Das fatale Zusammenwirken nationaler Egoismen unter einem machtvollen gesamteuropäischen Schirm hängt die Sorge um die neu Ankommenden den Staaten an der EU-Außengrenze allein um - von Irene Brickner
Wärmebildkameras und Hundestaffeln, Vernehmungsexperten und Dolmetscher: Mit Manpower und technischem Gerät soll jetzt der Grenzüberschreitung von - zuletzt immer mehr - Flüchtlingen an einem Teilstück des griechisch-türkischen Flusses Evros/Mariza Einhalt geboten werden. Die Aktion trägt Züge einer Alibihandlung: Nur schmal ist der Uferlandstrich, an dem die allererste "schnelle Eingreiftruppe" der EU tätig geworden ist.
Und sie kommt einer Symptombekämpfung gleich, wenn man die Asylpolitik der Union als dahinterliegende Störung anerkennt - und nicht, wie es Populisten und Rechte gerne darstellen, die Flüchtlinge an sich. Das fatale Zusammenwirken nationaler Egoismen unter einem machtvollen gesamteuropäischen Schirm hängt die Sorge um die neu Ankommenden den Staaten an der EU-Außengrenze allein um.
Dort nämlich sollen die Flüchtlinge nach dem Willen der meisten europäischen Regierungen tunlichst auch bleiben, freiwillige Aufnahmeaktionen kommen nicht infrage. Widersetzen sich die Betroffenen und reisen nach Mittel- und Westeuropa weiter, schickt man sie zurück: Dublin II. Und schickt gleich Flüchtlingsabwehrtechnik sowie -experten nach. Derzeit noch recht wenig. Doch würde in derlei Aktionen mehr Geld gesteckt: Das umzäunte Europa als Festung der Reichen wäre nur noch eine Frage der Zeit. (Irene Brickner/DER STANDARD - Printausgabe, 3.11.2010)