Infektiologie

Antibiotika verändern die Darmflora langfristig

2. November 2010, 14:06
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    foto: apa/georg hochmuth

    Antibiotika wirken auf den Darm länger als bisher vermutet.

Resistenz-Gene auch noch zwei Jahre später vorhanden - Restriktiver Einsatz der Antibiotika wird immer wichtiger

Stockholm/Wien - Die Darmflora braucht nach einer Antibiotika-Therapie viel länger als bisher vermutet, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Das berichten Forscher um Cecilia Jernberg vom Swedish Institute for Infectious Disease Control in der Fachzeitschrift "Microbiology".

Schon eine siebentägige Behandlung mit Antibiotika kann den normalen Darmbakterien Antibiotika-resistente Gene verpassen, die selbst ohne der Einnahme weiterer Antibiotika auch noch zwei Jahre später feststellbar sind. Das zeigten die Wissenschaftler durch die Auswertung mehrerer Studien zum Thema.

Reparatur des Darms dauert länger

Als "Wasser auf die Mühlen der Resistenz-Warner" bezeichnet Christoph Wenisch, Leiter der Abteilung Infektions- und Tropenmedizin am Wiener SMZ Süd, die Ergebnisse. Da über 1.000 verschiedene Spezies den Darm bewohnen, ist die Ausbildung vieler Antibiotika-Resistenzen zu erwarten. "Bisher lautet die Lehrmeinung, dass die Darmflora drei Monate nach einer Antibiotika-Behandlung wieder in Ordnung ist. Die Wirkung dauert aber offensichtlich länger. Resistenz-Kodierung bedeutet allerdings noch nicht die Ausprägung dieser Eigenschaft", so der Experte.

Resistenzen im Salat mitessen

Eine direkte Gefahr durch diesen Mechanismus im menschlichen Darm sieht Wenisch nicht gegeben. "Zumindest in Europa verschwindet der Darminhalt in der Kanalisation. Probleme können jedoch bei den tierischen Exkrementen auftreten, etwa wenn die Gülle von mit Antibiotika behandelten Schweinen oder Kühen auf den Feldern verteilt wird. Denn letztendlich essen wir den Salat, der durch diesen Mist gedüngt wird." Von schädlichen Folgen der Antibiotika aus der Viehzucht warnen Ärzte immer wieder.

Zweimal nachdenken ist besser

Das Ergebnis der schwedischen Forscher sieht der Infektiologe als weiteren Hinweis dafür, dass man mit Antibiotika äußerst sorgsam umgehen müsse. "Vor einer leichtfertigen Verschreibung sollte ein Arzt immer zweimal nachdenken. Restriktiver Einsatz von Antibiotika wird immer wichtiger, um die zukünftige Verbreitung von resistenten Mutanten zu vermeiden", so Wenisch. Derzeit sei dieses Thema aktueller denn je. "Bisher begegnete man Resistenzen mit der Entwicklung eines neuen Antibiotikums. Heuer gibt es noch kein neues Antibiotikum." (pte)

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Posting 1 bis 25 von 59
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Lilith Boessse
 
10
5.11.2010, 18:15
da wird sich die pharma-industrie aber gar ned freuen!

und manche ärzte auch nicht. da gibts schon welche die haben schon den rezepte-block gezückt und ver-schreiben schon ein anti-biotikum, bevor man überhaupt noch fertig erklärt hat, welche symptome einen zwicken.
wenn man im vergleich dazu sessions bei homöpathen gewohnt ist ......

anyway, was sind die alternativen zu antibiotika?

Jane Lane
 
00
7.11.2010, 15:32

"anyway, was sind die alternativen zu antibiotika?"

Sich der natürlichen Auslese beugen, wallfahrten, ein misanthropischer Lebensstil mit Ausweitung auf sämtliche Tier- und Pflanzengattungen, in einer riesigen Blase leben,...

Nein, ernsthaft: wenn es hart auf hart kommt, gibts keine.
Verheerend ist nur die künstlich aufgebaute Antibiotikaresistenz bei Mensch und Tier, in dem man das Zeug zur Nutztierfütterung beigibt oder auch bei jedem Halswehwehchen gleich zum Doc rennt und quasi in Todeskrämpfen nach 2 Kilo Penicilin intravenös verlangt...-.-

Piwakawaka
02
3.11.2010, 14:15

Muss man ausgerechnet Viagra abbilden, wenn man über Antibiotika schreibt...?

werwolfi
01
4.11.2010, 14:35

eben - wo es ja praktisch ein probiotikum ist ;o)

Votaris
 
01
3.11.2010, 21:17
Stimmt...

garnet aufgefallen *gg*

greenling
12
3.11.2010, 13:24
guter tipp:

lasst euch nie von eurem hausarzt antibiotika verschreiben... es ist meistens das falsche (bei mir schon 2mal der fall gewesen, was zu 2maliger antibiotika-einnahme und verlängerung der krankheit geführt hat)- besser gleich zum facharzt, wenn man was wirklich ernstes hat - der rest geht eh von alleine mit den üblichen hausmittelchen in ein paar tagen weg.

Godesberg
11
4.11.2010, 20:50

Warum gehen Sie überhaupt zum Arzt wenn Sie es doch ohnehin besser wissen?

fertigprodukt
00
4.11.2010, 10:22

ich verstehe sowieso nicht, dass keine bakterienabstriche gemacht werden, BEVOR antibiotika verordnet werden.

Hlodyn
00
4.11.2010, 21:04

Ich weiss ja nich wo Sie hingehen aber normalerweise wird eine Kultur angelegt und gleichzeitig ein Breitbandantibiotikum gegeben, während der Behandlung kommt das Ergebnis und man kann ggf. umstellen.
Selbstverständlich wird das bei unkomplizierten Dingen (Harnwegsinfekt bei Frauen etc.) nicht gemacht, da in 90% der Fälle das AB gleich anschlägt, tut es das nicht kann immer noch getestet werden, ohne den Patienten ernsthaft zu gefährden.

Andreeeas
00
4.11.2010, 19:28

Ich glaube, das ist eine reine Kostenfrage.

Votaris
 
00
3.11.2010, 21:19
Ich überlegs mir auch immer dreimal

... bevor ich Antibiotika nehme, doch als ich dieses Frühjahr, nacheinander innerhalb von 8 Tagen eine Halsentenzündung, eine Ohrenentzündung und anschließend eine Augenentzündung bekam, nahm ich sie doch.
Außerdem führen Antibiotikaeinnahmen bei Frauen leider auch zu Vaginalpilz. Dort ist auch ein schützender Bakterienrasen.

greenling
00
3.11.2010, 22:19

ich hatte das pech nach einer woche halsentzündung die falschen antibiotika zu bekommen um dann nach einer weiteren woche nochmal antibiotika nehmen zu müssen...

schottebaer
00
3.11.2010, 12:06
So einfach es nicht ist

Zahlreiche Male musste mein Sohn schon Antibiotika nehmen - Stichwort eitrige Angina. Mehrfach habe ich mir versucht mein eigenes Bild zu machen. Ich bin überzeugt, dass es auch ohne Antibiotika geht, aber es gibt Risiken, dass sich das ohne Antibiotika auf Herz, Gelenke und Nieren niederschlägt. Wie groß das Risiko tatsächlich ist - wer kann das schon in unserer panischen Welt sagen? Alternative Wunderheiler? Ärzte mit Naheverhältnissen zur Pharmakonzernen?

Pe Sa
01
3.11.2010, 12:30

es ist ja auch kein problem bei starken bakteriellen erkrankungen antibiotika zu nehmen. (zB eitrige angina)

zu beachten ist nur:
- verordnete dauer der behandlung laut beipackzettel unbedingt einhalten
- unterstützende maßnahmen nicht vernachlässigen (es gibt antibiotika die nur das wachstum hemmen, der körper muss sie dann noch selbst töten, während der behandlung ist man aber symptomfrei, das kommt erst nachher wieder)
- wiederaufbau der darmflora (man kann diese 2 jahre sicher verkürzen indem man präparate zum darmfloraaufbau einnimmt, 1. beschleunigt es den wiederaufbau, 2. werden resistente zellen durch große anzahl neuer zellen "ausgespült".

die warnung bei antibiotika bezieht sich ja auf sozusagen "missbrauch".

Godesberg
22
3.11.2010, 12:23

Es gibt sicherlich mehr Ärzte die unnötig Antibiotika verschreiben, weil die Patienten das fordern, als Ärzte die das tun um irgendwelche Geschäfte zu machen (da ist sowieso vieles nichts mehr als urban legend).

Und trotz Resistenzen gilt immer noch: besser einmal zu oft verschrieben als einmal zu wenig.

Ich habe grade erst wieder einen ganz typischen Fall mitbekommen: eine Mutter hat ihr Kind bei einer Mittelohrentzündung über Monate (!) homöopathisch behandelt, ohne Erfolg und unter großen Leiden fürs Kind. Erst auf Intervention einer Bekannten ist sie zum Arzt gegangen, da war es aber schon zu spät. Die Entzündung hat man zwar schnell in den Griff bekommen aber das Kind hat bleibende Hörschäden davongetragen.

fertigprodukt
10
4.11.2010, 10:26

aha, und wer sagt dir, dass das kind mit antibiotika keinen hörschaden gehabt hätte? gerade bei mittelohrentzündung wird bei kindern oft mit antibiotika gearbeitet, ohne überhaupt bakterientests zu machen (moe kann auch nicht bakteriell sein). schwerste allergien, neurodermitis und sonstige chronische erkrankungen entstehen durch diese falschbehandlungen. diese sind nicht minder als ein hörschaden.

the academic cyber sense
01
4.11.2010, 18:59

welche bakterientests schweben dir denn bei einer mittelohrentzündung denn so vor???

guggi102
11
4.11.2010, 07:44

Und das ist noch die harmloseste Komplikation. Das Kind hätte auch eine eitrige Meningitis erleiden und ein Pflegefall bleiben können.
Oder eine Myocarditis mit anschließendem Herztransplantationsbedarf, Immunsuppressiva ein Leben lang.

Dann lieber doch ein paar Monate eine veränderte Darmflora.

fertigprodukt
03
3.11.2010, 10:08

bisher haben einen ärzte immer für blöd erklärt, wenn man gesagt hat, dass man ein halbes jahr nach einer antibiotikagabe noch durchfälle hatte und daher auf keinen fall antibiotika nehmen will.
braucht man wirklich für alles studien? sind die ärzte heutzutage wirklich so unfähig, die gesundheit ihrer patienten zu beurteilen??

birka
00
5.11.2010, 21:54

Wennst keine Antibiotika nehmen willst dann stellt sich halt die Frage was du von deinem Arzt gerne möchtest - tröstende Worte?

Natürlich braucht man Studien. Oder sollen wir uns alle danach richten was ein paar Schlaumeier im Standard-Forum an persönlichen Erfahrungen posten?

Naphtali
01
3.11.2010, 12:34

1. Ärzte schwören auf Antibiotika - diese bringen "schnelle" Erfolge und die Patienten sind kurzfristig zufrieden. Alles, was diese "schnellen" Erfolge infrage stellt, wird ignoriert.

2. Ärzte sind aber teilweise lernfähig - vor allem wenn sie irgendwelche Studien schwarz auf weiß haben.

3. Ganz besonders lernfähig sind Ärzte, wenn es um Aussendungen von Erzeugern geht - wenn also irgendwo irgendetwas von einer Laktoseintoleranz steht und dass man die testen sollte, dann können Sie als Patient sicher sein, dass 9 von 10 Ärzten bei Ihnen plötzliche Laktoseintoleranz diagnostizieren und dass Sie diese abtesten sollten.

4. Wenn Ihnen also ein Arzt bei Durchfall nach Antibiotika einen Laktosetest verordnet, dann wissen Sie warum ;-).

fertigprodukt
00
4.11.2010, 10:29

1. ja, viele ärzte wollen gar nicht langfristig denken. bringt ja mehr fürs geschäft.
2. eben deshalb ist obiger artikel vielleicht wichtig
3. ja. leider gibts viele ärzte, die nichts lieber tun, als neue medikamente (gegen bezahlung!) an patienten zu testen und unnötige untersuchungen machen. (laktoseintoleranz erkennt man auch ganz ohne test. nach darmsanierung und TCM-behandlung haben die meisten patienten keine probleme mehr)
4. oder eine darmspiegelung! (anstatt einen bakterientest machen zu lassen, der einem zeigt, ob vielleicht was nützliches fehlt)

Godesberg
32
3.11.2010, 13:49

Yeah! Endlich wieder ein Thema wo man schön hemmungslos auf Stammtisch-Niveau auf die "Halbgötter in weiß" eindreschen kann!

Haben Sie mal irgendetwas wie einen Beleg, Daten, Statistiken usw.? Oder ist das unnötig?

priority
10
3.11.2010, 18:42
Altbewährt nach Daten, Studien und anderen Krimskrams fragend.

Godesberg und Co Bonair.
Was brauchens denn für Antibiotika noch für eine Studie?

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