Westjordanland

Kontroverse um Kulturzentrum in jüdischer Siedlung

8. November 2010, 16:56

Namhafte Künstler haben zum Boykott eines Kulturzentrums in der jüdischen Siedlung Ariel aufgerufen - Israel droht Theatern, die dort nicht spielen wollen, mit Budgetkürzungen

Sollen die jüdischen Siedler im Westjordanland isoliert werden, oder haben sie, solange es keine ausgehandelte politische Lösung gibt, den gleichen Anspruch auf Dienstleistungen wie alle israelischen Bürger? Ein neues Kulturzentrum, das Montagabend in Ariel, der großen jüdischen Siedlung im Westjordanland, eröffnet werden sollte, ist zum Brennpunkt dieser innerisraelischen Debatte geworden.

Prominente israelische Kunstschaffende, darunter etwa die international bekannten Autoren David Grossman und Jehoschua Sobol, haben ihre Kollegen in einem offenen Brief aufgerufen, nicht in der "illegalen Siedlung" Ariel aufzutreten. Jede Form von Kulturboykott sei unsinnig, hielten viele Schauspieler und Theaterdirektoren dagegen. Kulturministerin Limor Livnat hatte sich demonstrativ zur Eröffnung am Montag angesagt.

Der rund 500 Zuschauer fassende Saal sollte mit dem Musical "Piaf" eingeweiht werden, aufgeführt durch das Theater von Beer-Scheva. "Wir treten am Montag in Ariel auf, keiner unserer Schauspieler hat abgesagt", versicherte Direktor Schmulik Jifrach.

In dem Brief hatte es geheißen, dass Siedlungen wie Ariel "das internationale Recht und die Genfer Konvention verletzen" und den Menschen "die Möglichkeit nehmen, in dieser Region in Frieden zu leben". Jeder der Schauspieler müsse seine Entscheidung selbst treffen, erläuterte Sobol, der Brief sollte sie aber darüber aufklären, dass das Westjordanland rechtlich als Ausland gelte: "Ihr müsst dort nicht auftreten, denn diese Gebiete gehören nicht zum Staat Israel."

Die Schauspieler seien ganz im Gegenteil vertraglich zum Auftritt verpflichtet, meinte Noam Semel, Direktor des renommierten Tel Aviver Cameri-Theaters, das ebenfalls Gastspiele in Ariel geben wird. "Ihre politische Meinung können sie mit dem Stimmzettel ausdrücken", so Semel.

Oder durch die künstlerische Botschaft auf der Bühne, denn auch für Ariel seien durchaus kontroversielle Stücke mit politischen Aussagen vorgesehen: "Theater ist wie Brot und Butter, es ist subventioniert und muss jedem israelischen Bürger zur Verfügung stehen, und wenn Israel in Ariel ein Kulturzentrum gebaut hat und die Bürger dort Theater sehen wollen, dann steht ihnen das zu", sagt Theaterdirektor Semel. Israelische Politiker hatten damit gedroht, Theatern, die Siedlungen boykottieren, die Subventionen zu kürzen.

Die jüdische Siedlung Ariel liegt tief im Westjordanland. Am Montag wurde dort ein großes neues Kulturzentrum eröffnet, zu dessen Boykott manche israelische Künstler aufrufen. (Ben Segenreich aus Tel Aviv, DER STANDARD, Printausgabe, 9.11.2010)

Kommentar posten
14 Postings
Hubert Ungeist
 
512
9.11.2010, 09:15
Das heisst eigentlich

verpflichtet der Staat israel seine Künstler zur Unterstützung von Kriegsverbrechen und heisst diese Kriegsverbrechen damit ausdrücklich für gut.

sc AN
111
12.11.2010, 20:39
bla bla bla

Dein Hass scheint eine gute Motivation zu sein ...
Tausende Postings gegen Israel (Auswirkung: Null)

Hubert Ungeist
 
15
13.11.2010, 07:54
Und zehntausende Versuche mich zu Verleumden

weil ich Israel kritisiere - wie ich auch die Hamas kritisiere. Das ist eine Verbrecherbande.

pepitant
00
14.11.2010, 19:56
Zwei. Das sind zwei Verbrecherbanden.

Und wie man aus dem Bericht ableiten kann, ist die zweite neben der Hamas nicht Israel sondern dessen völlig außer Kontrolle geratene Hardliner-Regierung, die neben den Palästinensern auch den gemäßigten Teil der eigenen Bevölkerung unterdrückt.

Hubert Ungeist
 
00
14.11.2010, 22:04
So kann man es sehen..

...

Makronaut
104
9.11.2010, 14:54

"verpflichtet"?

mal wieder ein kleiner propagandaverleser scheints ^_^

pepitant
01
14.11.2010, 20:02
Im Kapitalismus ist eine Ungleichbehandlung

von Anbietern in der gleichen Branche eine ernste wirtschaftliche Drohung. Aber Sie haben nicht ganz Unrecht, ich würde es in Ableitung aus oben genannter Argumentation eher Zwang als Pflicht nennen. Sie haben das doch bestimmt so gemeint ?

Hubert Ungeist
 
13
14.11.2010, 22:04
Nien

das meint Makronaut nicht. Für ihn ist Israel immer unschuldig.

Makronaut
80
14.11.2010, 22:00

zwang? kapitalistisches system?

wenn die theaterkompanieen im wettbewerb stehen, dürfen sie sich die spielorte aussuchen. wenn sie das nicht dürfen, gibts keinen wettbewerb.

mit kapitalismus hat das überhaupt nix zu tun.

pike bishop
04
15.11.2010, 14:29

Sie sollten vielleicht wirklich kurz klären, ob für Sie zumindest theoretisch die Möglichkeit besteht, dass Israel einmal was falsches oder gar schlimmes macht, oder sind deren Aktionen per se immer richtig und könnend daher nur von Antisemiten kritisiert werden. Ich will gra nicht das Sie konkrte werden (ich will sie ja nicht kompromitieren), sondern sagen Sie nur:
a) Ja, Iarael kann auch Böses machen,
oder
b) Nein, Israel ist immer im Recht.

Makronaut
70
15.11.2010, 21:47

sie lesen entweder nur ganz wenige meiner postings und/oder sehr einseitig.

oder sie sind tatsächlich so wahnsinnig, und glauben tatsächlich, was ungeist und reddogg so schreiben. kann ich mir aber nur schwer vorstellen, dass das tatsächlich jemand macht. o_O

fürs protokoll:

der siedlungsbau ist zb meines erachtens illegal und lieberman ist untragbar.

wenn jetzt noch jemand was inhaltliches zu meinen postings sagen könnte, wäre das ganz besonders spitze.

René Herndl
312
9.11.2010, 08:47
Künstler werden in Israel ...

... zum Rechtsbruch verpflichtet? Das wirft ein bezeichnendes Bild auf die Grundhaltung dieses Staates gegenüber Völker- und Menschenrecht.

Herbert Chaos
62
10.11.2010, 18:27

Jetzt wollen Sie schon das Aufführen eines Theaterstücks als Rechtsbruch brandmarken? Das wird ja immer skurriler mit Ihnen. Begeht ein Kino das oft von Drogendealern frequentiert wird auch Rechtsbruch? Begehen die aufführenden Schauspieler Rechtsbruch? Fragen über Fragen oder Hirnwixxerei zum Quadrat?

nääs
18
8.11.2010, 19:45

Kunst in Geiselhaft der Politik. Und wird damit selbst zum Handlanger.
Abhilfe schafft dann nur mehr ein fixes Budget, ohne Verknüfung an Konditionen. Und soetwas auszuverhandeln ist dann wahre Kunst.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.