309 Tage Wartezeit bis das Licht angeht

4. November 2010, 17:29
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Nirgendwo auf der Welt treffen Unternehmen auf bessere Bedingungen als in Hongkong und Singapur, sagt die Weltbank

Wien - Der harte Sparkurs der griechischen Regierung mag eines Tages das Staatsdefizit des Landes nachhaltig absenken. Vorerst jedoch demoliert die Strategie Athens das Wirtschaftsklima im Land. Die Weltbank hat am Donnerstag ihren "Doing Business Report 2011" vorgestellt, in dem sie das Geschäftsklima in 183 Staaten vergleicht. Griechenland hat sich gegenüber dem Vorjahr um zehn Plätze verschlechtert und belegt als EU-Schlusslicht Platz 109 hinter den Marschall-Inseln.

In Griechenland dauert es vergleichsweise lange, die Genehmigungen für eine Firmengründung zusammenzukriegen. Zudem hat der Sparkurs Athens Transferkosten für Unternehmen, etwa bei einem Grundstückskauf, ansteigen lassen. Singapur, Hongkong und Neuseeland präsentieren sich ganz anders. Nirgendwo finden Unternehmen bessere Bedingungen vor. Wer hingegen daran denkt, im Tschad eine Firma aufzumachen, sollte es lieber lassen (siehe Grafik). Österreich landet hinter der Schweiz (Rang 27) und Deutschland (22) auf Platz 32.

Während die Weltbank die Rechtssicherheit in Österreich als hoch einstuft, wird der mangelnde Investorenschutz kritisiert. Bemängelt werden wie schon in den Vorjahren die angeblich schlechten Karten von Kleinaktionären, etwa wenn sie sich gegen Großaktionäre wehren oder Haftungsklagen durchbringen wollen.

Die Weltbank bewertet in der umfassendsten Studie ihrer Art neun Kriterien. Neben dem Rechtsschutz wird untersucht, wie kompliziert die Unternehmensgründung und Auflösung funktioniert und wie teuer bestimmte Transaktionen den Firmen kommen.

Bemerkenswert ist die Liste mit den großen Gewinnern, die zugleich verdeutlicht, dass der Weltbank-Vergleich alle politischen Kriterien außer Acht lässt.

Den größten Sprung nach vorn hingelegt hat Kasachstan. Das autoritär regierte Land liegt im Ranking zwar immer noch im Mittelfeld. Doch umfassende Reformen im Bau- und Steuerrecht machen kasachischen Unternehmen das Leben weit leichter. Global gesehen ist das Geschäftsklima weiterhin nirgends so schlecht wie in Subsahara-Afrika.

Ruanda holt auf

Von den 30 Ländern, in denen es im vergangenen Jahr die meisten Verbesserungen gab, liegt ein Drittel in Afrika. Ganz oben in der Liste findet sich erneut Ruanda, wo Staatschef Paul Kagame eifrig Investoren anlocken will. So dauert es in Ruanda heute nur noch drei Tage, ein Unternehmen aufzusperren, die Kosten für Firmengründungen wurden gesenkt.

Das Geschäftsklima sagt nicht automatisch etwas über Wachstum und Arbeitslosigkeit aus, aber im Falle Ruandas haben sich die Reformen ausgezahlt. Noch 2003 betrugen die Direktinvestitionen im Land 30 Millionen Dollar, 2009 kamen über eine halbe Milliarde Dollar aus dem Ausland.

In der für Österreich so wichtigen Region Osteuropa fällt die Bilanz durchwachsen aus. Am unteren Ende der Skala rangiert die Ukraine, die beim Geschäftsklima nur Rang 145 belegt. In der Ukraine muss ein Unternehmer beispielsweise durchschnittlich 309 Tage warten, bis er einen Anschluss ans Stromnetz bekommt (am Ende dieser Skala liegt Liberia mit 586 Tagen Wartezeit). Die Ukraine, Russland und Serbien zählen aber auch weltweit zu den Staaten, wo es am schwersten ist, Baugenehmigungen zu erhalten.

Ungarn dagegen zählt (dank Vereinfachungen im Steuerrecht und bei Baugenehmigungen) zu jenen Staaten, die sich im Ranking am stärksten verbessern konnten.

Seit die Weltbank 2003 erstmals global das Geschäftsklima untersucht hat, ist das Leben für Unternehmer in der Mehrzahl der Länder einfacher geworden. So dauerte es noch vor sieben Jahren im globalen Schnitt 50 Tage nach Antragstellung bis zur Ausstellung einer Gewerbeberechtigung. Heute beträgt die Wartezeit 34 Tage. (András Szigetvari, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 5.11.2010)

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