Wild waren wir alle mal

  • Die Steirerstuben in Wien-Margareten werden nun vom einstigen Korso-Küchenchef Gerald Angelmahr bekocht.
    foto: gerhard wasserbauer

    Die Steirerstuben in Wien-Margareten werden nun vom einstigen Korso-Küchenchef Gerald Angelmahr bekocht.

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    foto: gerhard wasserbauer

Der "Junge Wilde" und Kurzzeit-Korso-Koch Gerald Angelmahr kocht wieder, und zwar Speisen wie vor 30 Jahren

Gerald Angelmahr ist unter Siegfried Kröpfl groß geworden, dem langjährigen Küchenchef der Staatsgast-Bleibe Imperial, wo eine stets biedere, aber nicht uncharmant angestaubte Luxusküche serviert wurde. Dann bekam Angelmahr in einem Wettbewerb den Titel eines Jungen Wilden umgehängt, worauf der Konzern ihn als Nachfolger von Reinhard Gerer ins Korso abkommandierte. Da lief es nach Startschwierigkeiten recht vielversprechend, dennoch wurde auch Angelmahr bald gegangen - inzwischen bietet das Korso nur noch inspirationsfreie Hotelküche sowie Mittagessen vom Buffet. Und Angelmahr kocht wieder für Kröpfl.

Der einstige Imperial-Küchenchef fungiert nämlich seit Kurzem als Geschäftsführer der Steirerstuben auf der Wiedner Hauptstraße, einem in lupenreinem Pseudo-Biedermeier ausgestatteten Traditionslokal. Angelmahr will seine Kreativ-Ambitionen offenbar nicht weiter verfolgen und serviert eine Küche, die sich den Erwartungen des Publikums geschmeidig unterordnet.

Preise geschmalzen - Portionen mächtig

Zwar sind die Preise geschmalzen, dafür geraten die Portionen mächtig. Die deftige Erdäpfelsuppe mit Speck und Champignons wird, durchaus retro-schick, in der Suppentasse und mit stabiler Haut serviert. Gebratenes Forellenfilet kommt auf derben Käferbohnensalat gebettet zu Tisch, durch die Garnitur aus Glashausparadeisern und Forellenkaviar gewinnt er nur nominell an Eleganz. Wildhasenlauf wird mit Brimborium bei Tisch angerichtet, ist aber staubtrocken geschmort. In der Kombo mit salzfreien Knödeln, eingebrannten Linsen und einer Sauce, in der (ihr schon wieder!) Speck und Champignons die Hauptrolle spielen, erinnert das an überwunden geglaubte Zeiten: Gerade, dass die Preiselbeeren nicht im Kompottpfirsich serviert werden. Dafür ist das Wiener Schnitzel schulmäßig in Butterschmalz gebacken, die Panier souffliert wie es sich gehört und auch sonst eine seltene Freude. (Severin Corti/Der Standard/rondo/05/11/2010)

Steirerstuben
Wiedner Hauptstr. 111
1050 Wien
Tel.: 01/544 43 49
Mo-Sa 11-24, So 11-15 Uhr, Feiertags geschl.
VS EURO 3,90-19,80 HS EURO 18,80-29,80

Fotos: Gerhard Wasserbauer

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21 Postings

ich mag eher "preise wie vor 30 jahren"

mögen sie auch "einkommen wie vor 30 jahren"?

die gibt's tatsächlich

leider in euro statt in schilling.

portionen mächtig ?

laut foto eher (mehr als) schmächtig.

(mickrig sozusagen - im gegensatz zu den feisten preisen)

halt!!!

es sind 2 stück fisch
4 stück karotten/tomaten (irgendein rotes gemüse)
und 2 büschel salat

also doppelt soviel wie normal...

außerdem: wie vor 30 jahren: da waren es cevapcici, cordon bleu (auch als gordon bleu verkauft)...im gehobenen segment etwa ein bügeleisensteak (sehr unprätentiös mit butterkartoffeln und brokkoli) - natürlich soßen-frei, man hatte ja ketchup aus der glasflasche...

Verdächtig

Auf der Website gibts keine Speisekarte (eigentlich überall Usus mittlerweile). Und die Tagesempfehlungen starten so bei EUR 20,-... Werden wir mal nicht auf die Prioritätenliste setzen, dieses ominöse Lokal.

ist ganz nett die hütte. ein besuch zu zweit mit ein bisserl vor- und hauptspeise, eine flascherl wein und ein kaffeetscherl (nicht zu empfehlen) schlägt sich mir rund einem hunderter auf die börse.

essen ist allerdings wirklich sehr zu empfehlen.

doch, ist

nur ein bisserl schwer zu finden

http://www.steirerstuben.at/index_2.p... Startseite

dort

war ich vor 20 jahren einmal und hatte seitdem nie wieder das bedürfnis, hinzugehen. obwohl es damals durchaus ok war.
dieser artikel wird bei mir jedenfalls keinen meinungsumschwung bewirken. ein schnitzel um schätzungsweise 20 euro kann ruhig ohne mich stattfinden.

getäfelte holzdecken verderben mir den appetit.

Ist doch wie ein "gebackenes Wienerschnitzel"

Gibts in China auch: "Zweimal gebackenes..."

Und das ...

.... Bild ist ein schlecht gewähltes Symolbild oder eine der angepriesenen mächtigen Portionen?

mM

Danke, das würde ich auch gerne wissen.

Unter mächtige Portionen fällt mir der Kopp, der Schnitzelwirt oder sonstiges ein, aber da isst man ja noch dazu gut (kein staubtrockener Wildhasenlauf um geratene 35 Euro) und günstig. Solche Lokale dürfen von Restaurantkritikern ned amoi ignoriert werden ;-)

Ist das ...

... der in der Neubaugasse? Den gibt´s auch noch? :)

mM

Freilich! 13A Haltestelle Westbahnstraße. Schlecht für die Ernährungsgewohnheiten, aber das Cordon is einfach ein Wahnsinn :D

Ähm, ...

... ich (41) bin meiner Meinung nach genau aufgrund dieser schlechten Ernährungsgewohnheiten (und was alles dazugehört zu einem ungesunden Leben) maximal einmal im Jahr für ein paar Tage verschnupft. Und das die letzten 20 Jahre ... - ich lebe gern ungesund. :)))

mM

das sagen sie alle

aber denken sie mal dran, wie alt sie jetzte schon sein könnten, wenn sie sich vegan ernähren würden.

Auch 41.

Aber öfter krank. :)

mM

Das mag schon alles sein. Und trotzdem: Ich mag Preiselbeerpfirsich. Gehört für mich zu einem Rindsbraten einfach dazu.

*würg*

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