Im Schneckentempo durch die älteste Stadt Österreichs

2. November 2010, 18:07
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Ganz langsam gegen die Krise - Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde

Enns - Die Vorschriften für das "Largest Human Animal Image" sind genauestens einzuhalten. Nur so kann der Versuch, die größte Città-Slow-Schnecke der Welt aus Menschen zu bilden, auch ins Guinness-Buch der Rekorde kommen. Vor Zeugen müssen sich mindestens 250 Menschen zu einem Schneckenhaus eindrehen, den Körper formen und sich zu Fühlern formieren. Das lebende Bild hat dann für zehn Minuten zu halten.

Die Idee zum Weltrekord kam vom Eltern-Kind-Zentrum Bunter Kreis in Enns. Tage vor dem Event legten die Initiatorinnen mit einer Schnur eine Schnecke auf den Boden der Stadthalle, um so zu berechnen, wo wie viele Personen zu sitzen haben. Tatsächlich kamen 337 Ennser. "Der Weltrekord ist geschafft", verkündete Andrea Wertgarner, Obfrau des Bunten Kreises. Der Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde im nächsten Jahr ist damit sicher - und der Gedanke von Città Slow wird weiter publikgemacht.

Als erste Gemeinde Österreichs wurde Enns 2007 zur langsamen Stadt erklärt. Die Vereinigung "Città Slow", gegründet 1999 im italienischen Orvieto, hat es sich zum Ziel gesetzt, urbane Langsamkeit zu fördern, Hektik und Verkehrslärm aus den Städten zu verbannen. Voraussetzungen für diesen Titel sind eine aktive Umwelt- und Infrastrukturpolitik sowie Stärkung der Lebensqualität.

Reanimierte Innenstadt

Für die 11.000-Einwohner-Stadt Enns war die Anwartschaft auf den Titel der Versuch, die Innenstadt vor dem weiteren Aussterben zu bewahren. Verantwortlich für diese prekäre Situation sind nicht allein die im Speckgürtel von Linz entstandenen Einkaufstempel, die den kleineren Städten im Umland die Kaufkraft abziehen. Auch die Stadtpolitik hat dazu beigetragen. Am Rande von Österreichs ältester Stadt entstanden neue Geschäftszentren, die Haupteinkaufstraße in der Innenstadt wurde Fußgängerzone. Die Folge: sinkende Kundenfrequenz und Geschäftsschließungen.

Im Prüfbericht über Enns kam der Landesrechnungshof 2009 zu dem Schluss, dass die Stadt mit der Città-Slow-Bewegung "zielführende Maßnahmen ergriff, um den hohen Leerstandsquoten von Geschäftsräumen entgegenzuwirken".

So wurde die Fußgängerzone in eine Zentrumszone umgewandelt. Diese soll, so heißt es in der Verkehrsordnung, "Interessen von Wirtschaftstreibenden, Anrainern und Kunden in Ortskernen vereinen". Die Ennser Zentrumszone ist nun für Fußgänger und Autofahrer gleichermaßen freigegeben, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 20 km/h. Zudem beschloss der Gemeinderat "keinerlei Geschäftsgebietswidmungen in Enns mehr vorzunehmen". (ker/DER STANDARD - Printausgabe, 3.11.2010)

  • In Enns herrscht das Prinzip der Langsamkeit. So soll wieder Zeit fürs Bummeln bleiben.
    foto: stadt enns

    In Enns herrscht das Prinzip der Langsamkeit. So soll wieder Zeit fürs Bummeln bleiben.

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