Lebenswelt anstatt Schlafdorf

5. November 2010, 16:46
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    foto: paulwip / pixelio.de

    Pendeln ist out. Und Spaß macht es auch längst keinen mehr.

    Foto: Paulwip / pixelio.de

Es wird zu viel gefahren. Das Autofahren kostet uns zu viel Zeit und Geld. Den Spaß daran haben wir auch verloren

Über Jahrzehnte war alles ganz einfach: Wer gerne mit dem Auto fuhr, und das waren die meisten, begrüßte jegliche Maßnahme, die das Autofahren schneller und leichter machte. Jetzt stehen wir vor den Auswirkungen jahrzehntelangen eindimensionalen Handelns. Es wird zu viel gefahren. Das Autofahren kostet uns zu viel Zeit und Geld. Den Spaß daran haben wir folglich auch verloren.

Doch selbst in der Kenntnis all dessen können wir die Dosis kaum reduzieren, ohne unser Leben völlig auf den Kopf zu stellen. Unserer Rolle als fleißige Konsumenten können wir ohne Auto kaum mehr nachkommen. Die Entwicklung unserer Selbstbedienungsgesellschaft wäre ohne Automobil nicht möglich gewesen. Mittlerweile ist den meisten klar, dass uns ein weiterer gnadenloser Ausbau der Verkehrswege nicht glücklicher machen wird, sondern eher ärmer, etwa an sozialen Kontakten.

Ich sag's jetzt einigermaßen provokant: Ich will wieder Spaß haben am Autofahren. Deshalb muss das Auto aus dem Alltag zurückgedrängt werden. Und dieser Vorgang ist bereits im Laufen: Wie der VCÖ (Verkehrsclub Österreich) in seiner Studie "Wie Wohnen Mobilität lenkt" berichtet, ist Pendeln inzwischen out. Die Leute wollen wieder in der Stadt wohnen, mit einer bunten und jederzeit greifbaren Infrastruktur. Die Zeit ist überreif, wenigstens jetzt durch geschickte Raumplanung ziemlich schmerzfrei sinnlosen Autoverkehr zurückzudrängen, anstatt immer weiter entfernte Schlafdörfer mit Monsterautobahnen an Ballungszentren gewaltsam anzubinden. (Rudolf Skarics/DER STANDARD/Automobil/5.11.2010)

  • Gefährliche Elektroautos [136]

    Elektrische Spannungen und Ströme, aber auch die Elektromotoren selber bergen hohe Risiken

  • Konflikt Fahrrad versus Auto [268]

    Die Trennung von Rad- und Autoverkehr funktioniert nicht wirklich. Radwege mögen das richtige Symbol sein, aber nicht immer die richtige Lösung

  • Vom autonomen Autofahren [42]

    Autofahren ist vor allem in Ballungsräumen nicht mehr lustig und um das erste verdiente Geld auszugeben gibt es genügend Alternativen zum Auto

  • Start-Stopp: Es gibt längst Besseres [86]

    Die Zukunft gehört Systemen mit Starter-Generator, der unauffällig zwischen Stillstand, Elektro- und Verbrennungsmotorbetrieb wechselt

  • Verkehr in Megacitys [3]

    Die Autoindustrie liefert Konzepte für den Autoverkehr in künftigen Megacitys und denkt über besonders kleine und smarte Fahrzeuge nach

  • Zugfahren als Schnäppchenjagd [185]

    Die Bahn hält Neukunden konsequent fern. Alternativen sind die neue Westbahn - oder der private PKW

  • Radfahren: Fit, aber tot? [256]

    Je mehr Radfahrer sich auf den Straßen tummeln, umso mehr Unfälle gibt es auch

  • Autosalon als Spiegelbild [3]

    Die heurige Automobilausstellung in Frankfurt kehrt auf den ersten Blick wieder ziemlich auf den Boden der Tatsachen zurück

  • Das Auto braucht Straßen [86]

    Das Auto braucht eine Infrastruktur, nämlich Straßen, und die schenken uns die Autohersteller nicht dazu

  • Autofahren mit Biogas [39]

    Biogas wird im Wesentlichen aus landwirtschaftlichen "Abfällen" hergestellt, tritt also nicht in unmittelbare Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion

  • Pendlerpauschale ade? [379]

    Eine hohe Mobilität von Arbeitskräften ist eine Grundlage unseres Wirtschaftslebens. Die CO2-Diskussion betrifft vor allem auch die Pendler

  • Mit den Waffen der Gegner [99]

    Gijs Mom macht sich schon lange Gedanken, warum der Elektromotor vor 100 Jahren den Wettlauf mit dem Verbrennungsmotor verlor

  • Abgas-Erregungsakrobatik [19]

    Bis heute spielen die kompromisslosen Autoverteidiger eine lautstark polternde, aber ziemlich nutzlose Rolle

  • Feinstaubalarm beim Ottomotor [81]

    Die Regelung Euro 5 sieht eine Begrenzung der Partikelmasse vor. Aber nur mit der Partikelmenge lässt sich der Feinstaubanteil erfassen

  • Feindbild Automobil (III) [20]

    Die Existenz zu vieler Autos wird zwar beklagt, als Jobmoter sind Autofabriken aber nach wie vor gerne gesehen

  • Feindbild Automobil (II) [103]

    Fahrrad- und Automobilfahrer waren einst Freunde. Die Freundschaft hatte ein Ende, als das Auto dem Rad davonfuhr

  • Feindbild Automobil (I) [71]

    Das Auto hatte es Anfangs ganz und gar nicht leicht, sich durchzusetzen

  • Porsche-Preis fürs Lichtsparen [21]

    Der Prof.-Ferdinand-Porsche-Preis der TU Wien geht dieses Jahr an Wolfgang Huhn (Audi) und Kamislav Fadel (Automotive Lightning)

  • Gasgeben wörtlich genommen [12]

    Mit steigenden Kraftstoffpreisen werden Alternativen zu Benzin und Diesel zusehends interessanter, insbesondere Erdgas

  • Gummi braucht Straße

    Die Hoffnung der Autobranche lautet, in den derzeit noch weniger entwickelten Ländern im Laufe der Zeit auf über 500 wie bei uns aufschließen wird

  • Elektromotor rettet Verbrennungsmotor [41]

    Das diesjährige Wiener Motorensymposium prophezeite revolutionäre Zeiten im Automobilbau

  • Flexibler Motorenpapst [43]

    Es werden nur jene technischen Lösungen kommen, für deren Erforschung und Umsetzung in die Praxis sehr viel Geld ausgegeben wird

  • Auf ins Energiesparadies [8]

    Wahrscheinlich befinden wir uns jetzt im letzten Drittel des Erdölzeitalters - und auf der Suche nach einem geeigneten Nachfolger

  • Mit dem Rotstift durch die Verbrauchstabelle [60]

    Mercedes senkt mit Akribie den CO2-Ausstoß seiner E-Klasse, jedenfalls auf dem Papier

  • Automatik ohne Mehrverbrauch [197]

    Mit manuellem Schaltgetriebe, automatischem Doppelkupplungsgetriebe und Wandlerautomatik werden heute in etwa die gleichen Verbrauchswerte erzielt

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Posting 1 bis 25 von 51
1 2
Je pense que
01
8.11.2010, 13:19
Okay, gut. Und jetzt?

EIne wirkliche Aussage folgt dann im nächsten Artikel oder wie?

Dr.Baer
00
8.11.2010, 08:14
Guter Ansatz, weniger gute Ausführung

Ich kann jedem, der sich mit dem Thema etwas näher auseinandersetzen möchte, nur die Bücher des Autors Ivan Illich empfehlen. Er beschreibt bereits Anfang der Siebziger Jahre die Entwicklung, die der Autor dieses Artikels hier als Ist-Zustand beschreibt.

Allerdings sehe ich die fortschreitende Landflucht der Bürger in die Ballungzentren (damit meine ich jetzt von kleineren Ortschaften in die z.B. nächste Landeshauptstadt) nicht wirklich als die Lösung. Die Versorgung kleinerer Gemeinden wird dadurch immer schwieriger, die Entkoppelung der Menschen immer größer.
Vielleicht wären Telearbeit und PendlerZUschläge (von den Firmen zu zahlen) Gegenreizmodelle, um dort Betriebe anzusiedeln wo wenig Infrastruktur herrscht.

Silvio Lackner
00
8.11.2010, 12:26
Plädoyer pro Zersiedelung?

Am ökologischsten ist nun einmal der Hochhausbewohner in der Stadt.

gaisbock
00
8.11.2010, 11:50
es wäre

einmal zu beleuchten, was dieses "zu wenig Infrastruktur" eigentlich bedeutet und ob es nicht Möglichkeiten gibt, diese Situation, wenn sie als Mangel empfunden wird, zu verbessern.
Erdölpreise (für ein baldiges Mangelprodukt) hinauf und schon werden neue Lösungen gefunden (werden müssen), jetzt könnten wir noch glauben, dass es freiwillig ist.

Dr.Baer
00
8.11.2010, 13:30
Radikalüberlegung

Sicherlich sind langfristige Lösungen für das herannahende Problem meines Erachtens nicht im Stromauto oder Alternativenergien zu finden, sondern eher in einem Kulturwandel. Radikalüberlegung: Was wäre, wenn die höchstzugelassene Geschwindigkeit im Transit (Menschenbeförderung) 25km/h wären, und höhere Geschwindigkeiten nur auf den Transport (Warenbeförderung) zugelassen wären, natürlich für ALLE geltend!
Transportinnovation: Kennt jemand eine gleichbedeutend innovative Entwicklung (Relation Energieaufwand<->Geschwindigkeit) seit dem Fahrrad (Rad und Kugellager)?
Ich strebe in der Diskussion keine fix-fertige Lösung an, sondern stelle Grundüberlegungen an!
Welchen Inhalt hat heute unser Wohlstand wirklich und was beinhaltet er?

hast1
32
7.11.2010, 22:02
"Wie der VCÖ ..."

da bin ich ausgestiegen.

gaisbock
00
8.11.2010, 11:43
hoffentlich nicht während der Fahrt !!!???

Andreas N
01
7.11.2010, 14:03
geschickte Raumplanung.....

.... und Verkehr zurückdrängen.....
na gut dann müsste man mal manche Gesetze aufheben, die das Bauen von niedrigen Häusern im Stadtgebiet verbietet. in U-Bahn-Nähe mindestens 10 Stockwerke, dann würde der Platz auch effizient genutzt werden....
Warum keine Bauten oberhalb von Schnellstraßen/Autobahnen ? Handelskai und die danebenliegende Bahn würde sich ja z.B anbieten oder die Donauuferautobahn

. g.bac
14
7.11.2010, 11:22
platitüden; natürlich haben viele leute den spass am autofahren verloren, aber das ist ja auch seit 30 jahren so geplant.

was aber nicht erwähnt wird, wohl wissentlich, es hat sich der genussfaktor des övs deswegen auch nicht gebessert.

wohnen am arbeitsplatz: die politik der spö, weil sie in ihren siedlungsräumen mehr arbeitsplätze stellen. aber muss das dogma sein? warum nicht arbeiten am wohnort? (ausser weil die städte an das umland arbeitsplätze abgeben müssten) was ist menschlich wichtiger, mein wohn- oder mein arbeitsplatz?

das verkehrliche resultat wäre das gleiche, glücklichere pendler, weil die nur bis zu stadtgrenze müssen, glücklichere stadtbewohner weil weniger verkehr.

naja, unglücklichere stadtverwaltungen weil massive steuereinbrüche, für weniger verkehr müsste das schon drinnen sein.... oder?

Außerirdischer
00
8.11.2010, 11:39
@g.bac

mein posting bezog sich auf: Wohnen am Arbeitsplatz, oder in der Nähe davon. Und wer schuld ist, wenn es nicht so ist...

Außerirdischer
01
8.11.2010, 11:36
@g.bac

Hauptproblem mE: Weil uns die bezahlte ''Arbeit '' ausgeht (mit der Näherin, die 20 cent für einen Markenturnschuh erhält, der bei uns 100 EUR kostet können wir nicht mithalten, ebenso mit den 150-250 EUR Monatslohn bei Foxconn in China usw.)

''Arbeit'' deswegen unter Anführungsstrichen, denn es gibt mehr als genug ''Arbeit'' für uns alle, von der auch wir alle profitieren, die aber nicht oder nur wenig bezahlt wird.

Jilling Female Geek
43
7.11.2010, 10:28
auch dank der anderen sturren verkehrsteilnehmer

macht es keinen spass mehr.

in öst. wird die rechtsfahrregel nicht verstanden und dadurch ständig der verkehrsfluss mehrspuriger autobahnen gestört. (der bmw fahrer kauft sich die überholspur schliesslich mit). auch das reissverschlußprinzip/beschleunigungs-u.verzögerungsstreifen kapiert keiner, wenn ich es richtig anwende werde ich angehupt und abgedrängt.
hier sind starke geistige barrieren vorhanden;
in italien wird durch rücksichtnahme und spontaneität so manche kritische situation ganz leicht aufgelöst.

darüberhinaus ist das auto für junge ab jg 1975 zunehmend eine belastung während sie für die elterngeneration noch freiheitssymbol war. daher werden die häuser im grünen eine starke abwertung erfahren bzw überhaupt verlassen werden

Pimpi
01
9.11.2010, 16:48
BMW Fahrer?

Inzwischen sind es eher die AUDI-fahrer.
Aber das macht eh keinen Unterschied.

lanebbia
02
8.11.2010, 08:27
"Der BMW Fahrer kauft sich die Überholspur gleich mit..."

Kleine semantische Korrektur: "Der BMW Fahrer glaubt, sich die Überholspur gleich mitzukaufen" oder besser: "Dem BMW Fahrer wird suggeriert, er könne sich die Überholspur gleich mitkaufen"
...und den Vorrang noch dazu.

Jilling Female Geek
01
8.11.2010, 10:39
ich fahre natürlich keinen bmw

aber ich beobachte dass fahrer von premiumfahrzeugen glauben es gelte die rechstfahrregel nicht für sie auch wenn sie mit 129 auf der linken spur unterwegs sind so wird prinzipiell nicht auf den rechten fahrstreifen gewechselt also ein dauerüberholmanöver durchgeführt.
nur im ortsgebiet gilt die freie fahrstreifenwahl. auf autobahnen muss man sich nach beendigung des überholmanövers wieder rechts einordnen auch bmw-fahrer oder sonstige piloten von autos mit bösem blick (überholprestige)

(°)(°)
00
8.11.2010, 10:05
Nene, das ist schon korrekt so.

Das Problem dabei ist allerdings dass es so viele andere gibt welche die Überholspur in unzulässiger Weise, d.h. unter 200 km/h Reisegeschwindigkeit, zeitweise für sich in Anspruch nehmen.

Jilling Female Geek
01
8.11.2010, 10:42
was ist wenn jemand mit 210 daherkommt?

würdest du dann auf die rechte spur wechseln um den schnelleren vorbeizulassen?

sicher nicht!

du würdest aufs gas steigen oder den anderen abdrängen wenn er versucht rechts vorbeizufahren.

das ist das ewige egoproblem welches in östr. sehr stark ausgeprägt ist.

(°)(°)
00
8.11.2010, 14:15
210 sind kein Problem

weil ich eh 250 fahre.

Ausserdem überhole ich eh alles was langsamer ist rechts.

dasmiez
11
7.11.2010, 00:55
"Den Spaß daran haben wir auch verloren"

Also mir macht's noch so viel Spaß wie am ersten Tag. Könnte dran liegen, dass ich nicht gleich die Krise kriege, wenn ich mal zehn Minuten im Stau stehe, sondern sowas gelassen hinnehme...

jeffk
00
7.11.2010, 15:21

seitdem ich TV / DVD im auto habe bin ich auch viel gelassener;-)

kerihuelo
61
6.11.2010, 18:42

Wenn der egoistische spaß beim autofahren verloren geht, verbessert sich ev. die lebensqualität für alle wieder!

gaisbock
00
8.11.2010, 11:42
gratuliere zu dem posting

ein schelm der bei den strichlern böses denkt.

tablespace65
25
6.11.2010, 13:47
"Pendeln ist inzwischen out"? Das ist absolut fern jeglicher Realität!

Möglicherweise interessiert es zwei Prozent der Bevölkerung, die intelligent genug sind, um die Vorteile eines Lebens in unmittelbarer Nähe des Arbeitsplatzes und jeglicher benötigter Infrastruktur erkennen zu können.

Man braucht sich ja nur vor Augen zu führen, welchen Aufschrei es gibt, weil sich z.B. Graz, das aufgrund seiner topographischen Lage besonders benachteiligt ist, dazu entschließen könnte, eine sogenannte "Umweltzone" (= Einschränkung für den MIV) einzuführen!

So lange es keine ernsthafte "Kostenwahrheit" im Bereich des MIV gibt, wird sich auch im Verhalten und v.a. auch in der Einstellung der Menschen ("Freie Fahrt für freie Bürger!") gegenüber dem "Autofahren" leider nichts ändern...

Der Ferdl
01
11.11.2010, 08:44
Bitte gebens Ihre Telefonnummer durch

Damit ich Sie am Stadtrand von Graz für Ihren persönlichen Park&Rideservice bestellen kann sollt ich mit meinem Euro4 Diesel (ab Bj. 2006) nach 2012 die Verlegenheit haben mal nach Graz kommen.
Da darf mein umweldverseuchender alter Stinker dann nemlich nimmer rein.

tablespace65
00
11.11.2010, 20:58

Bis 2012 ist es eh höchst an der Zeit für Sie, Sich ein neues Auto zuzulegen. Müssen's halt schon ein bisserl sparen anfangen, damit sich auch ein Euro5-Gefährt ausgeht...

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