Frontex-Einsatz in Griechenland

Festung der Reichen

2. November 2010, 20:09

Das fatale Zusammenwirken nationaler Egoismen unter einem machtvollen gesamteuropäischen Schirm hängt die Sorge um die neu Ankommenden den Staaten an der EU-Außengrenze allein um - von Irene Brickner

Wärmebildkameras und Hundestaffeln, Vernehmungsexperten und Dolmetscher: Mit Manpower und technischem Gerät soll jetzt der Grenzüberschreitung von - zuletzt immer mehr - Flüchtlingen an einem Teilstück des griechisch-türkischen Flusses Evros/Mariza Einhalt geboten werden. Die Aktion trägt Züge einer Alibihandlung: Nur schmal ist der Uferlandstrich, an dem die allererste "schnelle Eingreiftruppe" der EU tätig geworden ist.

Und sie kommt einer Symptombekämpfung gleich, wenn man die Asylpolitik der Union als dahinterliegende Störung anerkennt - und nicht, wie es Populisten und Rechte gerne darstellen, die Flüchtlinge an sich. Das fatale Zusammenwirken nationaler Egoismen unter einem machtvollen gesamteuropäischen Schirm hängt die Sorge um die neu Ankommenden den Staaten an der EU-Außengrenze allein um.

Dort nämlich sollen die Flüchtlinge nach dem Willen der meisten europäischen Regierungen tunlichst auch bleiben, freiwillige Aufnahmeaktionen kommen nicht infrage. Widersetzen sich die Betroffenen und reisen nach Mittel- und Westeuropa weiter, schickt man sie zurück: Dublin II. Und schickt gleich Flüchtlingsabwehrtechnik sowie -experten nach. Derzeit noch recht wenig. Doch würde in derlei Aktionen mehr Geld gesteckt: Das umzäunte Europa als Festung der Reichen wäre nur noch eine Frage der Zeit. (Irene Brickner/DER STANDARD - Printausgabe, 3.11.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 63
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robinsons freitag
03
4.11.2010, 09:27
Genau. Symptombekämpfung.

Deshalb lasse ich meine Wohnungstür, wann immer ich ausgehe, weit offen.

Denn: wenn Einbrecher reinwollen, kommen sie ja sowieso rein. Da nützt leider nichts, denn ich ja kann meine Wohnung nicht zur menschenrechtsfeindlichen Festung aufrüsten.
Daher habe ich aufgegeben = bin endlich vernünftig und human geworden.
Menschenrechtsfeindliche Wohnungsfestung deshalb, weil Einbrecher ja nicht per Spaß einbrechen, sondern aus not.
Durch das Offenlassen setze ich also ein humanes Zeichen.
Und vernünftig ist es auch, weil eine offene Tür vom Einbrecher nicht beschädigt wird.

Ich bin deshalb dafür, dass wir offene Wohnungstüren in die Verfassung aufnehmen.
Schließlich sind wir das 3.(?) oder 7.(?) reichste Land der Welt oder sogar noch reicher!

hast1
10
4.11.2010, 19:58
immerhin ist es ein menschenrecht,

daß einem alle türen offen stehen.

Heinz Anderle
 
02
3.11.2010, 19:42
Es sollte zwar aufwendig, nicht aber gänzlich unmöglich sein,...

... diese im wesentlichen dem Flußlauf folgende derzeitige EU-Außengrenze mit einem (provisorischen) Zaun abzuriegeln, sodaß die illegalen Grenzübertritte weitgehend vermieden werden können.

Auf Satellitenbildern wirkt die Grenze jedenfalls recht durchlässig. Es liegt zweifellos im Interesse der gesamten EU, dies vorübergehend zu ändern.

Dr. Heinz Anderle, Freigeist

das jüngste Gerücht
10
3.11.2010, 18:20

Was hat man eigentlich aus der Völkerwanderung gelernt?

1116er
41
3.11.2010, 15:30
auch das alte rom glaubte,

sich durch grenzsicherung vor den zeitläuften schützen zu können.
...und schon gab es das alte rom nicht mehr!

kann man ein dorf vor einem tsunami schützen, indem man eine mauer rundherum baut?
und ein (verglichen mit heute) tsunami steht uns bevor. die zahl der heute asylsuchenden bzw migrationswilligen ist nichts im vergleich zu der anzahl derer, die es in (naher) zukunft versuchen werden.

die ENZIGE möglichkeit, das zu verhindern, wäre eine perspektive für diese leute in ihren heimatländern.
aber das würde einen eckpfeiler unseres systems zum einsturz bringen: unser verhältnismäßig tolles leben auf kosten anderer weiterzuführen, müsste eingeschränkt werden.

auf keinen fall! wir investieren lieber in eine sinnlose symptombekämpfung!

Ernst Kratochwil
02
4.11.2010, 14:42
Demzufolge braucht auch niemand etwas gegen irgend

eine Krankheit machen, weil auf lange Sicht ohnehin noch alle gestorben sind.

Sie werden nicht viele finden die sich dieser Logik anschliessen.

Die Frage ist eben das "wann", und hätten sich die Römer beim ersten Galliereinfall nicht gewehrt, dann wären sie schon viele Jahrhunderte früher untergegangen.

sljudanka
01
3.11.2010, 18:35
"Wir" haben also schuld an den traurigen Zuständen in den Heimatländern der Zuwanderer

das mag stimmen - oder auch nicht.

Geschuldet ist unser Problem zum grossen Teil auch einem geographischen Umstand - EUropa liegt räumlich relativ nahe zum ärmsten und devastiertesten Teil der Erde - zu Schwarzafrika.

Wenn wir Afrika nicht mehr "Ausbeuten" tuns die Chinesen - nur - die sind 2 Ozeane und 5 Länder davon entfernt - während zu uns genügt ein Boot und Füsse zum Laufen....

"Wir" werden das Problem Afrika wohl auch nicht lösen können - allein schon wegen der gewaltigen Geburtenrate in Schwarzafrika.
Arabien ist ein anderer Fall, dort geht die Geburtenrate dzt. dramatisch zurück.

Jedenfalls werden "wir" dort nichtmehr viel helfen können, weil "wir" weder die Mittel noch die Menschen haben um dort irgendwas bewirken zu können.

maxbz
02
3.11.2010, 18:26
das alte Rom

wäre schon viel früher durch die Barbaren zugrunde gegangen, wäre es nicht so gut geschützt gewesen.
Wahrscheinlich hätte es sich ohne Schutz nicht mal ansatzweise so gut entwickeln können.

Daraus sollten wir unsere Lehren ziehen.

Johannes Benn
12
3.11.2010, 14:31
.

es ist nicht möglich die eu komplett vor nicht erlaubtem zuzug zu schützen. wichtig ist aber, dass man es den zuzüglern an der grenze und dann auch innerhalb der eu möglichst schwer macht, damit der unerlaubte zuzug nicht weiter an attraktivität gewinnt.

talknet
00
3.11.2010, 17:59
Spitzenidee

wir könnten zum Beispiel die Steuern erhöhen - ach so, das haben wir ja schon. Mist - andere Idee.

Johannes Benn
02
3.11.2010, 18:33
.

umgekehrt wird ein schuh draus. die steuern werden bei der mitelschicht erhöht. bedürftige bekommen von diesen erhöhungen nichts mit. im gegenteil: gerade die ausbordenden sozialsysteme in europa werden durch steigende steuern finanziert - und machen den unerlaubten zuzug attraktiver

Drecksau
02
3.11.2010, 14:14

Warum haben die USA ihren Zaun im Süden? "Nationale Egoismen" der Bundesstaaten?

Gold und Silber kaufen
 
13
3.11.2010, 13:50
Europa ist reich?? Europa ist pleite!

Millionen Menschen wandern in Sozialsysteme ein, die von Anfang an nur auf Pump finanziert werden konnten. Der Schuldenberg wuchs und mit ihm die Steuerlast, wodurch die Wirtschaft belastet wurde. Ungenügendes Wachstum wurde mit erneuter Schuldenaufnahme beantwortet, in der Hoffnung auf einen euphorischen und gigantischen Wachstumsschub, der klarerweise ausblieb. Am Ende folgen Staatsbankrott und Währungsreform, die Sozialleistungen werden eingestellt, und die Einwanderer zieht es plötzlich wieder zurück in die Herkunftsländer. Was für ein Witz.

geniusgenitalis
12
3.11.2010, 14:59

naja ... warum ziehen sie dann nicht ins reiche aufstrebende china, das luxuriöse indien oder das herrschaftliche russland? wenn sies etwas naturbelassener wollen: zentralafrika!

es wird sie sicher niemand aufhalten, wenn sie dort hin ziehen wollen, denn diese länder und deren leute sind so spendabel ihren reichtum offenherzig zu teilen.

der burli
14
3.11.2010, 13:46
"asylpolitk", so ein quatsch.

in der hauptsache gehts um wirtschafts"flüchtlinge".
und die können, und sollen, an den Eu-botschaften ein visum beantragen,
genauso wie asylsuchende dort um asyl ansuchen können, und sollen.

Müff
115
3.11.2010, 11:41
"Festung der Reichen"

Schon der Titel ist schizophren. Mal völlig abgesehen davon, ob wir hier wirklich alle so reich sind, wird doch damit gleichsam zugegeben, warum jährlich Millionen glauben, sich auf den Weg in den Westen machen zu müssen. Deshalb wollen sie auch nach Mittel- und Westeuropa; und ist der erste sichere Drittstaat nicht gut genug, und auch nicht der zweite und der dritte.

Ein paar Zeilen weiter wird dann wieder unreflektiert von Asyl gesprochen.

Man muß leider sagen, daß der Brickner die logische Integrität fehlt, um sich mit so einem Thema anders als auf dem Level einer Edith Klinger auseinanderzusetzen. Auch ist sie nicht lernfähig - oft genug ist sie ja auf ihre argumentativen?? Schwächen hingewiesen worden!

des hoscht künna!!!
82
3.11.2010, 13:12
Im Vergleich zu...

... einem Fischer im Niger Delta der keine Fische mehr fängt und mit 40 an Krebs sterben wird, sind wir reich. Grund = Europäische Erdölkonzerne und deren Anleger.

... oder im Vergleich zu afrikanischen Bauern die die Preise von EU Gemüse nicht unterbieten können und jetzt gar kein Einkommen mehr haben sind wir auch reich. Grund = EU Agrarförderung!

Schlimm, die bösen Afrikaner die glauben in Europa sind wir reicher. Alle selber Schuld!

Ausgeflippter Lodenfreak
07
3.11.2010, 13:47

Bei uns sind die billigen Produkte und Rohstoffe aus den dritte Welt Staaten also angeblich die Ursache für unseren Wohlstand und in der dritten Welt sind die billigen Produkte aus Europa die Ursache für die Armut dort - das klingt nicht logisch.
Um es ganz klar zu sagen: unser Wohlstand hängt letztendlich gar nicht von z.B. Afrika ab. Z.B. Benzin ist extrem hoch besteuert, wenn der Rohstoff teurer würde, würde halt eine Steuererhöhung ausfallen und in Ersatzlösungen investiert.
An der Armut in der dritten Welt ist das Fehlen von demokratischen Rechtsstaaten, die das Wohl aller Bürger im Fokus haben schuld und sonst gar nichts.

emanze c
00
5.11.2010, 15:27

"An der Armut in der dritten Welt ist das Fehlen von demokratischen Rechtsstaaten, die das Wohl aller Bürger im Fokus haben schuld und sonst gar nichts."

Zuallererst ist und war die Kolonialisierung schuld, die funktionierende Stammesgefüge zerstört, Ethnien und Völker, die sich spinnefeind waren in gemeinsame Staaten gesperrt haben, weil das nun mal der Grenzziehung von zB Franzosen und Engländer passte, diese Völker dann über Jahrzehnte geknechtet und ausgebeutet hat, was deren Kultur noch mehr entwurzelte, und dann bei Abzug der Kolonialmächte noch brutalste Diktatoren installierte und stützte, weil sie am vermeintlich besten die jeweiligen Interessen schützen.
Die europäischen Ex-Kolonialmächte sind die Wurzel der afrikan. Diktaturen.

Kuoni_der_Hirt
131
3.11.2010, 11:18
Der Beißreflex der Rechten

wenn sie den Namen Brickner lesen ist erstaunlich.
Worum es in dem Artikel eigentlich geht ist dabei natürlich nebensächlich.

denn ihrer ist das himmelreich
00
3.11.2010, 20:43

tja, so braucht offensichtlich jede politische bewegung ihren reibebaum ...

banks1
23
3.11.2010, 11:12
Die Grenzen zu öffnen

verlagert nur das Problem. Wer helfen will muss das da tun wo das Problem liegt -> in den Ländern, aus denen die Flüchtlinge kommen. Einfach nur schreien: "Lasst die armen zu uns kommen" hilft da gar nichts. Jeder, der den Gutmenschen spielt, soll in die betreffenden Länder fahren und dort helfen, aber schreien und etwas tun sind halt 2 Sachen.

langsam
00
3.11.2010, 17:49

Könnten nicht sie einen Gutmensch spielen?

che guevara1
12
3.11.2010, 13:11
tja unde was tun wir

wir zwingen afrikanischen ländern den freihandel zu unseren regeln auf und zerstören die lebensgrundlage von millionen menschen. wir marschieren humanitär natürlich in andere länder ein usw.

robinsons freitag
00
4.11.2010, 18:15
Österreich kann niemanden auch nur einen alten Schuh aufzwingen. Ö (= wir) ist international ein Niemand!

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