Standard-Interview

"Angst ist nicht das richtige Wort"

5. November 2010, 17:02

Helmut Kraft ist Trainer von Schlusslicht LASK. Die im sentimentalen Fußball üblichen Mechanismen gelten für ihn noch nicht

Standard: Wundern Sie sich, noch immer Trainer des LASK zu sein?

Kraft: Kennt man den Präsidenten Peter-Michael Reichel nicht nur oberflächlich, wundert es einen nicht. Die allgemeine Meinung ist, dass bei ihm die Leute kommen und gehen. Ist er aber von jemandem überzeugt, steht er hinter dieser Person. Aber natürlich ist es auch überraschend. Denn die Mechanismen im Fußball funktionieren normalerweise ganz anders.

Standard: Hat der LASK diese Mechanismen abgeschafft? Oder fehlt nur das Geld für die Abfertigung?

Kraft: Das glaube ich nicht. Geht Reichel davon aus, dass der falsche Mann am Ruder ist, hat er den jeweiligen immer abgelöst, da macht er keinen Rückzieher. Aber er ist sich sicher, dass meine Arbeit in Ordnung ist. Er hält mir die Stange und will nicht mitschwimmen.

Standard: Vor einer Woche nach dem 0:3 gegen Ried sagten Sie, der LASK sei mausetot, Sie erreichten die Mannschaft nicht mehr. Muss man da nicht von sich aus einen Schlussstrich ziehen?

Kraft: Vielleicht ist das falsch rübergekommen. Ich wollte keinen Blödsinn reden. Es war so, dass die Besprechung nicht gegriffen haben kann. Weil die Leistung katastrophal war. Meine Aussagen bezogen sich aber nur auf diese Partie.

Standard: Das Leben im Keller ist bekanntlich finster. Haben Sie im Dunkeln Angst?

Kraft: Angst ist nicht das richtige Wort. Ich mache mir Sorgen um den LASK, ich fürchte, dass wir vielleicht absteigen müssen und viele Leute enttäuschen. Es ist äußerst unangenehm, Erwartungen nicht zu erfüllen. Existenzangst habe ich keine, aber nicht deshalb, weil ich so viel Geld besitze. Ich denke mir, dass Negatives irgendetwas Positives haben muss. Diese Erfahrung gehört zum Geschäft.

Standard: Ist Fußballtrainer ein undankbarer und ungerechter Job?

Kraft: Das fragt man sich immer, wenn es nicht rennt. Bist du Geschäftsführer von einem Elektrokonzern, weißt du, wie viele Flachbildschirme du verkauft hast. Am Ende des Monats bekommst du einen Leistungsnachweis. Im Fußball kannst du arbeiten, alles investieren, und du verlierst trotzdem viermal hintereinander. Da denkst du dir schon, was machst du hier eigentlich. Andererseits nimmst du die Erkenntnis mit, dass deine Macht begrenzt ist. Alle Trainer wollen das Beste. Trotzdem gibt es erfolgreiche und erfolglose. Das kann sich jederzeit ändern, damit muss man klarkommen.

Standard: Ist der Umgang mit den Fußballprofis komplizierter geworden? Es haben sich ja auch die Rahmenbedingungen geändert. Mehr Medien, höhere Gagen, häufigere Klubwechsel.

Kraft: Das Verhältnis der Spieler zu den Stammklubs hat sich geändert. Es ist ein ständiger Wechsel. Schießt man ein Tor, hält man das Vereinswappen in die Runde. Kriegst du woanders mehr Geld, zeigst du das andere Wappen her. Das Fernsehen wurde wichtiger, man wird getrieben, muss immer Rede und Antwort stehen. Mit Printjournalisten kann man wenigstens Gespräche führen. Im Fernsehen hält dir einer unmittelbar nach einem 0:3 das Mikrofon unter die Nase und fragt, wie es dir geht. Das kann es nicht sein.

Standard: Leiden Traditionsklubs stärker unter dieser Entwicklung?

Kraft: Ich denke schon. Die Vienna oder der Sportklub haben trotz langjähriger Zugehörigkeit zum Fußball diese Entwicklung irgendwie übersehen. Man lebt teilweise in der Vergangenheit, euphorisiert Sachen, die vor 20 oder 40 Jahren waren. Bei uns auf der Linzer Gugl ist die Sentimentalität ständig präsent. Der Fußball ist eben sentimental, das Schnelllebige will der Fan eigentlich gar nicht. Er ist Anhänger eines Klubs, bis er im Grab liegt.

Standard: Aber es profitieren doch auch Trainer vom Medienirrsinn. Sie sind Stars geworden. Vielleicht nicht unbedingt beim LASK.

Kraft: Die Arbeit des Trainers wird überbewertet. Man hat einen riesigen Stab von Spezialisten. Das Wichtigste sind einfach die Spieler, es kommt darauf an, was sie leisten. Man ist ihnen ausgeliefert. Sie können dir den Job nehmen oder dich zum Liebling der Massen machen. Das ist eine Abhängigkeit, die gefährlich ist. Die Spieler wissen das. Vor 15 Jahren war der Trainer der Chef.

Standard: Sie hatten immer nur sehr kurze Gastspiele, seit 2002 ist der LASK bereits Ihr achter Verein. Woran liegt das?

Kraft: Das ist tatsächlich komisch. In Wörgl war ich fünf Jahre lang, dann wurde es kürzer. Dabei bin ich einer, der sich wohlfühlen und bleiben will. Aus Ried bin ich selber gegangen. Vielleicht liegt es daran, dass ich meine Linie durchziehen möchte und ich damit offensichtlich anecke.

Standard: Wo sehen Sie sich in einer Woche, einem Monat, einem Jahr? Oder am Samstag, nach einer Niederlage in Kapfenberg?

Kraft: Ich sehe mich in einem Jahr noch beim LASK. Es sei denn, es geht komplett den Bach runter, da kann sogar Reichel nicht mehr aus. Ich muss dagegenarbeiten. Wir lassen uns im Bach treiben und merken nicht, dass die Strömung zu stark ist, um an Land geschwemmt zu werden. Irgendwann kommt der Strudel, der dich ganz runterzieht. Das will ich unbedingt vermeiden. (Christian Hackl; DER STANDARD Printausgabe; 6./7. November 2010)

Helmut Kraft (52) aus Hall in Tirol begann seine Trainerkarriere in Wörgl (1997 bis 2002). Weitere Stationen: Untersiebenbrunn, Wacker Tirol (Meister Erste Liga), Pasching, Red Bull Salzburg (Teil des Betreuerstabs), Ried (Vizemeister), Wacker Innsbruck, Wiener Neustadt (Meister Erste Liga). Seit Februar 2011 betreut er den LASK und ist nach 13 Runden Tabellenletzter.

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Die Stimme des Marktes
00
8.11.2010, 14:08
Sorry, aber...

...Kraft's Arbeit in Linz spricht für sich selbst. Mit dem Kader muß man nicht gegen den Abstieg spielen (auch wenn die Abwehr schon eine Schwachstelle ist).

Woifes
00
7.11.2010, 22:13
Seit Februar 2011 betreut er den LASK....

Habe gar nicht gewusst, dass der Standard in die Zukunft blicken kann. ;)

Margit Gruber2
00
7.11.2010, 16:29

Ein sehr gutes Interview, ich habe es auch in der Print-Version gelesen.
Schade, dass die LASK-Spieler gestern in der zweiten Halbzeit wieder miserabel aufgetreten sind, so schafft man nie und nimmer den Klassenerhalt.
Herr Kraft und Herr Baur tun mir sehr leid.

har4
00
6.11.2010, 20:34
heli kraft, eddie hat euch vergeben...

für uns bleibt alles unvergesslich...

wenn ein trainer tagelang vor einem spiel via medien stimmung macht, zündelt u. seine mannschaft aufstachelt, dann darf man sich nicht wundern, wenn junge, unerfahrene spieler wie kragl das wörtlich nehmen und richtig rein fahren...

und nach dem spiel dann mit süffisanten grinsen meinen, "so schlimm wars auch wieder nicht..."

aber kraft hat noch nicht genug, nächstes treffen, diesmal vor ein paar wochen, in salzburg...u. wieder wird gestichelt " der teamgeist in seiner mannschaft sei besser wie beim meister"...
und wundert sich dann doch, dass stevens nichts von einem handschlag nach dem spiel wissen will...
zumind. hat er kapiert, dass es besser ist wenn er kragl in sbg. nicht spielen läßt..

Die Stimme des Marktes
01
8.11.2010, 14:07
HUCH!

Er hat es gewagt zu "sticheln"! Sogar sowas abgrundtief Geschmackloses wie "Der Zusammenhalt ist bei uns größer!" Wie ich das gehört habe, wollte ich Gustafsson gleich auch das andere Bein brechen...
Sag, saufst Du?

Everchange
00
6.11.2010, 15:35
jaja der helli

bemängelt, daß die spieler die klubs wechseln wie die unterhosen, sobald es mehr geld gibt und daß die vereinstreue nicht mehr so groß ist wie früher!

Wie war das nochmal bei Wacker, Herr Kraft? Als Sie schon den Vertrag bei Wr. Neustadt unterschrieben haben (im Geheimen natürlich), obwohl die Chancen auf den Klassenerhalt noch voll intakt waren?

Kraft trifft für den Abstieg sicher nicht die alleinige Schuld, wenn ich aber als Spieler eines Abstiegskandidaten mitbekommen, daß der Trainer bereits woanders unterschrieben hat, werd ich wohl auch meine Fühler zu anderen Klubs ausstrecken. Insofern hat Kraft die Hauptschuld am Niedergang der Mannschaft.

Also bitte, jetzt gaaaanz still sein, was die bösen nicht-vereinstreuen Spieler betrifft.

Strc prst skrz krk
00
6.11.2010, 15:30
der REICHEL denkt nur an sich und nicht an den LASK

er darf sich in Linz nicht mehr sicher fuehlen

roterbruder1
00
6.11.2010, 17:05

troll! ohne den reichel gäb´s keinen lask mehr.

Strc prst skrz krk
00
7.11.2010, 19:00
REICHEL ZOCKT DEN LASK AB!

ohne den blutsauger gaebe es einen ANDEREN LASK

wettervorhersage
00
6.11.2010, 09:36

angefangen hat es vor der saison
wie so viele spieler her geschenkt
worden sind. Da war mir klar das
es abwärts geht. Mayerleb hat mir
erzählt sollte der lask absteigen
wechselt er. Er will in seiner
karriere nämlich nicht absteigen .
Da sind michu nur trainer und
reichel schuld sondern auch die
spieler. Sie spielen ohne herz und
ohne freude. Ihnen sollte man das
gehalt kürzen und ansporn geben
wenn sie tore schiessen das sie ein
bonus bekommen

Sind wir nicht alle Piraten?
28
6.11.2010, 02:18

In Linz gibt es sowieso nur Blau-Weiss! Der schwarze Bauernklub kann nicht wirtschaften und sollte endlich aufgelöst werden.

roterbruder1
00
6.11.2010, 17:06
nanana!

okay, hast recht.

michael irgendwie
01
6.11.2010, 00:44
in einem jahr noch beim lask?

ganz klar helmut ... spätestens wenn ein angebot von einem 0815 verein kommt der etwas mehr bezahlt lässt du den lask absteigen.

wär ja nicht der erste verein wo das komischerweise so passiert.

hoffe für den lask, dass ihr diese unperson ehestmöglich los seid.

Walter Krankheit
01
5.11.2010, 22:08

Ist Kraft bald Trainerstar in Hütteldorf?

morgause
00
6.11.2010, 11:15

um gottes willen, mit sowas macht man keine spässe.

tobi taktlos
28
5.11.2010, 21:08

morgen 17:30, wiener sportklub-platz: länderspiel östereich vs. norwegen. rugby.
vieleicht interessiert das hier jemand.
sorry, weiss nicht wo ich das sonst hinschreiben soll, aber der standard hat nun mal keinen bericht über diese so spannende partie.

Gefährliche Clowns
01
5.11.2010, 21:00

Kraft ist seit Feber 2011 LASK-Trainer?
Wie kann er dann jetzt schon verloren haben?

public enemy
10
5.11.2010, 20:04
kraft ?

das klingt nach gnadenbrot . aber wer gegen fak mit drei stürmern beginnen lässt, der war mit dico nicht auf ein bier, der ist ironisch.

Yhoshi
00
5.11.2010, 19:40
nachdem AVE nicht mehr hauptsponsor ist, steigt die Oberbank mit ende der saison fix aus.

budget mäßig ist der LASK bald endgültig letzter

Lux Perpetua
25
5.11.2010, 18:50
Keine Angst,

so dumm kann sich der LASK doch nicht anstellen, dass er zu Saisonende nicht ...
...
...
...
.
.
.
.
.
.
VOR RABBIED LIEGEN WIRD!

Oder?

vagabundodelmundo
00
6.11.2010, 00:15

rapid steigt ab und österreich ist froh!

Waldorf
 
00
6.11.2010, 12:31

Finde ich nicht. Ohne Wiener Derbys wäre es nicht das Wahre.

qwert zuiop
02
5.11.2010, 18:21

"Er hält mir die Stange und will nicht mitschwimmen

es geht komplett den Bach runter

dass wir vielleicht absteigen müssen"

das sind aussagen die die mannschaft aufbauen und die fans hören wollen. weiter so reichel/kraft.

Herr Gruber
12
5.11.2010, 18:01

"die arbeit des trainers wird überbewertet"

mit dc auf ein bier gewesen?!

jerrycantrell
02
5.11.2010, 17:56
angst ist nicht das richtige wort

SCHISS triffts weit besser

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