Rechnungshof schlägt Alarm

Moser: Sparpaket "reicht bei weitem nicht aus"

7. November 2010, 08:47
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    foto: standard/regine hendrich

    Rechnungshofpräsident Josef Moser hält das Sparpaket für unzureichend.

RH-Präsident fordert zusätzliche Anstrengungen - Ohne Strukturreformen keine Sanierung möglich

Wien - Rechnungshofpräsident Josef Moser kritisiert das von der Regierung geschnürte Sparpaket als unzureichend und fordert zusätzliche Anstrengungen. Insbesondere pocht Moser auf die Einbindung von Ländern und Gemeinden sowie auf konkrete Strukturreformen. Das nun vorgelegte Sparpaket "reicht bei weitem nicht aus", um die im Frühjahr angekündigten Budgetziele zu erreichen, sagt Moser im Interview: "Das Budget wird nicht saniert werden können, wenn man nicht in die Strukturen hineingeht." Auch, dass die Sanierung zu 60 Prozent durch Einsparungen und nur zum geringeren Teil durch neue Einnahmen erfolgen wird, bezweifelt Moser.

Für Moser gleicht die Finanzsituation der Republik einer unbehandelten Wunde, die eine nachhaltige Therapie und nicht nur eine oberflächliche Behandlung brauche. "Man könnte sagen, dass jetzt durch die Maßnahmen ein Pflaster auf die Wunde gepickt wird, die Wunde aber nicht behandelt wird - die Wunde wird wieder aufbrechen", warnt Moser und drängt auf echte Strukturreformen. Er verweist darauf, dass die Ausgaben von Ländern und Gemeinden von 2005 bis 2009 deutlich stärker angestiegen seien (nämlich um 9 bzw. 6 Prozent) als jene des Bundes (3,5 Prozent): "Wenn man konsolidieren will, erfordert das das Zusammenwirken aller Gebietskörperschaftsebenen."

Unzufrieden ist der Rechnungshofpräsident daher auch mit dem Plan der Regierung, den Ländern ein Drittel der neuen Steuereinnahmen zukommen zu lassen, ohne ihnen im Gegenzug Reformen abzuverlangen. "Es reicht nicht aus, wenn man auf Länder und Gemeindeebene die Einnahmen neu verteilt, aber diese Neuverteilung nicht gleichzeitig mit Konsolidierungsschritten auf allen drei Gebietskörperschaftsebenen verknüpft sind", kritisiert Moser. Der Rechnungshofpräsident warnt, dass die Zinsen für die Staatsschuld bis 2014 mehr ausmachen werden, als die gesamten Ausgaben für Wirtschaft, Infrastruktur und Umwelt zusammen.

Moser bezweifelt 60:40-Aufteilung

Dass die Regierung die angestrebte 60:40-Aufteilung von Sparmaßnahmen und neuen Steuern einhalten kann, glaubt Moser angesichts der aktuell vorliegenden Budgetbegleitgesetze nicht. "Derzeit ist das äußerst zu bezweifeln", so der Rechnungshofpräsident - nicht zuletzt deshalb, weil die Aufteilung der Einnahmen auf Länder und Gemeinden nicht mit Konsolidierungsmaßnahmen auf der Ausgabenseite verknüpft worden sei. Außerdem verweist Moser darauf, dass in den Gesetzesentwürfen mehrere Maßnahmen als Einsparungen dargestellt würden, obwohl es sich in Wahrheit um zusätzliche Einnahmen handelt - etwa die Beitragserhöhungen für Bauern und Unternehmer oder die Beiträge der Wirtschaft zu Lebensmittelkontrollen. Das seien keine Einsparungen, so Moser, sondern "man überwälzt die Ausgaben des Bundes in den privaten Bereich".

Zweifel meldet Moser am Einsparungspotenzial mehrerer in den Budgetbegleitgesetzen genannter Sparmaßnahmen an: Vielfach sei die Summe nicht nachvollziehbar, teilweise sei das Sparpotenzial nicht einmal einmal konkret beziffert. Daher will der Rechnungshof prüfen, ob es sich tatsächlich um nachhaltige Sparmaßnahmen handelt, oder ob Kosten lediglich auf andere öffentliche Träger abgewälzt oder in die Zukunft verschoben würden: "Wenn es eine Kostenverlagerung ist, entstehen die Kosten in der Zukunft. Damit löst man das Problem nicht. Entscheidend ist, dass man das Budget nachhaltig saniert."

Apropos Reform: Die von der Koalition eingesetzte Arbeitsgruppe zur Verwaltungsreform liegt derzeit offenbar auf Eis. Der letzte Termin wurde wegen der Budget-Klausur in Loipersdorf abgesagt. Ein neuer Termin wurde laut Moser von der Regierung bisher nicht festgesetzt.

FP sieht Kritik bestätigt, VP wirft SPÖ Schließungspläne vor

Die FPÖ fühlt sich durch die Mosers Aussagen in ihrer Kritik am Budgetkurs der Regierung bestätigt. Generalsekretär Herbert Kickl fordert Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) auf, den derzeitigen Vorsitzenden der Landeshauptleutekonferenz, Erwin Pröll, zu den "Österreich-Gesprächen" über das Budget einzuladen. Die FPÖ habe immer gesagt, dass eine Sanierung des Budgets ohne echte Verwaltungsreform nicht möglich sei.

VP-Generalsekretär Fritz Kaltenegger sieht die Kritik von SP-Geschäftsführer Günther Kräuter an der ÖVP in Sachen Verwaltungsreform indessen als "Desavouierung von Kanzler Faymann". Schließlich habe Faymann selbst die Reform zur Chefsache erklärt. Außerdem unterstellt Kaltenegger den SP-Ministern Claudia Schmied und Alois Stöger, Schulen und Spitäler schließen zu wollen. Keiner der Minister habe je mit den Ländern verhandelt, "sondern nur medial damit für Aufregung gesorgt, dass sie Dienstleistungen für die Bürger einschränken wollen", so Kaltenegger.

Grünen-Budgetsprecher Werner Kogler fordert angesichts der Rechnungshof-Kritik ein Ende der "Blockadehaltung" der Landeschefs. "SPÖ und ÖVP sollen ihre entsprungenen Reformverweigerer - allen voran Landeshauptmann Erwin Pröll - wieder einfangen. Die Verwaltungsreform muss endlich angegangen werden", forderte Kogler am Sonntag in einer Aussendung. Die nächsten "Österreich-Gespräche" müssten zu einer Allianz von Vernunft und Innovation werden: "Sonst kann man es endgültig bleiben lassen."

(APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 239
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mikromalist
 
00
8.11.2010, 12:48
Allein die umwelt-feindlichen

Subventionen machten EUR 5 Mrd aus (Profil der Vorwoche)?

Gandalfino
03
8.11.2010, 06:47
NAtürlich hat Moser recht!

Ohne Verwaltungsreform, wird es nicht gehen. Auch wenn ich keine funktionierende Kristallkugel habe, ist leicht vorhersehbar, was passieren wird:
Rot-Schwarz werden weiter an der Steuerschraube drehen und den "kleinen Mann" melken, ohne die wirklich großen Aufgaben anzugehen. Bei der nächsten Wahl werden dann soviele Österreicher nicht wählen, ungültig wählen oder bei Strache ein Proteskreuzerl machen, das die FP die stärkste Partei wird. Dann wird das große Staunen herrschen und alle werden sich fragen, wie das passieren konnte.
Es gibt nur einen Ausweg: GEHT DIE VERWALTUNGSREFORM AN !!!!!!!!! Daran führt kein Weg mehr vorbei.
Befragt das Volk dazu, fordert einen Volksentscheid, wenn ihr Angst vor den Lobbies habt!

einem grünen Strichal a rotes Strichal
01
8.11.2010, 06:01

“Es ist eigentlich gut dass die Mehrheit der Menschen das Geldsystem nicht verstehen, denn wenn sie es verstehen würden, hätten wir eine Revolution
noch vor morgen Früh.”
Henry Ford

chief joseph
00
7.11.2010, 23:59

der gute hr. moser hat natuerlich keine ahnung v.der materie.
ich vertraue da lieber voll und ganz auf unsere renommierten und weltweit anerkannten polit- und finanzgurus faymann wernerle und proell pepi!

"YES THEY CAN"

Johannes Oetztaler
01
7.11.2010, 23:03
Rechnungshof

sehr geschätzter herr dr. moser !
ihre ankündigung was zu tun ist. bzw. wäre kümmert sowohl den kanzler als auch pröll wenig bis gar nicht.
es wird auch keine verwaltungsreform geben, denn wenn man dieses thema ernsthaft angehen würde, dann würde kein stein auf dem anderen bleiben.
das will natürlich auch niemand, daher bleibt alles beim alten.
der rechnungshof und viele andere sind weiterhin vollbeschäftigt, den politikern zu sagen, welche richtung eingeschlagen werden sollte, an diesen prallen -zurückzuführen auf massive beratungsresistenz- alle wohlgemeinten und guten ratschläge ab.
meine zusammenfassung:
alles bleibt beim alten, der bevölkerung werden minimale kosmetische reparaturen als der große wurf verkauft.

disblabla
 
10
7.11.2010, 22:03
na sowas

2000 Mandatare bringen uns das Paradies: da ein neuer Kreisverkehr, dort ein Verein zur Fördrung unfruchtbarer Zeitgenossen (Homos und Lesben) der geliebte Tanzclub an der Häupl-Ecke, Edlingers Fußballclub, die Feier zum Geburtstag vom Bürgermeister: nicht aufzuzählen, was unsere Republik leistet an .. Hitler brachte uns neue Steuern, die bis heute bestehen(Kirchensteuer) Wetr bis heute kein Amt erhalten hat im österreichischen Föderalismusparadies, wird seinen Enkeln keine gute Zukunft verheissen können. Dass uns die westlichen Nachbarn in Ruhe gelassen und nicht wie Hitler inhaliert hatten, ist mein Pech. Jetzt weiss ich, dass meine Nachkommen ihr lebenlang für Prölls und Häupls Freunde blechen müssen, weil niemand sie daran hindern kann.

Strache - der kürzeste Witz Österreichs!
10
7.11.2010, 21:45
Der schreit nach dem plötzlich so stillen Strache!

Still deshalb weil die Justiz endlich Gerechtigkeit üben wird.
Ich wünsche ihm über 9 Monate Vorstrafe, denn dann fliegt er aus dem Parlament, der Strache!

Jalava
414
7.11.2010, 19:54
Es wird Zeit die Agrarsubventionen abzuschaffen!

Ja es reicht bei weitem nicht,

denn die 120.000 Bauern und die Agrarindustrie kostet uns immer noch 3,6 Milliarden an diversen Subventionen!!!

Der Weltmarktwert der Produkte und Dienstleistung der österr. Land und Forstwirtschaft liegt bei NUR 2,3 Milliarden.

Das heißt wir könnten uns die Produkte am Weltmarkt kaufen und würden uns schon dadurch rund 1,3 Milliarden sparen!!!

Das ist der wahre Irrsinn in unserem Staatssystem ...

und wieder wird jetzt den kleinen Leuten in die Taschen gegriffen!

Dazu fällt mit ein:

Wer hat uns verraten?

SOZIALDEMOKRATEN!

Wer war dabei?

DIE VOLKSPARTEI!

Wen stärkt der Wähler aus Rache?

H.C. STR.....!

F. Croma
10
8.11.2010, 16:31
Was wäre,

wenn die anderen (die westliche Welt fördert ihre Bauern - zwecks billigen Papperl) auch ihre Förderungen einstellen? Wohin bewegt sich dann der Welthandelspreis? Gerade heuer hätten wir massive Probleme gehabt, Qualitätsweizen zu kaufen. Oder wollen sie nur das österreichische Bauernsterben beschleunigen?

Para Dox
12
8.11.2010, 00:16
So ein Schwachsinn

Selbst ausreichend Nahrungsmittel erzeugen zu können, ist für ein Land essentiell. Sich vom Ausland abhängig zu machen, wird früher oder später zu einer Hungersnot in Österreich führen.

Wolfgang Planer
00
8.11.2010, 10:09
In der From sicherlich schwachsinning,

aber im Kern richtig. Die Agrarförderung in der derzeitigen Form ist Jahrzehnte veraltet, ineffizient und ungerecht. Noch ungerechter ist die Form der Besteuerung über den meist recht niedrigen Einheitswert: bei einem Jahreseinkommen von z.B. 30.000,-- , das noch dazu gut zur Hälfte aus Subventionen stammt, werden dann gerade mal vieleicht 1000,-- Einkommenssteuer fällig.

disblabla
 
30
7.11.2010, 22:26
Jalava´s Befund

die östereichische Bauernlobby lebt durch die Kraft des (Pröll)Bauernbundes, aber die Weltmarktpreise sind wandelbar und wenn kein Weizen mehr angeboten wird, dann steigen die Preise dafür ins... Diese Leute sind doch die Gärtner unserer Landschaft und können uns damit immer wieder erpressen, denn niemand nimmt ihnen diese Arbeit ab. Und wenn die schwarze Reichshälte über 2 Mrd. € verfügt, dann wird die rote ebensoviel verteilen und das wissen wir auch. Devise: füttere den Wähler, sonst geht er abhanden. Hitler hat uns überrannt und neue Steuern gebracht, leider tat dies nicht die Eidgenossenschaft mit uns: bis heute sind wir ja so gross dran, dass wir uns von dort nichts sagen lassen. So bleiben Häupls und Prölls Freunde unsere Machthaber

kleinergaul
11
7.11.2010, 19:49
Alles ganz egal!

Solange die Regierung der Mittelmäßigkeit nicht versteht, dass (Staat-) Schulden eine Umverteilung von Steuergeldern zu Investmentbanken und Hedgefonds bedeutet wird nichts passieren - bis die Schulden so hoch sind, dass IWF und EU mit Notpaketen einspringen und man sich auf die Bösen ausreden kann.

So sehe ich keine Zukunft - außer eher über kurz als lang Bundeskanzler Strache ante portas.

Hans Vogel
10
7.11.2010, 18:57
Die Regierung

muss zuerst ihren Sparwillen zeigen.
Nur noch 61 Abgeordnete im Nationalrat die Landtage halbieren und die Gehälter der Landeshauptleute halbieren.
Der Herr Bundespräsident meint, die 10% Reichsten sollten verstärkt mitzahlen. Da kann er gleich bei sich anfangen. Er, der nie etwas gearbeitet hat und nur aufs Klo gegangen ist, kassiert mehr als der US Präsident.

Gandalfino
01
8.11.2010, 06:51
Das sind Pflaster, aber keine Lösungen!!

Österreich ist zu klein, um 99 bezirksbezogene, 9 regionale und einen zentralen Verwaltungsapperat tragen zu können. Diese Einsicht muss sich durchsetzen.

jaime di mora
00
7.11.2010, 18:10
Sparpaket ?

Ein bissl Steuer dort, ein bissl Steuer da und wenns Widerstand gibt sofort nachgeben und von sparen keine Spur.

her wig
01
7.11.2010, 17:57
Der Druck ist noch zu gering.

Erst wenn die Zinszahlungen extrem schmerzhaft werden, schmerzhafter als irgendwelche "Einsparungen" es sind, und man die Schuld auf irgendwen anderen schieben kann, erst dann kann wirklich etwas "eingespart" (= eine "negative Neuverschuldung" erreicht) werden. Oder wir bekommen einen Finanzminister der weder fett noch schön ist, dann könnte es womöglich schon vorher gehen.

bernhardbernhard
00
7.11.2010, 17:52
bin ich zensiert???

Jo eh...
03
7.11.2010, 17:51

Es wird Zeit dass man Ländern und Gemeinden per Gesetz verbietet mehr auszugeben als sie bekommen.

http://www.zpa.at
11
7.11.2010, 18:08

unsere Nationalräte kommen aus Ländern, Gemeinden und aus dem Öffentlichen Sektor ;)))

bernhardbernhard
10
7.11.2010, 17:53
ich würde es so sagen...

..dass man Länder und gemeinden in der derzeitigen Struktur verbietet.

periphere tangentialita:t
11
7.11.2010, 17:38

"Das Budget wird nicht saniert werden können, wenn man nicht in die Strukturen hineingeht."

gruppenbesteuerung
vermögensteuer
erbschaftsteuer
stiftungsteuer ...

alles nur um die finanzwirtschaft, das zarte reh - hust hust, nicht zu verscheuchen, obwohl das zarte reh den wald zu seinem wachstum braucht. es wird also nicht verschwinden.

kopfsalat
11
7.11.2010, 21:11
Noch unsachlicher als die regierung.

Ich bin beeindruckt. Sowas haette ich nicht fuer moeglich gehalten.

periphere tangentialita:t
01
8.11.2010, 00:19

ihre sachlichen argumente wären ... ?

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