EU-Rettungmechanismus

Zusatzversicherung für Spekulanten

7. November 2010, 17:34

Private Investoren sollen zwar zur Kasse gebeten werden, aber nicht für bereits bestehende Kredite

Deutschland macht Druck bei der Errichtung eines dauerhaften Rettungsmechanismus für EU-Staaten.

***

Berlin/Brüssel - Wer bereits Anleihen von angeschlagenen Staaten wie Griechenland, Irland oder Portugal besitzt, darf aufatmen. Sollte eines dieser Länder irgendwann pleitegehen, müssen private Investoren nicht mit Verlusten rechnen. Das sehen zumindest die Detailpläne des deutschen Finanzministers Wolfgang Schäuble für einen permanenten EU-Rettungmechanismus vor.

Bis 2013 gibt es ohnehin bereits einen 750 Milliarden Euro schweren Schutzschirm von EU und Internationalem Währungsfonds. Für die Zeit danach soll bei einem EU-Gipfel im Dezember eine neue Insolvenzordnung beschlossen werden. Deutschland gilt neben Frankreich als treibende Kraft bei dem Thema. Die Schäuble-Pläne haben also durchaus Gewicht.

Konkret schlägt der deutsche Finanzminister bei künftigen Krisen ein zweistufiges Rettungsverfahren vor. "Gerät ein Land in Zahlungsschwierigkeiten, setzt die Europäische Union ein Spar- und Sanierungsprogramm in Gang wie im Falle Griechenlands", sagte Schäuble im Nachrichtenmagazin Spiegel. "In einem ersten Schritt könnten dann die Laufzeiten für diejenigen Anleihen verlängert werden, die in dieser kritischen Phase fällig werden." Helfe dies nicht, "müssten die Privatgläubiger in einem zweiten Schritt einen Abschlag auf ihre Forderungen hinnehmen", so Schäuble. Im Gegenzug bekämen sie aber auch Garantien für den Rest ihrer Forderungen.

Damit würden zwar erstmal private Anleger zur Kasse gebeten, der neue Mechanismus soll aber nicht für Altschulden, sondern nur für neue Kredite gelten, wie Schäuble betont. Wer sich also bis 2013 mit Papieren von maroden Ländern eindeckt, hätte de facto kein Ausfallsrisiko. Die Rendite sind dabei durchaus beachtlich: Zehnjährige irische Anleihen werfen derzeit fast acht Prozent Ertrag ab, bei portugiesischen Papieren sind es 6,5 Prozent.

Die privaten Gläubiger nur bei neuen Krediten in die Pflicht zu nehmen, dürfte auf Einwände der Europäischen Zentralbank zurückgehen. EZB-Chef Jean-Claude Trichet führt die zuletzt wieder deutlich gestiegenen Risikoaufschläge bei den erwähnten Ländern unter anderem auf die zunächst unklaren EU-Pläne zurück. Er forderte eine Klarstellung, dass es für Besitzer von bereits ausgegebenen Anleihen in einem Krisenfall keine Abschläge geben würde. Alle neuen Anleihen von EU-Staaten sollen, so Schäuble, künftig Klauseln enthalten, "in denen genau festgelegt ist, was im Krisenfall mit den Forderungen der Gläubiger passiert".

Juncker für Euroanleihen

Für einen anderen Weg plädiert der Chef der Eurogruppe, Jean-Claude Juncker. Er schlug in der Süddeutschen Zeitung, wie zuvor schon EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy, gemeinsame Euro-anleihen vor. Bis zu einem Schuldenstand von 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts - so viel ist laut Maastricht erlaubt - sollten die Euroländer solidarisch haften, so Juncker. Für alle darüber liegenden Schulden müssten die Länder national haften. (go, Reuters, DER STANDARD, Printausgabe, 8.11.2010)

Kommentar posten
23 Postings
Agnostiker1
00
23.11.2010, 17:01
Deutschland entwickelt sich immer mehr zum Sprecher der EU.

Sarkozy sitzt nur noch im Sozius.

Dr. Seltsam
 
03
8.11.2010, 12:08
Das ist lächerlich!

Die höheren Zinsen stellen ja einen Risikoaufschlag dar! Wenn es also jetzt einen Mechanismus gibt, der vor diesem Risiko schützt, ist das eine gravierende Marktverzerrung! Warum soll der Steuerzahler jene unterstützen, die eine riskante Anlagestrategie fahren?

Wie wäre es damit: Die Besitzer von bestehenden Anleihen können wähle, ob sie weiterhin die hohe Rendite und dafür das Ausfallsrisiko haben wollen, oder sie können sich in den sicheren Hafen des €-Rettungsschirms begeben, bekommen dann aber nur noch - sagen wir 2% Rendite.

Enrico Furioso
03
8.11.2010, 11:50
wenn ich mit meiner Firma der höheren Profite wegen riskante Geschäfte tätige

und mit diesen Geschäften baden gehe, interessiert das kein Schwein. Aber wenn die Finanzindustrie mit riskanten Spekulationen baden geht, hat der Bürger einzuspringen und die Verluste der Finanzindustrie, wenn schon nicht zur Gänze, so doch ab 2013 zum Teil zu tragen? Das ganze Reformpaket ist ein Witz. Damit wird doch nur der Finanzindustrie eine Art Ausfallversicherung in die Hand gedrückt, sie kann nun ungeniert hochriskante Geschäfte tätigen mit der Gewissheit, dass ihr potenzieller Schaden im voraus exakt zu kalkulieren und ihr Verlust durch diese Versicherung eingegrenzt ist.

Das ist ein Rückfall in eine Art Feudalismus, mit der Finanzindustrie als neuer Adel. Und wir sind wie Leibeigene die Frondienst für sie verrichten.

naihoit
07
8.11.2010, 09:30
Gratis Zusatzversicherung für Spekulanten sollte es wohl heißen,

und die Politik bedient wieder einmal eine mächtige Lobby auf Kosten der Allgemeinheit.
Die Spekulanten kassieren die hohen Zinsen, weil das ja riskate Anlagen sind, die Kosten tragen im Fall des Falles aber dann andere.

inness robins
00
8.11.2010, 08:23
Der Mann ist unanständig!

Jetzt geben die Deutschen den armen Griechen Kredit-und kassieren 8%. Für ihr geborgtes Geld müssen sie bloß 2% zahlen und den Griechen dürfen sie auch noch anständig auf die Finger klopfen!

ravenna
01
8.11.2010, 08:29

Sie vergessen dabei halt nur, dass die Griechen ohne die Deutschen überhaupt kein Geld bekommen würden bzw. Deutschland das Ausfallsrisiko der Anleihen trägt.

Dr. Seltsam
 
00
8.11.2010, 12:12

Deutschland trägt aufgrund der Risikoaufschläge bei den Anleihezinsen ganz zu Recht das Ausfallsrisiko!

Hohes Risiko wird nun einmal mit hohen Renditen bezahlt. Hohe Sicherheit mit niedrigen Renditen.
Hohe Sicherheit bei hohen Renditen gibt es nicht! Schäuble schlägt nichts anderes vor, als das alle europäischen Steuerzahler für die Anleihen, die deutsche Banken gekauft haben, gerade stehen sollen. Das ist absurd, unmoralisch, ungerecht und komplett marktverzerrend!

Kapitalismus Luege
00
8.11.2010, 02:43
eine Volkswirtschaft schafft sich ab ...

sowas waere tiefgruendig, interessiert aber keinen.

Peter_23
24
7.11.2010, 18:37
Na, die *******e muss ja ganz schön am kochen sein

Wenns jetzt schon 8% Zinsen für angeblich null Risiko geben muss es schon recht arg sein. - wie war das mit den angeblich Mündelsicheren Aktien der Immofinanz. Total sicher, sicherer als jedes Sparbüchl. Und total viele Zinsen.

Ist genau das gleiche Muster wie vor einigen Monaten/Jahren. Es werden hohe Zinsen geboten und gleichzeitig versprochen, dass alles ohne Risiko ist. Das kann nicht funktionieren. Und dann kommt beim nächsten Zusammenbruch wieder das grosse Staunen und Wehklagen.

madrid
00
7.11.2010, 19:16
Luxenburg lebt von den Banken

die PIIGS auch aber anders herum

Papa.Geno73
00
8.11.2010, 03:28

... und beide leben gut zulasten Dritter, der Steuerzahler.

4311503
44
7.11.2010, 18:52

Jemand der Rendite mit Zinsen verwechelt sollte vielleicht mal sein Posting noch mal selber genau durch lesen. Sonst wird er wohl nicht ernst genommen werden.

.oOo. /|||||||\ .oOo.
14
7.11.2010, 22:06

??
http://de.wikipedia.org/wiki/Rendite
"Die bekannteste Renditekennzahl ist der Zinssatz"
??

Agnostiker1
00
23.11.2010, 16:39
Welchen ZInssatz meinen Sie eigentlich. Es gibt deren mindestens 20.

Aber es beweist Ihre Kompetenz.

Dr. Seltsam
 
00
8.11.2010, 12:15

Ob jemand Rendite und Zinsatz auseinanderhalten kann, oder nicht ändert NULL an der prinzipiellen Erkenntnis der Problemlage.

Mork vom Ork
10
7.11.2010, 23:35

soviel dazu wieviel unwissen die wikipedia produziert....

rendite=zinsertrag+kursgewinn/jahre restlaufzeit

Agnostiker1
00
23.11.2010, 16:41
Wer sich auf Wikipedia als Quelle beruft, hat ausgedient.

madrid
01
8.11.2010, 08:06

In den 8,5 % für irla. Anleihen ist ja der Kurs schon mit eingerechnet. Erst durch den Kurs ergeben sich ja bei Staatsanleihen Zinsschwankungen bzw neue Risikobewertungen - weil grundsätzlich sind das ja alles festverzinsliche Wertpapiere

.oOo. /|||||||\ .oOo.
11
8.11.2010, 07:55

a) sie können ja die wiki am neuesten stand halten, jeder darf das
b) bei anlagen in der gleichen währung gibts keinen kursgewinn, also stimmt mit dieser annahme die wiki.
c) in die rendite dürfen sie riskoreiche anlagen vorab nicht reinrechnen, und falls doch, und sie mir so ein finanzprodukt mit "sicherer" redite verkaufen, werde ich sie bei verlusten verklagen.

caesus
00
8.11.2010, 09:05
...

ad b) Mork hat nichts von Fremdwährungskursen gesprochen

Wird eine Anleihe mit einem fixen Zinssatz von 5% begeben und das Zinsniveau am Markt beträgt 5%, bezahlen Sie für die Anleihe das, was Sie zum Laufzeitende zurückbekommen.

Steigt der Zinssatz am Markt auf über 5%, sinkt der Preis, den sie für die Anleihe bezahlen müssen (sie dürfen sich das dann als Abschlag dafür vorstellen, dass Sie weniger Zinsen kriegen als es am Markt möglich wäre)

Eine Erhöhung des von Investoren verlangten Risikoaufschlags führt auch zu einem geringeren Kaufpreis (höherer Zins --> geringerer Barwert).

Käufe zu verschiedenen Zeitpunkten können (und werden idR) also zu unterschiedlichen Kursen/Preisen erfolgen und somit zu Kursdifferenzen führen.

her wig
01
7.11.2010, 20:45

Und wo ist im konkreten Fall der Unterschied?

4311503
00
8.11.2010, 09:05

1. Bsp Immofinanz: Eine Aktie zahlt keine Zinsen. Die zahlt höchsten Dividenden und die Rendite ergibt sich aus den Kurssteigerungen + Dividenden

2. Zahlt Irland keine 8% auf ihre (alten) Schulden sondern sie zahlen gleich viel Zinsen wie früher nur stehen die Anleihen nicht mehr bei 100 sondern weiter unten. Also ergibt sich die Rendite aus den gezahlten Zinsen (die aber im Verhältnis zum aktuellen Kurs mehr wert sind; 4 Zinsen bei Kurs 100 sind 4%; 4% Zinsen bei Kurs 80 sind aber schon 5%) und aus einer allfälligen Kurssteigerung.

Deswegen ist die Aussage unrichtig dass höhere Zinsen gezahlt werden. Diese Aussage stimmt eingeschränkt auf neue Anleihen. Alte Anleihen zahlen gleich viel Zinsen wie immer nur die Rendite ist höher.

Gold und Silber kaufen
 
00
7.11.2010, 18:24
Hat das jetzt jeder kapiert? Finger weg von Staatsanleihen

und allen Mistpapierln, hinter denen sie sich verbergen: Sparbücher, Lebensversicherung, Bausparer etc. Zinsen gibts kaum noch, der Knödelsepp nimmt 25% vom Gewinn weg, das Ausfallsrisiko steigt täglich, und mit Inflation heißt das: real ein Verlust!

Wenn ich dagegen an meinen Tresor denke: Anfang 2010 kaufte ich das kg Silber um ca. 480 Euro, jetzt ist keines mehr unter 660 Euro zu bekommen. Und Silber hat noch viel Platz nach oben!

http://www.goldseiten.de/content/d... 83&seite=0

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