A380-Panne: Verdacht auf Materialfehler

5. November 2010, 17:46
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Entgegen dem Markttrend sanken die Aktien des Triebwerksherstellers Rolls-Royce

Nach der Notlandung eines Airbus 380 der australischen Fluglinie Qantas steigt der Druck auf den Triebwerkshersteller Rolls-Royce. Qantas erklärte, die wegen eines Triebwerksschadens notgelandete Maschine sei erst kürzlich in Deutschland von Lufthansa Technik gewartet worden - inklusive der Triebwerke.

Qantas-Vorstandsvorsitzender Alan Joyce sagte zwar, die genaue Ursache für den Brand sei noch nicht bekannt. Das Problem liege aber wohl im Triebwerk. Die Airline glaube, es handle sich "wahrscheinlich um einen Materialfehler oder ein Designproblem".

Bei der Herstellerfirma Rolls-Royce will man die Ergebnisse der derzeit laufenden Untersuchung des Unglücks abwarten.

Am Donnerstag war die A380-Maschine der Qantas von Singapur nach Sydney gestartet. Kurz nach dem Abflug geriet ein Triebwerk in Brand. Die Maschine mit vier Motoren konnte sicher am Ausgangsflughafen notlanden. Alle 459 Personen an Bord - darunter neun Passagiere aus Österreich - blieben unverletzt.

Wieder Qantas-Panne

Am Freitag wurde ein weiterer Zwischenfall bekannt: Demnach musste eine Boeing 747 - ebenso von Qantas - in Singapur umkehren, wegen Triebwerksproblemen. Dies ist die fünfte Panne der Fluglinie innerhalb von 14 Monaten.

Nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung hat die europäische Flugsicherheitsagentur EASA bereits vor drei Monaten die Rolls-Royce-Triebwerke für den A380 kritisiert. In einer im August veröffentlichten Lufttüchtigkeitsdirektive steht demnach, dass sich einige Teile im Inneren der Turbine schneller abnutzen und dann lösen könnten. Die Behörde verlangte vom Hersteller, diese Triebwerke genauer zu überprüfen.

Weltweit sind 37 Maschinen des Typs A380 unterwegs. 18 Städte werden angeflogen (siehe Grafik). Die meisten dieser Maschinen, 13, fliegen die Emirates.

Die Fluggesellschaften können beim A380 zwischen zwei Triebwerkstypen wählen. Während sich Lufthansa, Singapore Airlines und Qantas für Rolls-Royce entschieden haben, setzen Emirates und Air France auf ein Konkurrenzprodukt des Herstellerkonsortiums Engine Alliance.

Die Aktie von Rolls-Royce, die am Donnerstag 3,2 Prozent an Kurswert eingebüßt hat, verlor bis Freitagnachmittag gegen den Markttrend nochmals 2,65 Prozent auf 6,05 Pfund Sterling (6,90 Euro). Die Aktie des Airbus-Mutterkonzerns EADS hingegen legte im Laufe des Freitags um zeitweise mehr als ein Prozent auf knapp 18,50 Euro zu. Tags zuvor hatten EADS-Papiere 3,2 Prozent eingebüßt. (spri, stro, DER STANDARD-Printausgabe, 6./7.11.2010)

  • Die Flugruten der einzelnen Airbus A380-Maschinen.
    foto: standard

    Die Flugruten der einzelnen Airbus A380-Maschinen.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ein Techniker überprüft ein Rolls-Royce Triebwerk an einem Airbus A380 der Singapore Airlines am Flughafen Zürich.

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