Kampf dem Heuschnupfen

Sublinguale spezifischen Immuntherapie in Tablettenform bekämpft Ursachen und Symptome

Wien - Gute Nachricht für Heuschnupfenallergiker: Ab sofort stehen Kindern und Erwachsenen in Österreich die neue Tablette zur Immunisierung gegen Gräser- und Roggenpollen zur Verfügung. Die saisonale 5-Gräsertablette bekämpft die Ursachen - und die lästigen Symptome - der zugrunde liegenden Allergieerkrankung. Sie wird drei Jahre lang vier Monate vor dem Pollenflug und dann durch die Saison hindurch eingenommen.

"Die neue Immuntherapie deckt das in Österreich vorhandene Gräserpollenspektrum sehr gut ab", sagt der Leiter des Österreichischen Pollenwarndienstes Siegfried Jäger, von der HNO-Klinik der Medizinischen Universität Wien. Laut WHO kann der Allergiker nach Abschluss der Immuntherapie mit einem allergiefreien Leben rechnen.

Asthma stoppen

"Dass die neue Therapie bereits für Kinder ab 5 Jahren zugelassen und nur mehr saisonal einzunehmen ist - das heißt nicht das ganze Jahr hindurch - sind wesentliche Erleichterungen", meint der Kinderarzt Peter Voitl, Leiter des Ambulatoriums für Kinderkardiologie in Wien. Therapietreue ist dabei entscheidend für den Behandlungserfolg. Komplexe Therapieschemen erschweren dieses Ziel. Je einfacher das Medikament verabreicht werden kann und je besser es sich in den natürlichen Tagesablauf integrieren lässt, desto höher ist auch die Compliance.

Laut WHO entwickeln 40 Prozent der PatientInnen mit allergischem Schnupfen Asthma, rund 80 Prozent der Asthmatiker leiden gleichzeitig an Heuschnupfen. Menschen mit Heuschnupfen tragen ein zehnfach höheres Risiko, an Asthma zu erkranken, als Menschen ohne zugrunde liegende Allergie. In Österreich hat sich die Zahl der Heuschnupfen-Allergiker zwischen 1986 und 2003 mehr als verdoppelt, jene der Asthmatiker fast vervierfacht. Weltweit leiden bereits 300 Millionen Menschen an Asthma. In Europa stehen Allergien an erster Stelle der chronischen Krankheiten: rund 35 Prozent der Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter und auch jedes dritte Kind sind betroffen. Kann der aktuelle Trend nicht gestoppt werden, wird im Jahr 2015 bereits jeder zweite Europäer an einer Allergie leiden.

Frühzeitig therapieren

"Wenn man die Allergiesignale früh erkennt und die Ursachen wirksam behandelt, kann ein Fortschreiten hin zum Asthma oft verhindert werden", so Voitl. Der wichtige erste Schritt ist allerdings, dass man rechtzeitig den Arzt aufsucht. Voitl: "Viele kleine Allergiepatient kommen zu spät in die richtige Behandlung. Hier muss das Problembewusstsein sowohl bei den Eltern als auch bei den MedizinerInnen geschärft werden. Kinder mit Symptomen müssen frühzeitig einer allergologischen Abklärung zugeführt werden."

Die saisonale Immuntherapie, entwickelt vom französischen Allergiespezialisten Stallergenes, desensibilisiert den Organismus gegen die allergieauslösenden Allergene. Darüber hinaus wirkt sie auch rasch und stark gegen die lästigen Symptome - bereits ab dem ersten Behandlungsmonat, wie eine in Wien durchgeführte klinische Studie, belegt.

"Dass die Wirkung gegen Symptome wie rinnende, juckende Augen und Nase oder auch eine ständig verstopfte Nase rasch einsetzt, ist besonders wichtig für PatientInnen mit schweren Atemwegsallergien", meint Friedrich Horak, Leiter des Allergiezentrums Wien West sowie der weltweit führenden Wiener Allergen-Provokationskammer, in der die Studie durchgeführt wurde. "Da die saisonale Behandlung schon vier Monate vor der Pollensaison beginnt, genießen AllergikerInnen bis zum Pollenflug bereits einen hohen Schutz gegen diese Symptome." (red)

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