Wiener Gefäßgespräche

Gefäßerkrankungen sind zunehmend "weiblich"

4. November 2010, 12:36
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    foto: reuters/jessica rinaldi

    Nur 30 Prozent aller Frauen mit akutem Herzinfakrt alarmieren binnen zwei Stunden die Rettung.

Kongress in Wien - Frauen kommen noch immer später in Behandlung als Männer - Pille und Rauchen führt zu besonders frühen Infarkten

Wien - "Gefäßerkrankungen sind zunehmend weiblich", betonten am Donnerstag Experten bei einer Pressekonferenz aus Anlass der "10. Wiener Gefäßgespräche", bei denen es in diesem Jahr speziell um weibliche Patientinnen geht.

"Wir haben in Wien 1.200 bis 1.500 große Herzinfarkte im Jahr. Zu ca. 30 Prozent sind davon Frauen betroffen, zu 70 Prozent sind es Männer. Bei den über 75-Jährigen ist jeder zweite Infarktpatient eine Frau, bei den über 80-Jährigen sind 80 Prozent Frauen. Wichtig ist, dass Frauen mit Herzinfarkt öfter sterben. (...) Frauen mit Infarkt sind um zehn Jahre älter als Männer. Sie haben mehr Begleiterkrankungen und sie melden sich bei Beschwerden später", sagte Kardiologe Kurt Huber vom Wiener Wilhelminenspital.

Frauen melden sich später

Die Daten dazu: Ende 2002 betrug die Sterblichkeit bei akutem Myokardinfarkt in Wien noch 16 Prozent. Durch die Etablierung eines Netzwerkes von Abteilungen, die rund um die Uhr die Aufdehnung von verlegten Herzkranzgefäßen mit Kathetern ermöglichen, sank sie mittlerweile auf an die fünf Prozent. Doch es gibt einen Geschlechterunterschied. Huber: "In den Jahren 2003 bis 2006 lag die Sterblichkeit von Männern nach Katheterbehandlung bei sieben Prozent, jene von Frauen bei zwölf Prozent." Ein wahrscheinlicher Grund dafür, so der Experte: "Frauen melden sich später."

So schlagen 70 Prozent der Männer mit einem akuten Herzinfarkt binnen zwei Stunden via Rettung Alarm und bekommen so innerhalb der optimalen Zeit nach Einsetzen der Symptome die potenziell lebensrettende Therapie per Herzkatheter oder Medikamente zur Auflösung des Blutgerinnsels im Herzen. Frauen melden sich nur zu 30 Prozent innerhalb dieses Zeitraums. Sie haben auch oft atypische Beschwerden. Huber: "Aber alle 'Sensationen' zwischen Nasenspitze und Bauchnabel, die länger als 20 Minuten anhalten haben etwas zu bedeuten."

Steigende Gefäßerkrankungen

Insgesamt, so der Chef der gefäßchirurgischen Abteilung am Wiener Wilhelminenspital, Afshin Assadian, bekommen Gefäßerkrankungen eine immer größere Bedeutung durch die zunehmende Überalterung der Bevölkerung. Dabei dürften viele Patienten zu spät oder gar nicht in Behandlung kommen. Der Experte: "In Österreich haben wir pro Jahr circa 33.000 Schlaganfälle. 5.000 davon sind durch hochgradige Verengungen einer Halsschlagader bedingt. Wir versorgen aber in Österreich pro Jahr nur 3.000 Patienten chirurgisch wegen verengter Halsschlagadern. Es fehlen also 2.000 Patienten." Beim akut lebensbedrohlichen Aortenaneurysma ginge man in Österreich von jährlich 5.000 Fällen aus, von denen nur rund 1.000 behandelt werden, indem die Aussackung der Körperschlagader im Bauch chirurgisch oder mittels Gefäßstütze behoben wird.

Eine Benachteiligung der Frauen durch die Männermedizin liegt in der Bundeshauptstadt - so Kardiologe Huber - nicht vor: "In Wien werden Frauen mit Sicherheit nicht schlechter behandelt als Männer. Am Wilhelminenspital implantieren wir zum Beispiel mehr Schrittmacher bei Frauen als bei Männern. (...) Erschreckend ist, dass mehr junge Frauen rauchen. Rauchen und 'Pille' aber sind gefährlich." Es käme zu frühen und schweren Infarkten, die nicht auf Atherosklerose, sondern auf Blugerinnselbildung zurück zu führen seien. Ähnlich sei das bei "automatischer Hormonersatztherapie" in der Menopause und dem Vorliegen weiterer Gefäß-Risikofaktoren. Am Wiener Wilhelminenspital arbeitet man derzeit daran, ein interdisziplinäres Gefäßzentrum auch formell einzurichten. (APA)

astemp79
10
5.11.2010, 08:40
Aussagen treffen - dann stehen bleiben.

Würde die Schulmedizin endlich aufhören, Symptome von Menschen zu betrachten, sondern stattdessen die Psyche, den ganzen Menschen - käme sie zu dem Ergebnis, dass Frauen sich oft zurücknehmen zugunsten ihrer Familie, dem Wohlergehen anderer.
Ein wirkliches Weiterkommen in der westlichen Medizin beginnt erst dann, wenn Zusammenhänge zwischen Erkrankungen und seelischer Disposition gesucht werden, und wenn aufgehört wird, nur Symptome zu behandeln.

blueplastic
11
4.11.2010, 19:08

Der wirkliche Skandal ist dass Männer eine um rund 5 Jahre niedrigere Lebenserwartung haben als Frauen und dass das überhaupt nicht thematisiert wird. Wäre es umgekehrt, der Aufschrei beim ewig benachteiligten Geschlecht wäre riesengroß.
Aber sobald sich irgendwo rausstellt dass die Sterblichkeit von Frauen bei Gefäßerkrankungen statt sieben wie bei Männern, zwölf Prozent beträgt, dann vierdient das natürlich sofort einen eigenen Artikel. Diese ganze Geschlechterdebatte wird von einer kleinen Elite verbohrtet Feministinnen angeheizt - widerlich.

Godesberg
00
5.11.2010, 23:57

Zumal dieser Unterschied von 5% sicher in einem Bereich liegt, der allein dadurch erklärt werden kann, dass die Patientinnen im Schnitt älter sind und dementsprechend anfälliger für Komplikationen.

Auch die Reaktionszeit lässt sich imho auf diesen Unterschied zurückführen. Oft wirken andere auf den Patienten ein zum Arzt zu gehen. Ältere Frauen sind eher alleinstehend als im Schnitt jüngere Männer. Im Schnitt jüngere Männer stehen mit höherer Wahrscheinlichkeit noch im Berufsleben und haben im Schnitt mehr soziale Kontakte als ältere Frauen.

Für mich klingt der Text auch ein wenig danach, dass da jemand Forschungsgelder aus einer bestimmten Richtung möchte.

Chocoholic
11
5.11.2010, 12:58
es ist immer wieder erstaunlich, wie Männer es schaffen,

selbst wenn etwas einmal tatsächlich um Frauen geht, sich und ihre Probleme in den Vordergrund zu drängen. Verp**s dich!

woifee 0.0
01
4.11.2010, 12:50

Deshalb auch die Pille für den Mann, kann doch nicht sein, dass die weniger gefährdet sind.

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