"In der Schmerz-Therapie muss der Mensch immer im Kontext seines Lebensumfeldes betrachtet werden."
Wien - Sozial schwächere Menschen empfinden häufiger und stärker Schmerzen als Menschen mit einem höheren Sozialstatus. „Es besteht ein direkter Zusammenhang zwischen der Häufigkeit der auftretenden Schmerzen, der Schmerzintensität und dem sozio-ökonomischen Status", berichtete Burkhard Gustorff (Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin am Wiener Wilhelminenspital; Vorstandsmitglied der ÖSG) anlässlich der 10. Österreichischen Schmerzwochen der ÖSG. Basis für diese Erkenntnisse war eine Analyse der Daten der Austrian Health Interview Survey 06/07. Ausgewertet wurde der sozio-ökonomische Status der Befragten (Einkommen, Beruf, Ausbildung) und die Schmerz-Häufigkeit und -Intensität, die Anzahl der schmerzenden Stellen und der Grad der schmerzbedingten Beeinträchtigung im Alltag.
Menschen mit niedrigerem Schulabschluss und geringerem Einkommen empfinden weit häufiger Schmerzen, als Menschen mit höherem Einkommen und besserer Bildung: 50 Prozent der befragten Arbeitslosen hatten im Jahr vor der Befragung Schmerzen verspürt, 36 Prozent der Arbeiter und 31 Prozent jener, die keine körperliche Berufstätigkeit verrichteten.
Direkter Zusammenhang
„Je niedriger der sozio-ökonomische Status, desto intensiver empfinden die Betroffenen ihren Schmerz. Außerdem haben sie häufiger mehrere schmerzenden Stellen und sind aufgrund dieser Schmerzen stärker in ihrem Alltag eingeschränkt", so Gustorff. So hatten Befragte mit einer Pflichtschulausbildung die Intensität ihrer Schmerzen in der Woche vor der Befragung im Durchschnitt mit sechs Punkten (Skala 1 bis 10, wenig bis sehr) bewertet, Universitäts-Absolventen mit zirka fünf Punkten. Es zeigte sich auch ein direkter Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Depressionen, heftigeren Schmerzen und einem niedrigerem sozio-ökonomischen Status.
Am deutlichsten war das sozio-ökonomische Gefälle bei der Frage nach Einschränkungen im Alltag durch Schmerzen zu beobachten. So fühlten sich 14 Prozent der Befragten mit Pflichtschulausbildung durch Schmerzen stark in ihrem Alltag beeinträchtig, von den Universitäts-Absolventen 2,7 Prozent.
„Wir können also davon ausgehen, dass das Auftreten von Schmerzen nicht isoliert betrachtet werden darf", so Gustorff. „Gerade in der Schmerz-Therapie muss der Mensch immer im Kontext seines Lebensumfeldes betrachtet werden."