Schweizer Institut

Österreichs Staats­schulden in zehn Jahren tilgbar

Martin Putschögl, 09. November 2010 07:04
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    Foto: gerd altmann / pixelio

    Allein die "Abschöpfung" der Vermögenszuwächse der letzten zehn Jahre würde ausreichen, um die Staaten zu entschulden.

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Schweizer Institut rät Österreich zu Vermögensabgabe und Einrichtung eines "Tilgungskontos" - "Maastricht-Grenze ist irrelevant"

Österreich ist nicht zu rund 70 Prozent, sondern nur mit 21,81 Prozent verschuldet - und die Schulden von knapp 191 Milliarden Euro könnten überdies in nicht mehr als zehn Jahren zur Gänze zurückgezahlt werden. Davon ist Alexander Dill, Soziologe und Chef des Basel Institute of Commons and Economics überzeugt.

Die Maastricht-Grenze, die die Verschuldung am Bruttoinlandsprodukt (BIP) misst, sei nämlich völlig irrelevant, sagt Dill. "Die Verschuldung in Prozent des BIP zu berechnen ist kontraproduktiv, weil dann nur noch Wachstum oder drastische Einsparungen die Neuverschuldung senken könnten, aber keine Tilgungsperspektive entsteht." Entscheidend sei das Verhältnis der Schulden zu den Privatvermögen in den einzelnen Ländern.

Österreichs Schulden bloß bei 21,8 Prozent

Und so betrachtet seien die 16 Euro-Staaten bloß mit 27 Prozent der privaten Vermögen verschuldet, so die Berechnungen des Schweizer Instituts - im Gegensatz zu den 79 Prozent des BIP, die Eurostat zuletzt im Durchschnitt berechnet hat. Und dies sei überdies "erheblich weniger, als der Zuwachs der Vermögen allein von 2000 bis 2010 betrug". Mit anderen Worten: Allein die "Abschöpfung" der Vermögenszuwächse der letzten zehn Jahre würde ausreichen, um die Staaten zu entschulden.

Am Beispiel Deutschland führt Dill aus, dass 1950 noch 36 Prozent der Gesamtsteuern von Wohlhabenden und Firmen aufgebracht wurden. 2009 waren es nur noch 15 Prozent. Im Übrigen sei zu bedenken, dass die Schaffung der Vermögen erst durch die Verschuldung der Staaten ermöglicht worden sei - etwa durch hohe Beamtengehälter und -pensionen. "Es besteht deshalb ein deutlicher Zusammenhang zwischen öffentlicher Verschuldung und dem Aufbau privater Vermögen, die allein in Deutschland seit 1979 um über 900 Prozent stiegen" - und zwar inflationsbereinigt.

Für Österreich liest sich das folgendermaßen: Die Pro-Kopf-Verschuldung lag laut Eurostat zuletzt bei 22.034,60 Euro. Das Privatvermögen pro Einwohner kommt derzeit allerdings - Dill bezieht sich hier auf das "Credit Suisse Global Wealth Databook 2010" - bei umgerechnet 101.010 Euro. Das Privatvermögen sei hierzulande von 2000 bis 2010 um 42,75 Prozent gestiegen.

Für die 16 Euro-Länder erhob das Basel Institute of Commons and Economics eine Pro-Kopf-Verschuldung von 21.491,10 Euro, ein Privatvermögen von 77.215 Euro und einen Vermögenszuwachs von 66,35 Prozent.

Vermögensabgabe und Tilgungskonto

Dill bzw. sein Institut schlägt nun einerseits konventionelle Maßnahmen vor, wie die Einführung einer zeitlich begrenzten Vermögensabgabe. "Wenn es die Euro-Staaten ernst meinen mit dem Stabilitätspakt, dann müssten sie konsequent in eine Tilgung der Staatsschulden eintreten - und damit die Steuerprivilegien der Wohlhabenden einschränken", dieses Fazit zieht der Soziologe aus der volkswirtschaftlichen Berechnung der Vermögen und Staatsschulden der 16 Euro-Staaten. Die Vermögenden würden im Gegenzug von sinkenden Zinslasten und den so geschaffenen Möglichkeiten zu Steuersenkungen und Investitionen entschädigt werden, so Dill. Und außerdem: "Aktienbesitzer erleben es ja auch, dass ihre Aktie um 20 Prozent sinkt. Nichts anderes geschieht bei der Tilgung der europäischen Staatsschulden."

Andererseits könnte auch ein "Tilgungskonto" bei der Österreichischen Nationalbank (OeNB) eingerichtet werden, auf das Bürger auch kleine Beträge einzahlen können. "Dadurch wird es möglich, die Tilgung der Staatsschulden als Gemeinschaftsleistung aller Bürgerinnen und Bürger umzusetzen, nicht nur als gesetzlich beschlossene Umverteilung. Der Euro wird im Ergebnis eine einmalige Stabilität erlangen - mit positiven Wirkungen auf alle Teile der europäischen Wirtschaft", ist Dill überzeugt. Der Euro könnte damit innerhalb weniger Jahre dauerhaft stabilisiert werden - und dies ganz ohne Einsparungen in den öffentlichen Haushalten. (map, derStandard.at, 9.11.2010)

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Sheriff Jack Mauer
12.08.2011 09:18
Kommunistische Hirngespinste

...

postdesperado
10.11.2010 13:22
schweizer institut

ach ja, der baseler ansatz ist definitiv nachdenkenswert.

postdesperado
10.11.2010 13:13
subversive finanzindustrie ?

der vermögenszuwachs der finanz-wirtschafts-kultur-und politikeliten der westlichen(christlichen) welt in den letzten 30 jahren: EXORBITANT

die staatenverschuldungen massiv besorgnisserregend.

die einkommen der unselbständig erwerbstätigen inflationsbereinigt tendenziell unverändert bis sinkend

aufgrund dieser parameter wage ich von einer steten aushöhlung der demokratischen verfasstheit der westlichen welt und deren institutionen zu warnen.

ich fordere eine grenzüberschreitende, aktive und gemeinsam agierende arbeitnehmerorganisation.

Decius
10.11.2010 10:42
Die Schulden sind in 8 Monaten zahlbar

wenn wir unsere gesamte Wirtschaftsleistung dafür hernehmen. Nur realistisch ist das halt nicht wirklich.

Wolfgang Pimminger
 
06.03.2011 15:57
Haben Sie diesen Artikel eigentlich verstanden?

Dill sagt nichts Anderes, als dass im Durchschnitt

1) jeder Österreicher über Vermögen im Ausmaß von 100.000 € verfügt
2) jeder Österreicher mit 20.000 € an einem staatlichen Kredit beteiligt ist.

Wäre das ihre ganz private Vermögensbilanz, wie lange brauchen Sie dann wirklich um den Kredit zu tilgen?

perdolfo
10.11.2010 15:28
z`spät is !

mit ein wenig Moral und Ethik in der Wirtschaft und Politik wärs erst gar nicht so weit gekommen !
Stichwort: große Abkassierer in beiden Lagern.
WANN kommt endlich der geforderte Ethik Unterricht in der WU ?
Und die Parteikaderschmieden sollten wir auch stets im Auge behalten.

sunking
10.11.2010 10:11

ich werde auch demnächst einmal versuchen, blei in gold zu verwandeln.

Erzpiefke
 
10.11.2010 10:05
Unglaublicher Schmarrn

Dieser Schweizer Salon-Sozi glaubt offenbar, daß das private Vermögen auf den Konten nur so herumliegt, um dort auf seine "Abschöpfung" zu warten. Das Geld ist investiert und selbst durch Fremdkapital gehebelt. Wenn jetzt so eine Vermögensabgabe käme, müßte Vermögen in erheblichen Maße liquidiert werden, was nur zu Ausverkaufspreisen möglich wäre, da wegen der Vermögensabgabe auch kein Kapital zum kaufen vorhanden wäre. So ein Raubzug hätte verheerende langfristige Folgen für die Investionsvereitschaft, da die Vermögenden mit einer Wiederholung rechnen müßten und dann ihr Kapital in Sicherheit brächten. Eine Reduzierung der Staatsverschuldung ist unmöglich, da sie sofort die staatliche Verschwendungssucht ankurbeln würde.

Wolfgang Pimminger
 
06.03.2011 16:01

Ausgerechnet einem Schweizer Salon-Sozialismus vorzuwerfen ist ziemlich gewagt.

Außerdem will Dill keineswegs die Vermögen selbst angreifen, seine Aussage geht in die Richtung, den Vermögensgewinn abzuschöpfen und das ist ohne jegliche Veräußerungen machbar.

Fazit: Erst lesen, dann denken, zuletzt posten

Bafana
10.11.2010 09:42
hahahahahahahaahahahahahaahah

Ich lach mich schief. Da haben Dick&Doof einen WiSozler bestochen um Propaganda zu produzieren. Wer blöd genug ist solls glauben. Ein Schweizer ist wohl erwählt worden fuer diese schmutzige Arbeit, weil man mit dem schweizer Bankengeheimnis keine Bestechungsgelder nachweisen kann.

Mathias
 
10.11.2010 09:42
Schweizer Institut rät Österreich zu Vermögensabgabe und Einrichtung eines "Tilgungskontos" - "Maastricht-Grenze ist irrelevant"

Darum ist das schweizer politische System auch kein solcher Selbstbedienungeladen wie Österreich!

Darum auch zahlen die schweizer Bürger weniger Steuern. Aber das ist eine andere Geschichte ;-)

- rau -
10.11.2010 10:00
Das ist die Lösung ! Rückgriff auf die Sparguthaben

der Bürger ! Zwangsenteignung ! Weil das Land Kärnten und das Land NÖ Gelder verspekulieren und der Bund Beamte massenweise in die Frühpension entlässt, sollen wir gleich direkt die Kohle hergeben. Das ist die nordkoreanische Lösung. Ob dann der Finanzminister auch erschossen wird ?

Wolfgang Pimminger
 
06.03.2011 16:13
Bravo Herr Rauscher!

Ihr Kommentar ist ziemlich entbehrlich. Wie übrigens Einiges, das sie so absondern.

Dill spricht nirgendwo davon, dass Reformen im Verwaltungsbereich nicht notwendig wären. Er befürwortet auch keineswegs eigenartige finanzielle Machenschaften der Politik. Allerdings zeigt er einen Weg auf, wie das Defizit und damit die Zinsenlast in den Griff zu bekommen ist, indem er Zahlen im richtigen Zusammenhang darstellt.

Ich fasse seine Aussage in kurzen Worten zusammen, so dass auch Ihr Hirn das verstehen kann: Liebe Österreicher, nehmt die ERTRÄGE aus euren Kapitalvermögen zur Schuldentilgung her und in 10 Jahren seid ihr schuldenfrei.

War DAS deutlich genug?

dlang
13.11.2010 17:28

mit Sicherheit

normal citizen
10.11.2010 09:34
Allerdings stehen die zitierten Vermögenszuwächse nicht inflationsbereinigt

Dormouse
10.11.2010 09:32

"Entscheidend sei das Verhältnis der Schulden zu den Privatvermögen in den einzelnen Ländern"

nur wenns nicht angefasst wird, ist das irrelevant...und zum vorposter: rumänien ist nicht österreich, auch wenns schon fast so korrupt ist.

Corello
 
10.11.2010 09:22
Das komunistische Rumänien war auch schuldenfrei.

Und hatte 1990 nur noch glückliche Bürger und eine florierende Wirtschaft.

Folget dem Conductator!
Hoch Ceaucescu!

1000 Kopfläuse können nicht irren
10.11.2010 09:34
Wie glücklich sind wir in unserer Wohlstandsgesellschaft tatsächlich?

Überfluss = Verdruss?

styx12
10.11.2010 09:45

Achso, Sie wollen lieber im Rumänien der 80-er Jahre leben? Heute gibt es ähnliche Mangelgesellschaften noch in Nordkorea und Kuba, soweit ich weiß. Viel Spaß und gute Reise!

1000 Kopfläuse können nicht irren
10.11.2010 17:17
Genau.

Und dazwischen gibt es nix, gell?

genpro
10.11.2010 08:47
jo genau, jeder so zahlen...

...klassischer utopist, wo lebt den der?...ajaaa in der Schweiz, naja dann ;-) ...naja, oder wir nehmens von den "Reichen" ... die Reichen sind immer die, die mehr verdienen als man selbst...so bleibt theoretisch nur einer uebrig: DER Reichste...und der wird vermutlich seine Wege und Mittel kennen, sich der "Verantwortung" zu entziehen ;-)... bin so muede von dem sinnlosen Diskurs...1. wer glaubt wirklich dass Politiker was zu sagen haben, wenn die Wirtschaft diktiert...2. Welcher Idealist ist noch Politiker (oder umgekehrt) und will etwas fuer "die Nation" tun und nicht fuer sich oder seinen Clan (Pröll und Co...)? ...Frag mich wozu ich poste? ;-)

mountaineer
10.11.2010 08:17
Österreichs Staatsschulden in zehn Jahren tilgbar:

Nachsatz: durch Norwegen und die Schweiz mit vereinten Kräften.
Allerdings: wie bringen wir DIE dazu, unsere Staatsschulden zu tilgen?
Zuerst habe ich mich "verlesen" gehabt: ich dachte schon: "Österreichs StaatsschuLen in zehn Jahren tilgbar": man arbeitet daran (Pröll sen. und jun., Schmied usw.)!

Paolo64
10.11.2010 08:11
komisch... genau zur richtigen Zeit für die Regierung...

E. Pagliacci
10.11.2010 09:45

Komisch ist nur, dass man das komisch finden kann.

Noxventa
10.11.2010 07:27
Für mich als laien klingt das start nach Milchmädchenrechnung

Welcher private Haushalt zahlt freiwillig Staatsschulden für Banken, Eurofighter und unfähige Politiker zurück?

Zahlen wir mit den Steuern nicht genug ein? Was kann ich als kleiner Bürger dafür, dass mit meinem Anteil an der Staatsfinanzierung so nachlässig umgegangen wird?

Ich bin absolut für einen Schuldenabbau, damit wir in Österreich mal wieder positive Nachrichten hören und nicht jede Woche erneute tiefe Einschnitte im Sozialstaat in den Nachrichten als "tolle Sparmaßnahme" präsentiert werden.

Mit einer ordentlichen Vermögenssteuer sollte man anfangen und den kleinen Bürger entlassten bzw. nicht noch mehr belasten.

Schön dass getilgte Staatsschulden der Wirtschaft zugute kommen, dann können sie ihre Rekordgewinne weiter erhöhen.

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