos Tränen. Fast möchte man mit der wunderbaren Imogen Kogge mitweinen. Anders als so mancher (West-)Tatort-Kommissar hat sie zehn Jahre lang unprätentiös am platten Land in Brandenburg ermittelt. Das oft große Elend der kleinen Leute in den furchtbar schönen Dörfern war ihr Thema. Und jetzt zum Abschied dieses Kriminal-Konstrukt.

Zum Schluss zieht die ausgebrannte Kommissarin nach Spanien. Immerhin: Der dicke Krause bleibt, er bekommt 2011 im Polizeiruf 110 eine neue Partnerin. Wäre auch schade, wenn er künftig nicht mehr die Partys von Hauptverdächtigen stört, indem er das Buffet mit einem beherzten Griff nach Fleischlaberln selber eröffnet. (Birgit Baumann, DER STANDARD; Printausgabe, 9.11.2010)

  • Kommissarin Herz und Polizeihauptmeister Kraus.
    foto: rbb/klein

    Kommissarin Herz und Polizeihauptmeister Kraus.

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