ITV Uno-Ökonom Flassbeck

"Harakiri, wenn alle die Etats zusammenprügeln"

Regina Bruckner, 8. November 2010, 09:57
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    foto: epa/trezzini

    UNCTAD-Chefökonom Heiner Flassbeck: "Warum sollen Leute wie ich für diese dummen Spekulanten zahlen?"

Warum nur steigende Löhne die Eurozone retten, die Fed gut daran tut, Geld zu drucken und Defizite nicht das Hauptproblem sind erklärt Uno-Ökonom Heiner Flassbeck

Heiner Flassbeck ist einer der umstrittensten und streitbarsten Ökonomen Deutschlands. Der studierte Volkswirt ging 1986 zum Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und stellte sich dort mit seinem keynesianischen Ansatz mehr und mehr gegen den Mainstream. Flassbeck etablierte sich als heftiger Kritiker deregulierter Märkte, denen er den Zusammenbruch voraussagte. Der heutige US-Finanzminister Timothy Geithner nannte ihn deshalb einst "Fürst der Dunkelheit". Der damalige Finanzminister Oskar Lafontaine holte den Ökonomen 1998 als Staatssekretär in sein Ministerium. Im Interview erklärt er warum nur steigende Löhne die Eurozone retten können, die Fed recht daran tut, die Geldpresse anzuwerfen und Haushaltsdefizite nicht Europas Hauptproblem sind.

***

derStandard.at: Herr Flassbeck, im März 2009 stellte man Ihnen folgende Frage: "Die USA werfen jetzt die Geldpresse an und kaufen Staatsanleihen auf. Ist das eine Verzweiflungstat?" Jetzt kann ich Ihnen dieselbe Frage wieder stellen.

Heiner Flassbeck: Es ist eine erneute Verzweiflungstat. Es ist in den USA offensichtlich notwendig, noch einmal diese Maßnahme anzuwenden, weil die Konjunktur nicht so angesprungen ist, wie man sich das gewünscht hat. Was wir erleben, ist die Auswirkung hoher Arbeitsmarktflexibilität in den USA, die ja immer gelobt wird, vor allem von konservativen Seiten in Europa, die sich aber jetzt in der Krise als äußerst problematisch erweist. Die Krise dauert jetzt schon lange an und wurde selbst mit massiven staatlichen Maßnahmen nicht überwunden. Dadurch tritt ein Problem ein, das man mit Lohndeflation bezeichnen könnte.

derStandard.at: Sie meinen die stagnierenden Löhne?

Flassbeck: Ja, Japan hatte am Ende seiner großen Blase Ende der 1980er-Jahre ein ähnliches Problem. Dauert die Arbeitslosigkeit lange, sinken die Löhne immer weiter. Eine Volkswirtschaft wie die USA, die wenig exportiert und viel eigene Nachfrage braucht, gerät dann in die Lage, dass die Leute ihre Erwartungen systematisch nach unten schrauben, weil sie nicht mehr glauben, dass ihre Einkommen in absehbarer Zukunft steigen. Das ist die gefährlichste Lage, in die man kommen kann, denn diese Erwartungsstagnation kann man nur noch mit gewaltigen Nachfrageprogrammen des Staates überwinden. Das wird aber auch mit dem jetzt gewählten Kongress in den USA überhaupt nicht mehr hinzubekommen sein. Insofern finde ich auch jetzt richtig, was die Amerikaner machen.

derStandard.at: Sie wollten damals zwar nicht wetten, dass die EZB folgen und ebenfalls Staatsanleihen kaufen wird, waren sich aber ihrer Sache ziemlich sicher. Und tatsächlich musste man nicht lange warten. Die EZB wurde für diese Entscheidung heftig kritisiert, Ihnen konnte das Programm gar nicht weit genug gehen.

Flassbeck: Die EZB hat nur einmal - sozusagen in einer Notlage - Staatsanleihen gekauft. Europa hätte aber viel mehr tun müssen, um die Zinsen vor allem für die Problemländer runter zu schleusen. Wir sehen ja jetzt, dass die von den Kapitalmärkten "geforderten" Renditen schon wieder unglaublich hoch und für die Problemländer gar nicht zu bewältigen sind. Insofern bin ich weiterhin der Meinung, dass die EZB unorthodoxe Maßnahmen ergreifen sollte, um einen weiteren Absturz zu verhindern, aber auch, um generell Europas Konjunktur zu stützen. Was wir derzeit sehen, ist kein europäischer Aufschwung. Deutschland ist mit seinen Exporten in einem chinesischen Aufschwung, einer Sonderkonjunktur, weil es massiv Glück gehabt hat, dass in Asien die Anregung sehr schnell gegriffen hat und die Leute dort hungrig nach deutschen Autos sind. Ich finde auch, dass das europäische Rettungspaket als absolutes Notfallpaket falsch konstruiert ist, weil die Länder unter normalen Umständen darauf überhaupt nicht zurückgreifen und deswegen auch keine normalen Zinsen bekommen können. Man hätte dafür sorgen müssen, dass die Länder sich zum Beispiel über eine Euro-Anleihe zu vernünftigen Zinsen verschulden können. Dann hätte man eine viel größere Chance gehabt, dass die Restriktionspolitik, die ja in ganz Südeuropa in brutaler Weise eingeschlagen wird, eine Erfolgschance hat.

derStandard.at: Die Länder sind ja in recht unterschiedlichen Situationen. Griechenland, Irland, Portugal schnüren immer schärfere Sparpakete. Gerade wieder hat OECD-Generalsekretär Angel Gurria die Industriestaaten zum Abbau ihrer Schuldenberge aufgerufen. Kommen Länder wie Griechenland wieder auf die Beine angesichts dieser rigiden Programme?

Flassbeck: Nein, wenn alle nur noch Restriktionen einführen, kommt überhaupt keiner mehr auf die Beine. Deswegen halte ich für fundamental falsch, was der OECD-Generalsekretär sagt. Es gibt in den G-20 - wo die OECD ja Beobachter ist - sehr ernsthafte und vernünftige Diskussionen darüber. Es kann niemals funktionieren, wenn man fordert, alle müssen ihre Haushalte konsolidieren, solange wir keinen privatwirtschaftlichen Boom haben. Und den haben wir nirgendwo außer in China. Insofern ist das eine Harakirimethode, wenn jetzt alle sozusagen den englischen Weg gehen und ihre Haushalte zusammenprügeln. Dann werden wir am Ende erleben, dass die Defizite immer höher werden. Das ist genau die Erfahrung, die Japan nach dem Ende seiner Blase gemacht hat.

derStandard.at: Ihrer Ansicht nach können einzig Lohnsteigerungen die Euro-Zone retten. Was ist mit der vielbeschworenen Konkurrenzfähigkeit mit China und Co.?

Flassbeck: Das ist eben nicht das Problem. Man kann nicht dauernd auf die Konkurrenzfähigkeit starren und versuchen, über ein Gürtel-Enger-Schnallen bei den eigenen Löhnen die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber China zu erhöhen. Das schafft man sowieso nicht. Die chinesischen Löhne machen ein Zwanzigstel der deutschen und österreichischen Löhne aus. In China insgesamt ist aber auch die Produktivität nur ein Zwanzigstel so hoch. Die Chinesen richten sich nach ihrer Produktivität und wir müssen uns nach unserer Produktivität richten. Die einzige Ausnahme sind unsere eigenen Unternehmen, die in China produzieren, die haben hohe Produktivität und niedrige Löhne. Außerdem gibt es noch einen Wechselkurs dazwischen, und wenn wir versuchen würden mit Gewalt die Chinesen nieder zu konkurrieren, dann würden die ihre Währung abwerten und was dann?

derStandard.at: Wir konkurrieren also mit den Chinesen überhaupt nicht direkt?

Flassbeck: Direkt schon, aber ohne Problem. Alle Überschussländer haben gefälligst dafür zu sorgen, dass auch andere Länder einmal ihre Defizite in den Außenhandelsbilanzen abbauen können. Das gilt für Deutschland, für China und für Österreich. Daran führt kein Weg vorbei. Die Defizitländer haben recht, wenn sie sagen, wir können nicht immer mehr Schulden machen und ihr könnt nicht immer weiter Forderungen gegenüber uns aufbauen. Das muss wieder einmal ausbalanciert werden. Das ist das, was die Amerikaner fordern und das ist vollkommen richtig. Die Neigung der Überschussländer zu sagen "Wir müssen Überschüsse haben, selbst wenn alle paar Jahre die Defizitländer pleite sind" ist eine absurde Position. Vor allem Deutschland spricht die ganze Zeit von den bösen Defizitsündern. Wenn wir diese Attitüde beibehalten, werden wir erleben, dass die Sünder ihre Grenzen dicht machen und die Güter der Nichtsünder nicht mehr hineinlassen. Und was machen wir dann? Freihandel ist kein Naturgesetz. Das funktioniert nur, wenn es ein Geben und Nehmen ist.

derStandard.at: Das heißt, Sie haben jetzt die Diskussionen am EU-Gipfel genau verfolgt. Dem Faktum, dass Deutschland hartnäckige Schuldensünder stärker in die Pflicht nehmen will, können Sie dann wohl wenig abgewinnen?

Flassbeck: Dem kann ich überhaupt nichts abgewinnen. Weil die Diskussion noch nicht einmal ehrlich ist. In Brüssel wurden beide Aspekte, die öffentlichen Defizite und gleichberechtigt die Makro-Ungleichgewichte thematisiert. Es gibt zu beidem ein Papier der Kommission. Aber die makroökonomische Diskussion ist überhaupt nicht zur Kenntnis genommen worden, weil man das nicht wahrhaben will. Jean-Claude Juncker hat vorletzte Woche ganz klar gesagt, dass das Haushaltsproblem auch ein Problem ist. Aber das wichtige Problem ist das der makroökonomischen Ungleichgewichte. Die deutsche Politik war bislang nicht einmal bereit, das zu diskutieren. Deswegen wird man sich in Brüssel dazu einer Lösung verweigern, und das wird dazu führen, dass die anderen Länder sagen: Dann verweigern wir uns jeder anderen Lösung auch. Dann ist Europa schon zerbrochen, bevor überhaupt die Eurozone noch einmal in große Gefahr geraten ist. Das ist eine absurde Strategie.

derStandard.at: Sie geben dieser Währungsunion und dem Euro ohnehin nur noch ein paar Jahre.

Flassbeck: Ja, wenn wir dieses außenwirtschaftliche Problem in der Währungsunion nicht angehen, hat die Eurozone keine Zukunft.

derStandard.at: Ihre Kritik richtet sich recht spezifisch an Deutschland als Krisenverursacher. Welche Länder spielen noch in dieser Liga?

Flassbeck: Ja, da gibt es nur ein einziges, das ein bisschen in dieser Liga ist, das heißt Österreich. Nicht so ganz, weil Österreich sich in der Mitte gehalten hat. Deutschland hat die Lohnstückkosten - also die Löhne im Verhältnis zur Produktivität - praktisch überhaupt nicht erhöht in den letzten zehn Jahren, Frankreich hat sie um zwei Prozent erhöht. Das ist das europäische Inflationsziel, und daran muss man sich orientieren. Aber Österreich hat auch die zwei Prozent nicht ausgenützt.

derStandard.at: Wann wäre der richtige Zeitpunkt für staatliche Sparbemühungen gekommen?

Flassbeck: Wenn die privaten Haushalte und Unternehmen so viel Geld ausgeben, dass die Konjunktur läuft, ohne dass man den Staat dazu braucht. In Europa haben wir derzeit keine Indikatoren dafür.

derStandard.at: Abseits davon: Die immer wieder beschworene Inflationsgefahr sehen Sie überhaupt nicht. Wieso liegen die Einschätzungen - hie heftige Inflation, da dramatische Deflation - so weit auseinander?

Flassbeck: Ich habe gerade eine Wette gewonnen gegen einen anderen Ökonomen, der gewettet hat, dass man schon diesen Sommer eine deutliche Inflationsbeschleunigung sehen wird. Immerhin hat mir das sechs Flaschen Wein gebracht. Es gibt überhaupt keine Inflationsgefahr, wo soll die denn herkommen?

derStandard.at: Von dem Geld, das in die Kreisläufe gepumpt wird?

Flassbeck: Das ist der entscheidende Irrtum. Selbst diejenigen, die an die Geldinflationstheorie glauben, sollten sich die Geldmengen anschauen. Die europäische Geldmenge, die man die letzten zwanzig, dreißig Jahre für die relevante gehalten hat - nämlich M3 - stagniert. Was aufgebläht worden ist, ist die Geldmenge in den Händen der Banken. Die halten wir aber überhaupt nicht für relevant für die Inflation, weil die Banken das Geld ja nicht für Güter ausgeben. Selbst die Monetaristen müssten sagen, es besteht eine Deflationsgefahr, wenn sie noch an ihre eigenen Indikatoren glauben.

derStandard.at: Stichwort Banken. Sie haben sich in Alpbach recht pessimistisch geäußert und sinngemäß gemeint, dass in der Branche alles beim Alten ist. Immerhin wurde Basel III ins Leben gerufen, mancherorts die Bankensteuer auf den Weg gebracht, Hedgefonds wurden an die Kandare genommen. Was wollen Sie denn noch?

Flassbeck: Die Hedgefonds müssen jetzt einen Ausweis vorzeigen, wenn sie ins Casino gehen, an die Kandare nehmen ist etwas anderes. Zu Basel III: Die Financial Times hat das gut beschrieben mit: "Die Maus, die nicht gebrüllt hat. "Basel III hat mit einer wirklichen Lösung der Finanzmarktprobleme nicht viel zu tun. Man bleibt in dem alten Schema, einfach ein bisschen mehr Eigenkapital zu fordern anstatt zu fragen, was sind eigentlich wirklich die Geschäfte, die für die Gesellschaft einen Ertrag bringen, und was sind reine Casinoaktivitäten? Für reine Casinoaktivitäten darf es überhaupt keinen Kredit geben. Da ist eine Eigenkapitalquote von zehn Prozent nicht richtig, da gibt es nur eine einzig richtige Quote, und die heißt 100 Prozent. Jeder der spielen will, soll ins Casino gehen und spielen, aber mit seinem eigenen Kapital.

derStandard.at: Wir wissen ja jetzt nach der Krise, dass nicht nur die "bösen Banken" sondern durchaus auch der kleine Anleger ganz gerne ein bisschen spielt.

Flassbeck: Natürlich, das sind alle, die glauben, dass sie durch Spielen reich werden. Was fehlt, ist ein Politiker, der den Leuten klar sagt, das geht nicht, das funktioniert nicht.

derStandard.at: Es hat aber recht lange funktioniert.

Flassbeck: Es funktioniert immer ein paar Jahre, genau solange, wie es gelingt, ein paar Preise und die Aktienkurse nach oben zu treiben. Irgendwann bricht das Ganze wieder ein und dann sollen Leute wie ich, die nicht spekulieren, für diese dummen Spekulanten bezahlen. Das ist nicht einzusehen. Spekulation bringt nicht nur der Gesellschaft nichts, es verzerrt die Preise, es schadet massiv der Realwirtschaft. Warum sollten wir das zulassen? Nur weil ein paar Leute auf der Welt glauben, sie können mit Spielen reich werden? Ich bin ein liberaler Mensch. Aber nicht, wenn ich hinterher bezahlen muss. (Regina Bruckner)

Heiner Flassbeck (60) ist derzeit Chefökonom der Uno-Konferenz für Handel und Entwicklung Unctad in Genf. Sein neues Buch: "Die Marktwirtschaft des 21. Jahrhunderts" ist im September (bei Piper-Westend) erschienen. Seine Homepage: www.flassbeck.de

Kommentar posten
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emmilie
01
17.11.2010, 10:54

Großartiger Mann, er bringt seine Gedanken auf den Punkt und gibt klare Antworten. Das Problem ist nur: Wenn wir zur Schaffung von geeigneten Gegenmaßnahmen die führenden Wirtschaftsköpfe (!) in Klausur schickten, würde das in einen Gelehrtenstreit ausarten. Man muss wohl nicht weiter beschreiben, was passiert, wenn wir unsere faulen, völlig ahnungslosen und nur auf ihre Pfründe achtenden Politiker selbiges erledigen lassen???

also dann ...
02
12.11.2010, 14:57
JA - FLASSBECK ... ist einer der wenigen ökonomen (so wie thomas FRICKE - FTD:DE !) die die dinge beim n a m e n benennen - e n d l i c h ! ! !

ftd.de, FRICKE - TANTA ERNA WELT-ÖKONOMIE...
von m e r k e l und ihren pimperl-ministern !
http://www.ftd.de/politik/k... 93584.html

Allein die 7 größten Überschuss- und Defizitländer sorgen für weltweit 1600 Mrd. Dollar Schieflage.
Das kann auf Dauer nicht gut gehen.
Auch für die Deutschen nicht.

Das jüngste Poltern von Merkel und ihren Ministern lässt zweifeln, ob sie v e r s t a n d e n ... haben, was weltwirtschaftlich auf dem Spiel steht.
Eine Kanzlerin soll ja Schaden vom Volk abwenden - und keine Z i c k e n k r i e g e ...
gegen makroökon. bildungsnähere Länder führen.

die wirtschaft ist eben ein
NULL - SUMMEN - SPIEL !

Spätrot
01
9.11.2010, 12:47
Der Abbau von Budgetdefi ziten kann nämlich verheerende Konsequenzen nach sich ziehen.

http://www.tu-chemnitz.de/wirtschaf... hulden.pdf

Spätrot
01
9.11.2010, 12:40
Und, Heiner Flassbeck:

Schuldenverrechner
http://www.flassbeck.de/pdf/2007/... echner.pdf

Spätrot
02
9.11.2010, 09:40
Noch mehr Flassbeck

Neoliberale und Ähnliche, schaut euch das an:

http://www.videoportal.sf.tv/video?id=... a3d0755963

Jahn Petrov
00
25.12.2010, 23:38

Und das der letzte Neoliberale aufwacht, und sieht was er anrichtet noch Albrecht Müller's wwwe.nachdenkseiten.de

periphere tangentialita:t
05
9.11.2010, 02:45

ENDLICH EIN ÖKONOM DER DIESE BEZEICHNUNG AUCH VERDIENT!

vor allem wird der bürger, durch die kalte enteignung, die banken rettung, immer wieder als idiot dargestellt, der er absolut nicht ist, durch diese 'geiz ist geil'-möchtegerne-elite, die nur an die eigene hosentasche denkt, jedoch die wahren zusammenhänge einfach nicht zur kenntnis nehmen will.

Erwin Wolfram
20
9.11.2010, 01:31

Ich erwarte von einem Ökonom, dass er sich ausdrücken kann, wenn interviewt und das ist hier nicht der Fall. So wie hier geschrieben heisst das Transferleistungsempfänger sind faul, streichen wir die Transferleistung, dann werden die Löhne schon irgendwann steigen. Denn tatsächlich gibt es niemand der für die mieseren Leistungen mehr bezahlen will. Tatsächlich ist es so, daß die Institutionen auf monetär optimierte Übergriffe trainiert werden, Rechtshilfe gibt es keine. Ich finde das strafbar.

macabre89
00
9.11.2010, 06:58

vllt ist es noch zu früh ... wo hat er das gesagt? also dass transferleistungsempfänger faul seien?

reismeister
17
9.11.2010, 00:44
bei all den zutage tretenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen konsequenzen

es ist mir ein rätsel wie hier im forum immer wieder das finanz und bankensystem der letzten 10 - 20 jahre verteidigt werden kann.

Flassbeck, Stiglitz, Krugmann und Co haben zu 100% recht! Nicht-regulierte Märkte führen zu asymmetrischer Informations- und Machtverteilung; während ein paar Grössenwahnsinnige mit Zumpfi-problem einen auf Casino machen sinken die Reallöhne der von 98% der arbeitenden Bevölkerung.

ES REICHT!!

Martin Schwarzbauer
 
12
9.11.2010, 17:38
Wer verteidigt den Finanzwahnsinn der letzten 10-20 Jahre?

Dass es Wahnsinn ist, darüber sind sich praktisch alle einig. Die Unterschiede liegen in der Diagnose der Ursachen.

Die einen sagen: "Die Märkte haben das verursacht - wir brauchen mehr staatliche Kontrolle."
Noch mehr staatliche Kontrolle? Die Rating-Agenturen hatten ein staatliches Gütesiegel. Die Hypothen an Menschen ohne Einkommen und Vermögen hat der Staat forciert. Die Zentralbank hat mit künstlich niedrigen Zinsen das Geld für die Blase hergestellt.

Die anderen sagen: "Die staatlichen Einmischungen sind kontraproduktiv, sie verzerren die Anreize und belohnen so hochriskantes und destruktives Verhalten. Wer Verluste baut, soll diese auch selbst tragen müssen."
Freie Märkte, schlanker Staat statt Korruption und Umverteilung!

also dann ...
00
20.11.2010, 15:49
nein - welch - private - ratingagentur hatte dieses staatl. siegel ?

im gegenteil :
im neuen - US-regulierungs-gesetz...war eine "leichte haftung" der rate-agenturen vorgesehen. es kam nicht dazu...,
- weil die lobbies intervenierten
- weil der status des "esperten" eine haftung bedingt hätte.
ergebnis :
- sie haften NICHT für ihren nonsense
- ergo dessen sind sie auch KEINE EXPERTEN
und deren expertise...nichts als geschreibsel.

Martin Schwarzbauer
 
10
21.11.2010, 12:27
Das Problem ist, dass das staatliche Gütesiegel nichts bedeutet, aber alle darauf vertrauen

http://en.wikipedia.org/wiki/Nati... ganization

Dieses "Gütesiegel" oder "Zertifikat" ist die Eintrittskarte zum Markt der Ratingagenturen. Es liegt im Interesse der bereits bestehenden Agenturen, dass diese Eintrittskarte möglichst schwer zu erlangen ist - und das ist auch der Fall.
Wie überall in einem Markt mit hohen Zutrittsbarrrieren ist die Qualität schlechter als sie am freien Markt wäre und die Profite sind höher.

Allein schon das Geschäftsmodell "ich werde bezahlt von dem, den ich bewerte" hätte auf einem freien Markt keine Überlebenschance, weil der Interessenskonflikt offensichtlich ist. Wenn der Staat sich einmischt, geht das aber ohne Problem.

ino
00
11.11.2010, 07:48
immer diese staatlichen gütesiegel..

die bezeichnung Nationally Recognized Statistical Rating Organizations ("NRSROs") durch die SEC, was als staatlches gütesiegel gilt, wurde mitte der 1970er jahre geschaffen.

"By 1924, Moody's ratings covered nearly 100 percent of the US bond market." offenbar braucht der freie markt keine staatlichen interventionen, um monopole oder oligopole herauszubilden.

Hugh G. Rection
00
19.11.2010, 09:52
Sie haben auch insofern ein Gütesiegel...

... dass diverse Eigenmittelvorschriften für Finanzinstitutionen auf Ratings aufbauen, also vom Gesetzgeber die Heranziehung von Ratings gefördert wurde, ohne dass deren Erstellern auf die Finger geschaut wurde.

Martin Schwarzbauer
 
11
11.11.2010, 12:48

Ein Monopol im ursprünglichen Sinn ist ein staatlich verliehenes Privileg, das einen von Konkurrenz schützt.

Wenn heute einzelne Unternehmen hohe Marktanteile halten, kann das zwei Gründe haben:
1) sie stellen überlegene Produkte/Dienstleistungen zur Verfügung
2) sie haben den Staat dazu gebracht, Eintrittsbarrieren zu ihrer Branche zu errichten

Microsoft z.B. fällt in Kategorie 1, Ratingagenturen in Kategorie 2. Die können früher auch mal die besten gewesen sein, weswegen sie so groß wurden - trotzdem gibt es hohe staatliche Zutrittsbarrieren zu diesem Markt. Es ist daher kein freier Markt.

ino
10
11.11.2010, 17:06
da müssen sie aber noch einiges lernen

ein monopol kann ganz einfach deshalb bestehen weil verbundvorteile oder skaleneffekte vorliegen. wenn zB enorm hohe fixkosten mit geringen variablen kosten in der produktion einhergehen, kann ein unternehmen den markteintritt eines konkurrenten verhindern, indem es die preise so niedrig ansetzt, dass der konkurrent nie seine fixkosten-investition erlösen könnte. kein überlegenes produkt, keine staatliche barriere.

bei den ratinagenturen liegen reputationseffekte vor: anleger kennen die big 3 und vertrauen deren urteil (warum auch immer...) und je mehr institute ihre produkte von s&p raten lassen, desto mehr andere werden das auch tun, da ein rating einer bekannten agentur besser zu vermarkten ist als ein no-name rating.

Martin Schwarzbauer
 
12
11.11.2010, 18:32

Das kann ein Unternehmen tun, aber wenn die Rendite des Quasi-Monopolisten oder Kartells deutlich über dem normalen Niveau liegt - und nur dann hält er Preissenkungen durch - werden sich immer wieder Konkurrenten finden, die in den Markt einzudringen versuchen.
Auch wenn es die ersten paar nicht schaffen sollten, im Markt zu bleiben (was allerdings für schlechte Planung spräche), so üben diese einen Druck aus, der den Platzhirschen zwingt, billiger zu verkaufen.

Aber nebenbei: auch Intel hat es nicht geschafft, AMD aus dem Markt draußen zu halten, obwohl sie mit Exklusivverträgen versuchten, die Vertriebswege zu blockieren.
Hohe Marktanteile kann nur dauerhaft halten, wer seinen Kunden den besten Deal anbieten kann.

Spätrot
00
9.11.2010, 18:34
Wieso glauben sie, wenn der "Staat" sich zurückzöge käme es zu keinen Problemen?

Nehmen wir ein konkretes Beispiel, wie die Art und Weise der Spekulation, die hier, gleich am Anfang, beschrieben wird:

http://etalks.tv/blog/2009... flassbeck/

"Und in den im Augenblick wird ja auch darüber diskutiert, dass selbst der Ölpreis fast 100% von Spekulationen bestimmt ist und eben nicht von Angebot und Nachfrage." Flassbeck

Martin Schwarzbauer
 
20
9.11.2010, 19:29
Weil in einem freien Markt das Anreizsystem so wirkt, dass eigennütziges Verhalten auch gesamtwirtschaftlich positiv ist

Die Aussagen über die Spekulationen sind großteils einfach falsch. Richtig ist noch, dass derzeit die nächste Blase entsteht. Aber schon bei der Aussage, dass alle Kurse "hoch korrelliert" wären, reicht ein kurzer Blick auf ein paar Kurven, um zu sehen, dass dem einfach nicht so ist:
http://www.finanzen.net/rohstoffe/goldpreis
http://www.finanzen.net/rohstoffe/oelpreis
http://www.finanzen.net/rohstoffe... eizenpreis

Wenn es nämlich so einfach wäre, wie er behauptet, könnte es doch selbst ein Vermögen damit machen. Und nicht nur er.

Ja, die Spekulanten haben zu viel Geld - woher kommt das? Aus der Fed und den anderen Zentralbanken, die Unsummen praktisch zinsenloser Kredite an Banken vergeben haben, die damit ja irgendwas machen müssen.

Spätrot
00
9.11.2010, 20:27
Da sind wir uns einig.

"Ja, die Spekulanten haben zu viel Geld - woher kommt das? Aus der Fed und den anderen Zentralbanken, die Unsummen praktisch zinsenloser Kredite an Banken vergeben haben, die damit ja irgendwas machen müssen."

Und sie (Zentralbanken) tun das warum? Sie wollen damit das Zusammenbrechen des Währungssystems verhindern.

Die Frage, was sie gegen diese Spekulationen tun wollen, die Preise entstehen aufgrund von Erwartungen (wahrscheinlich ganz schematisch, wie Flassberg es anreisst) und nicht aufgrund von tatsächlichem Angebot und tatsächlicher Nachrage, haben sie nicht beantwortet. Das was dort (z.B.Treasuries verschiedener Banken) passiert, folgt eigenen Gesetzmässigkeiten und fusst kaum auf der Realwirtschaft.

Martin Schwarzbauer
 
01
9.11.2010, 20:53
Darum: wieder echtes Geld statt Fiat Money

Echtes Geld hat einen Wert für sich, während unser Papier- oder gar Buchgeld nur einen Wert hat, wenn ich es gegen echte Waren eintauschen kann. Es kostet praktisch nichts in der Erzeugung und wird nur akzeptiert, weil die Gesetze es erzwingen ("gesetzliches Zahlungsmittel", Steuern auf alternative Zahlungsmittel wie Gold und Silbermünzen).

Echtes Geld hingegen wird als Ware geschätzt, und zwar so sehr, dass jeder sie kaufen will (d.h. seine Arbeit und Waren dagegen eintauschen will), wodurch sie zum universellen Tauschmittel wird.
Gold und Silber als Geld würde die Inflation beenden, Staaten die Lizenz zum Geldfälschen entziehen und die jetzt mit Spielgeld überfluteten Finanzmärkte auf das sinnvolle Maß zurecht schrumpfen.

tao nr. 43
11
15.11.2010, 21:08
gold und silber sind kein geld, es sind gold und silber. GELD IST KEINE WARE!!!! GELD IST EIN TAUSCHEQUIVALENT!

warum wollen alle geldwirtschaft betreiben aber haben keinen begriff von geld? wenn sie geld wie eine ware behandeln, betreiben sie TAUSCHWIRTSCHAFT, keine GELDWIRTSCHAFT.

geld ist ein tauschequivalent. tauschen können sie waren und arbeitszeit. ein wirtschaftsraum der ein (von der gesellschaft) schuldfrei geschöpftes fiat money in einem konstanten verhältnis zu den erzeugten waren und geleisteten arbeitstunden hält, wird keine nennenswerte inflation oder deflation kennen.

wo nehmt ihr das gold und silber her, wenn die wirtschaftsleitung steigt und somit der geldbedarf?

wozu braucht ihr austrianer eigentlich geld wenn ihr es nicht wie geld behandeln wollt?

tauschen könntet ihr auch so, ganz ohne geld.

mfg tao nr. 43

okami
00
18.11.2011, 12:56
Genau deshalb - wenn Geld ein Tauschäquivalent sein soll - braucht es ein gewisse Gleichgewicht in der Geldmenge relativ zu Waren und Dienstleistungen.

Diese Relation sollte früher durch die Golddeckung der Währung sichergestellt werden.

Die wundersame Geldvermehrung:
1. Schritt: durch das Girokonto braucht es kein Geld = Geldvermehrung
2. Schritt: Verrechnungsgeld im Finanzsektor
3. Schritt: 'Hebel'

Und so haben wir viel Geld (Recht auf Waren und Dienstleistungen) denen entsprechende Schulden (Verpflichtung Waren und Dienstleistungen zu leisten) gegenüberstehen.

Die Krise besteht darin, dass es nicht genug Waren und Dienstleistungen gibt für die vervielfältigte Geldmenge.
Die Lösung der Krise: Buchgeld muss im Buch bleiben. Dann gibt es keine AUswirkungen in der Realität!

Martin Schwarzbauer
 
11
15.11.2010, 21:53
Geld ist nur eine Funktion, ein Verwendungszweck

Als Geld wurden im Laufe der Geschichte viele verschiedene Waren und Materialien verwendet. Die entscheidenden Kriterien sind u.a., das sie universell begehrt, gut teilbar, transportabel, nicht verderblich und gut wiedererkennbar sind.
So ist Geld ursprünglich entstanden. Das heutige "Geld" hingegen ist nicht für sich begehrt, sondern nur aufgrund der Erwartung, dafür etwas von Wert zu erhalten.

Wenn die Produktivität steigt, sinken eben die Preise - dann braucht man nicht mehr Geld, sondern höchstens kleinere Einheiten. Steigt der Geldbedarf tatsächlich, werden die Metalle durch den Markt von anderen Verwendungszwecken abgezogen.

Tauschen kann man mit Geld besser, weil es universell begehrt ist - (fast) jeder steht auf Gold und Silber.

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