Der Graf kehrt zurück ins Spiegelzelt

2. November 2010, 10:19
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Palazzo-Chef Oliver Jauk führte das "erfolgreichste europäische Gourmet-Theater" am Wochenende in die zehnte Spielzeit

Das Spiegelzelt im Prater ist längst fixer Bestandteil des Wiener Showstadtplanes - und das, obwohl die Wiener Gastro-Eventismus meist skeptisch beäugen. Dennoch jubelte Palazzo-Chef Oliver Jauk, als er den Wien-Ableger des - laut Eigendefinition - "erfolgreichsten europäischen Gourmet-Theaters" am Wochenende in die zehnte Spielzeit führte: Wiens Palazzo - "Geschwister" gibt es u. a. in Amsterdam, Berlin und München - ist traditionell gut gebucht. Auch, weil die Wiener sich gern von Reinhard Gerer bekochen lassen. Egal wo.

Freilich bejubelten die Premierengäste - unter anderen Hans Mahr, Paulus Manker und Pius Strobl - heuer vor allem die liebenswerte Show. Denn Jauk setzt diesmal auf das größte Asset des Zeltes - den familiären Varieté-Reiz - und inszeniert die Rückkehr des größten Palazzo-Erfolges: den Ball des Grafen Voronin. Diese Romanze zwischen Evgenyi Voronin und seiner tanzenden Gliederpuppe (Svetlana Perekhodova) kaschierte sogar, dass die Feinabstimmung des Menüs noch ein paar Proben vertragen hätte: So fein jeder Gang konzipiert war, fehlte jedes Mal jene Raffinesse, die sehr gute von Spitzenküche unterscheidet.

Dass zum Schlussapplaus dann Reinhard Gerers Köche aus der Küche kamen, der Starkoch selbst aber aus dem Foyer, war gewiss nur Zufall - und fiel nicht weiter auf: Alle Augen waren auf den Grafen und seiner Marionette gerichtet. (rott, DER STANDARD, Printausgabe, 2.11.2010)

  • Palazzo: der Ball des exzentrischen Grafen.
Foto: www.palazzo.org
    foto: www.palazzo.org

    Palazzo: der Ball des exzentrischen Grafen.

    Foto: www.palazzo.org

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