Kritiker in der Arbeiterpartei drängen nach Affäre auf Ablöse von Parteichef Barak
Ehud Barak hat sich in den letzten Monaten schon einiges anhören müssen. Nun aber hat ein prominenter Parteifreund den israelischen Verteidigungsminister in einem Fernsehinterview gar als "Dummkopf" bezeichnet.
Das Ansehen der früher so stolzen Arbeiterpartei hat mit der Querele einen neuen Tiefpunkt erreicht, und die Tage ihres Vorsitzenden Barak scheinen gezählt. Der grobe Angriff kam vom populären und mächtigen Gewerkschaftsboss Ofer Eini, der sich noch im März 2009 für Barak stark gemacht hatte. Das gab den Ausschlag dafür, dass Barak die Arbeiterpartei in die Koalition mit dem rechten Likud führen konnte. Das Hauptargument Einis war dabei die Wirtschaftskrise gewesen, der man mit einer breiten Koalition besser begegnen könne.
Ansatzpunkt für Einis Ausfall war die Affäre um eine philippinische Hausgehilfin. Vor einigen Wochen war aufgeflogen, dass die Familie Barak eine Illegale bei sich zu Hause beschäftigte. "Barak hat eine Eigenschaft: Es gibt keinen Fehler, den er nicht macht", ätzte Eini. "Man muss ein Dummkopf sein, um so etwas zu machen."
Eini benützte dabei den eigentlich nicht salonfähigen arabischen Slang-Ausdruck "Ahbal". Der 68-jährige Barak kritisierte die Art der Attacke und schob die Schuld seiner Frau Nili zu. Sie habe mit der Beschäftigung der Philippinin einen Fehler begangen und sei bereit, Buße zu tun.
Die Arbeiterpartei, die in ihrer Blütezeit vor mehreren Jahrzehnten bis zu 56 Mandate eingefahren hatte, hat heute nur noch 13 Mandate. Laut Umfragen könnte sie bei den nächsten Wahlen zu einer Kleinpartei mit acht oder weniger Mandaten werden. Für manche ist Barak der "Totengräber" der Partei, Gegner arbeiten offen auf seine Ablöse und den Austritt aus der Regierung hin. (Ben Segenreich aus Tel Aviv/DER STANDARD, Printausgabe, 5.11.2010)