Ein Meister kommt selten allein

3. November 2010, 17:30
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84 Meisterwerke umfasst die im Zuge der 81. Kunstauktion am 9. November im Kinsky zur Versteigerung gelangende Auswahl. Museal ist jedes einzelne davon

Wien - Er mag nur einer von vielen Künstlern sein, von denen "im Kinsky" (vormals "Wiener Kunst Auktionen") seit der ersten Auktion im Dezember 1993 eine Vielzahl an Arbeiten versteigert wurden. Und doch ist Egon Schiele wie kein anderer Vertreter der Klassischen Moderne eng mit der Erfolgsgeschichte des Unternehmens verknüpft. Durchaus auch über die vielen aquarellierten Zeichnungen, die hier im Laufe der Jahre und über nahezu jede der bislang 80 abgehaltenen Versteigerungen den Besitzer wechselten.

Zu den wahren Meilensteinen zählen jedoch zwei Ölgemälde. Klammert man solche aus dem weniger bedeutenden Jugendwerk Schieles und damit vor 1909 entstandene aus, dann sind es die beiden Einzigen, die in drei Jahrzehnten in Österreich überhaupt auf den Markt gelangten.

In einem für alle Beteiligten nervenaufreibenden Bietgefecht sicherte sich Rudolf Leopold 1998 das ganzfiguriges Aktporträt Mädchen aus dem Jahr 1917, für umgerechnet 3,56 Millionen Euro. Knapp zwölf Jahre lang markierte dieser Zuschlag den höchsten hierzulande jemals in einer Auktion erzielten.

Für das 2005 angebotene Stadtbild von Krumau (1912) bewilligte ein Sammler aus den USA mit 1,23 Millionen Euro ebenfalls ein kleines Vermögen.

Ein Ergebnis, das auch internationale Aufmerksamkeit generierte sowie eine für potenzielle Verkäufer durchaus vertrauensbildende Gesamtbilanz.

Insofern ist es weniger Zufall als das wohl durchdachte Kalkül eines amerikanischen Verkäufers, Egon Schieles Prozession hierzulande zu einem vielbeachteten Auftritt zu verhelfen. Dass es sich bei dem Einbringer um Ronald Lauder handelt, will Kinsky-Direktor Otto Hans Ressler auf Vertraulichkeit verweisend nicht bestätigen. Und ja, 2007 gab das 1911 ausgeführte Ölbild in New York sein Auktionsdebüt. Ein vergebliches, schlicht, weil der Schätzwert zu hoch gegriffen war.

Mit einer vergleichsweise moderaten Taxe von 3,5 bis sieben Millionen Euro geht es jetzt als rekordverdächtiges Zugpferd im Palais Kinsky an den Start. In Sachen drohender Ausfuhrsperre wird es jedenfalls kein Hindernislauf, aus dem Ausland kommend ist diesem Sensationsanwärter deshalb freies Geleit gewiss.

Aus Sicht der Kinsky-Experten benötigte das Meisterwerk nur noch die standesgemäße Begleitung. Die fand sich über die Sogwirkung seit der Bekanntgabe beinahe von selbst. Einen Großteil der anderen 83 Kunstwerke, die am 9. November den Besitzer wechseln sollen, hätte man zu diesem Zeitpunkt und in dieser Qualitätsdichte sonst nicht bekommen, wie Ressler bestätigt.

Musealität war der Anspruch für die 81. Kunstauktion und ist der gemeinsame Nenner, trotz der stilistischen, motivischen und technischen Vielfalt der in den unterschiedlichen Sparten angebotenen Objekte. In der Sektion Klassische Moderne hat Schiele - nebst zwei weiteren Zeichnungen aus seinem Atelier - weitere 18 Mitstreiter.

Darunter Gustav Klimt, der etwa mit einer Gorgonen-Studie aus dem Beethovenfries (Sammlung Leopold) vertreten ist, oder Herbert Boeckl, der seine Ehefrau 1937 in einem Bildnis verewigte. Eine völlig andere, weil indirekte Porträtform wählte Rudolf Wacker 1924 in einem Stillleben mit Blumenkrug und Spielzeug, mittendrin eine blaue Puppe, die Ilse Wacker symbolisierte. (Olga Kronsteiner/ DER STANDARD, Printausgabe, 4.11.2010)

 

  • In seinem Ölgemälde "Prozession" thematisierte Egon Schiele 1911 das Werden und Sterben, versinnbildlicht von drei Frauen in unterschiedlichen Lebensaltern.
    foto: im kinsky

    In seinem Ölgemälde "Prozession" thematisierte Egon Schiele 1911 das Werden und Sterben, versinnbildlicht von drei Frauen in unterschiedlichen Lebensaltern.

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