Einzige Millionenstadt mit Weinbau

7. November 2010, 17:07
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Der Rebensaft als Wirtschaftsfaktor: 1,69 Millionen Liter Weinernte, 4,5 Millionen Euro Umsatz und Zugpferd für den Wiener Tourismus

Wien besitzt mit 680 Hektar die weltweit größte innerstädtische Rebfläche. Anders ausgedrückt: Österreichs Bundeshauptstadt ist die einzige Millionenmetropole mit wirtschaftlich bedeutendem Weinanbau. Im Vorjahr betrug die Ernte rund 1,69 Millionen Liter, 13.700 Hektoliter des Rebensaftes wurden in 1,8 Millionen Flaschen abgefüllt. Die 230 Weinhauer investieren pro Jahr 400.000 Arbeitsstunden, um die Weinregion zu erhalten.

80 Prozent Weißwein

Fast die Hälfte der Weingärten liegt im 19. Bezirk, mehr als ein Drittel im 21. Bezirk. Weitere Rebflächen sind im 23., 10., 17. und 16. Bezirk vorzufinden. 80 Prozent der Anbauflächen werden für Weißwein genutzt, hier werden vor allem Grüner Veltliner, aber auch Rheinriesling und Weißburgunder angebaut, es folgen Gemischter Satz und Chardonney. Rotwein wird in Wien in weitaus geringerem Maße angebaut, der größte Teil besteht aus Blauem Zweigelt, es folgen Blauer Burgunder, Cabernet Sauvignon sowie Blauburger und St. Laurent. Im Vergleich mit der österreichweiten Weinproduktion steht Wien mit einem Anteil von rund einem Prozent der Gesamtproduktion an vierter Stelle nach Niederösterreich, dem Burgenland und der Steiermark.

Buschenschanken verkaufen am meisten Wein

Die Landwirtschafskammer schätzt, dass der Wiener Wein hauptsächlich über den Verkauf in den rund 115 Buschenschanken vermarktet wird, und zwar rund zur Hälfte. 20 Prozent des Traubensaftes werden über Gastronomie und Fachhandel verkauft, weitere 20 Prozent ab Hof in Flaschen. Rund fünf Prozent des Wiener Weines gehen in den Lebensmitteleinzelhandel, weitere fünf Prozent werden exportiert. Darüber, in welchen Ländern Wiener Wein am beliebtesten ist, gibt es keine genauen Zahlen. "Nach Rücksprache mit Winzern kristallisierten sich folgende Länder als wichtige Exportmärkte heraus: Deutschland, Schweiz, USA, Kanada, Japan, Norwegen, Holland, Schweden und Großbritannien", heißt es von der Wiener Landwirtschaftskammer.

4,55 Millionen Euro Umsatz

Die Wiener Weinbautriebe erzielten im Jahr 2009 einen Umsatz von 4,55 Millionen Euro, die Buschenschanken verkauften Wein im Wert von zwei Millionen Euro. Ein Jahr zuvor, 2008, war der Umsatz der Winzer mit fast 5,2 Millionen Euro deutlich höher. "Der Grund für diese Differenz ist die Ertragsminderung aufgrund der Hagelschäden im 19. Bezirk", erklärt Barbara Müllner vom Agrarmarketing der Wiener Landwirtschaftkammer.

Wein als Zugpferd für Tourismus

Auch im Tourismus wird mit dem Wiener Wein und der Heurigenkultur um Besucher geworben. "Wien ist dafür bekannt, ein Ort des Genusses zu sein und ist die einzige Metropole weltweit, die innerhalb der Stadtgrenzen nennenswerten Weinbau betreibt", sagt Norbert Kettner, Direktor von Wien-Tourismus. Die in Wien beheimatete Ess- und Trinkkultur sei ein wichtiger Bestandteil des Wien-Bilds. Die Besucher würden schätzen neben dem Wiener Kaffeehaus und der Wiener Küche speziell die Wiener Weinkultur und den Heurigen schätzen. "Aus unserer Gästebefragung wissen wir, dass das Thema Genuss bei der Entscheidung für eine Wien-Reise eine zentrale Rolle spielt. 32 Prozent der Gäste geben das gastronomische Angebot - inklusive Wein - als Grund für einen Wien-Besuch an, 15 Prozent den Heurigen", so der Touristiker.

Den Wein in die Stadt holen

Neben Besuchen in den alten Weinhauerorten wie Nussdorf oder Grinzig, wo während der Sommersaison täglich der "Wiener Heurigen Express" unterwegs ist, werden Touristen auch mitten in der Stadt mit dem Thema Wein konfrontiert. Etwa beim Weinpreis der Stadt Wien, beim Weinfestival "VieVinum" in der Hofburg oder bei der jährlichen Präsentation des „Jungen Wieners". Die jährliche Kampagne "Wien, Wein und Desgin" läuft in diesem Jahr zum ersten Mal und dauert noch bis 15. November.

Ein weiteres Highlight ist der 1.000 Quadratmeter große, 2009 angelegte Weingarten "Liesenpfenning" auf dem barocken Areal des des Schlosses Schönbrunn. Auf einem Pfad kann man sich über Entwicklung und Wachstum der Reben informieren, die erste Weinlese soll im Herbst 2012 stattfinden. "Sehenswert ist ein Besuch im Weinkeller des Palais Coburgs, auch ein Abstecher zum kleinsten Weingarten Wiens vor dem Palais Wiener von Welten am Schwarzenbergplatz lohnt sich", weiß Kettner. (mak, derStandard.at, 7.11.2010)

  • Weinanbau wird auch in anderen Städten betrieben. Wien ist aber die einzige Millionenmetropole, in der er von wirtschaftlicher Bedeutung ist.
    foto: mak/derstandard.at

    Weinanbau wird auch in anderen Städten betrieben. Wien ist aber die einzige Millionenmetropole, in der er von wirtschaftlicher Bedeutung ist.

  • Der größte Teil der Weingärten liegt im 19. und 21. Bezirk.
    foto: mak/derstandard.at

    Der größte Teil der Weingärten liegt im 19. und 21. Bezirk.

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    Auch der Tourismus setzt auf den Wiener Wein und die Heurigenkultur. Im Bild: der "Wiener Heurigenexpress".

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