Alle drei Bergsteiger tot

3. November 2010, 12:59
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Zwei von ihnen dürften versucht haben, im Schneesturm und mit Verletzung ins Tal zu kommen - Hohe Lawinengefahr im Einsatzgebiet

Kals - Der Aufstieg einer fünfköpfigen Bergsteigergruppe aus Polen auf den 3.798 Meter hohen Großglockner am Samstag hat drei Todesopfer gefordert. Am Mittwoch wurden die Leichen der beiden vermissten Alpinisten von einem Polizeihubschrauber in 2.600 Metern Höhe auf der Kärntner Seite des Massives gefunden. Sie lagen damit fast 1.000 Höhenmeter unterhalb der Fundstelle des 53-jährigen Polen, der von Bergrettern bereits am Sonntagabend gefunden worden war.

Details unklar

Warum die beiden Verunglückten so weit abgekommen waren, war für die Alpinpolizei vorerst unklar. Zwei weitere Kameraden haben den Aufstieg unbeschadet überstanden. Die aus der Hohen Tatra stammende Gruppe war am Samstag zu Österreichs höchstem Berg aufgestiegen.

Die laut Bergrettern gut ausgerüsteten Alpinisten gingen in einer Zweier- und einer Dreierseilschaft. Während ein 21-Jähriger und dessen 22-jähriger Freund zum Gipfel kamen, dürfte die Dreierseilschaft in Schwierigkeiten geraten sein. Erst beim Eintreffen der Zweierseilschaft in der unterhalb der Adlersruhe gelegenen Stüdlhütte am Sonntag hätten die Polen Alarm geschlagen und die Rettungskette in Gang gesetzt. 

Unbegehbare Route

Zunächst wurde am Sonntag der 53-jährige Bergkamerad tot gefunden, drei Tage später die beiden Vermissten am sogenannten Lammereis östlich der Pallavicinirinne, eigentlich eine unbegehbare Route.

Was die beiden Freunde, die ursprünglich in einer Dreierseilschaft mit dem 53-Jährigen (der Vater eines der beiden anderen toten Polen) zum Gipfel aufgebrochen waren, so weit von der Route abgetrieben habe, könne derzeit nicht gesagt werden. "Die polizeilichen Ermittlungen sind erst am Anfang", erklärte der Leiter der Alpinen Einsatzgruppe, Franz Franzeskon, der an der nächtlichen Bergung der Leiche des 53-Jährigen beteiligt war.

Für alle drei Opfer wurde eine Obduktion angeordnet, um Todesursache und -zeitpunkt zu klären.

Am Sonntag hatte einer der Vermissten - ein 24-jähriger Pole - per SMS seiner Mutter berichtet, dass er sich den Fuß gebrochen habe und dass es ihm "schlecht" gehe. Jetzt müsse geklärt werden, ob die Beinverletzung tatsächlich so schwer gewesen sei wie zunächst angenommen. Immerhin habe er noch rund 1.000 Höhenmeter zurückgelegt. In diesem Zusammenhang seien auch im Ausland umfangreiche polizeiliche Erhebungen durchgeführt worden - unter anderem, um die Umstände und die Verhältnisse innerhalb der Gruppe zu verstehen.

Bei der Suche nach den vermissten Alpinisten waren am Mittwoch insgesamt 30 Bergretter, acht Alpinpolizisten und zwei Bergrettungsärzte im Einsatz. Zusätzlich befanden sich permanent zwei Hubschrauber in der Luft, um Suchflüge durchzuführen. Während des Sucheinsatzes habe die gesamte Zeit Lawinenwarnstufe "4" bestanden.

Widrige Bedingungen für Einsatzkräfte

In dem Gebiet hatte es mehr als einen halben Meter Neuschnee verbunden mit durch orkanartige Böen verursachte Schneeverwehungen gegeben. "Die Situation für die Einsatzkräfte war zum Teil grenzwertig", schilderte Franzeskon. Nach den wolkenverhangenen Tagen gab es am Mittwoch strahlenden Sonnenschein und ein tief verschneites Bergpanorama, was die Suche nach den Vermissten erheblich erleichterte.

Die Leichen der zwei gefundenen Verunglückten wurden zuerst zum auf 1.920 Meter hoch gelegenen Lucknerhaus geflogen und anschließend nach Heiligenblut beziehungsweise nach Matrei in Osttirol gebracht. Dort befand sich auch die Leiche des 53-Jährigen, der von Bergrettern am Dienstagabend zur Adlersruhe gebracht worden war. (APA)

  • Im Gebiet des 3.798 Meter hohen Großglockner standen am Vormittag 18 Bergretter, zwei Ärzte sowie acht Alpinpolizisten im Einsatz.
    foto: expa/ bergrettung kals/ toni riepler

    Im Gebiet des 3.798 Meter hohen Großglockner standen am Vormittag 18 Bergretter, zwei Ärzte sowie acht Alpinpolizisten im Einsatz.

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