Großbritannien und Frankreich beenden offiziell jahrhundertelange Rivalität
Spott über die Fähigkeiten des französischen Militärs dominierte am Mittwoch die Schlagzeilen der britischen Presse: der rechte Flügel der in einer Koalition mit den Liberaldemokraten regierenden Tories sei empört über die Übereinkunft mit den "cheese eating surrender monkeys", schreibt zum Beispiel der Guardian.
Der auf 50 Jahre befristete Kooperationsvertrag, den David Cameron und Nicolas Sarkozy am Mittwoch unterzeichneten, soll vor allem die Militärbudgets der beiden europäischen Atommächte in Grenzen halten: so wird der einzige Flugzeugträger der Briten, der frühestens 2015 vom Stapel läuft, abwechselnd mit der französischen Charles de Gaulle eingesetzt werden. Dafür ändern die Briten die Pläne ihres Langzeitprojekts "Queen-Elizabeth", das nun doch mit Katapulten ausgestattet wird. Ziel ist, dass immer einer der beiden Flugzeugträger auf See ist und von Maschinen beider Streitkräfte benutzt werden kann.
Außerdem wollen beiden Länder wollen bei der Forschung an atomaren Sprengköpfen zusammenarbeiten. Weil Atomtests verboten sind, wird inzwischen in komplexen Simulationszentren gearbeitet, wo die Sicherheit der Waffen erprobt wird. Weiters verhandeln die beiden Staaten mit dem Rüstungskonzern EADS über einen Vertrag zur Wartung ihrer künftigen Flotte von Militärtransportern des Typs Airbus A400M.
Die Franzosen dürften mit dem neuen Militärbündnis einen lukrativen Exportmarkt für ihre "Exocet" Anti-Schiffs-Raketen verlieren, die in der Vergangenheit von Argentinien gegen britische Schiffe und in einem Fall vom Irak gegen die US-Frigatte USS Stark eingesetzt wurden.
Sarkozy verspricht Unterstützung
Das Verhalten der Franzosen während der Falkland-Krise löst auch heute noch Besorgnis aus, obwohl Sarkozy beteuerte, man werde im Falle einer kriegerischen Auseinandersetzung, in die die Briten verwickelt würden, "keinesfalls mit verschränkten Armen dasitzen".
Großbritannien und Frankreich hatten bereits 1998 in St. Malo vereinbart, ihre Kräfte zu bündeln und innerhalb der EU die sicherheitspolitische Zusammenarbeit voranzutreiben. Dies löste Sorgen in der deutschen Rüstungsindustrie aus, dass eine zu enge Kooperation der beiden größten Rüstungskäufer in Europa zulasten der deutschen Unternehmen gehen könnte. (red/Reuters)