Bildungs-Bastion

3. November 2010, 17:55
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Die aufwändigen Bilder der "grünen Hölle" sind eine letzte Bastion in der Kommerzhölle

Wenn sich die Leute vom Stamm der Matis vor der Jagd selbstgefertigte drogenartige Augentropfen verabreichen, um besser zu sehen und mit dem Urwald eins zu sein, und dann einer mit Blasrohr und Giftpfeil einen kleinen Affen, der 30 Meter über ihm im Gehölz turnt, herunterholt, ist klar, warum man "Universum" sieht. Die Chancen, den Matis, die "so gut wie nie" danebenschießen, sonst wo zu begegnen, sind einfach zu gering.

Dass der für den NDR gemachte Dreiteiler "Mythos Amazonas", den der ORF immerhin koproduziert, den etwas konventionellen Stil vergangener Doku-Epochen à la Paradiese der Tiere atmet, muss kein Nachteil sein. Überhört man die pathetischen Phrasen, die der populären Aufbereitung geschuldet sind und von "Wesen, die unsere Vorstellungskraft übersteigen" erzählen, bleibt ein gut abgestimmter Vortrag, der sowohl naturwissenschaftliche als auch entdeckungsgeschichtliche Aspekte (Alfred Russel Wallace) anreißt. Er begleitet Bilder, die nicht auf größtmögliches Spektakel abzielen, sondern der Wissensvermittlung untergeordnet sind.

Die aufwändigen Bilder der "grünen Hölle" (Christian Baumeister filmte drei Jahre) sind als Teil der "Universum"-Reihe eine letzte Bastion tatsächlichen Bildungsfernsehens in der Kommerzhölle von Infotainment und Superlativ-TV. (Alois Pumhösel/DER STANDARD; Printausgabe, 4.11.2010)

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"Universum" zum Nachsehen in der ORF TV-Thek

Weitere Teile am 9. und 11. November

  • Die Matis.
    foto: orf

    Die Matis.

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