Blech und Segel oder das Dach der Welt

2. November 2010, 16:41
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Der eine setzt auf Sparen, der andere auf Souveränität: 320d Cabrio und E 500 Cabrio. DER STANDARD testete kurz vor Saisonende BMW und Mercedes

Es ist ein unfairer Vergleich, weil hier zwei Fahrzeuge einander gegenübergestellt werden, die sich so nicht miteinander vergleichen lassen und die in mehrerlei Hinsicht recht unterschiedliche Philosophien verfolgen. Aber gerade das macht es spannend. Es geht um: Blech gegen Fetzendach. Und es geht um: Diesel gegen Benzin. Mehr noch: Es geht um Spar-Diesel gegen Protz-Benzin.

Um die Felder einmal abzustecken, ganz neutral: Auf der einen Seite haben wir einen 3er BMW, das neue Cabrio mit dem Blechdach, also quasi ein Coupé, mit dem kleinsten Dieselmotor, den es hier gibt, es ist der Zweiliter mit 184 PS. Auf der anderen Seite das Mercedes E-Klasse Cabrio, ganz klassisch mit Stoffverdeck, jetzt aber mit der Topmotorisierung, das obere Limit, ein Achtzylinder mit knapp 400 PS aus fünf Litern Hubraum.

Was die Motorisierung betrifft, ist es natürlich ganz unfair. Weil der Achtzylinder von Mercedes herrlich und prächtig ist, ein Vergnügen und eine Wohltat, da kann man, seufz, ins Schwärmen geraten. Aber er säuft. Eine unangenehme Eigenschaft, wenn man ein bisserl ein ökologisches Denken hat und wenn man ein bisserl aufs Börsel schaut. Da wird man den Achtzylinder dann vielleicht nicht so toll finden.

Den Diesel-Vierzylinder von BMW schon eher: günstig und sparsam. Also richtig sparsam. Theoretisch wären fünf Liter möglich, wo man mit dem Mercedes gut und gern mehr als das Doppelte runterschüttet. Das Fahren ist jetzt nicht nur das pure Vergnügen, es geht ja auch mehr ums Sparsam-Sein. Da nimmt man ein wenig hantig und kantig schon in Kauf. Was jetzt nicht heißt, dass der kleine BMW-Diesel nicht geht. Die Daten sind ja nicht so schlecht. (Der Mercedes dagegen – ach, wie die acht Zylinder treiben! Bis zur nächsten Tankstelle.)

foto: christian fischer
White & Black: Zwei schöne und auch sportliche Cabrios, aber in dieser Anordnung weit voneinander entfernt. Das 3er Cabrio mit festem Dach und sparsamem Diesel, Mercedes E mit satter Benzin-Power und weichem Verdeck.
foto: christian fischer

Ganz unterschiedlich auch das Image der beiden Autos: Der 3er BMW ist jung und frech und sportlich und schick. Erst recht als Cabrio. Der Mercedes E dagegen: nicht für Charme oder Sportlichkeit bekannt, eher für die ältere Generation, sauber, brav und anständig. Eher konservativ.

Als Coupé dagegen gewinnt die E-Klasse an Jugend, an Agilität und ja, doch, da ist fast ein Hauch von Erotik. "Sexy" sagte man früher. Und als Cabrio überhaupt: cool und schick. Wenn man will, kann man sogar Pfeife rauchen.

Erstaunlich ist, wie gut sich 388 PS in einer E-Klasse anfühlen und wie flott sich der Wagen bewegen lässt. Sehr souverän, das hätte man vom ersten Hinschauen gar nicht vermutet. Der 3er BMW kommt mit dem Diesel-Sparprogramm naturgemäß wenig breitspurig daher, ist aber prinzipiell das jüngere, beweglichere und sportlichere Fahrzeug. Quasi Online gegen Print.

Der nächste ganz grundsätzliche Unterschied ist eine Glaubensfrage. Oder eine Geschmacksfrage: Blech oder Stoff. BMW setzt hier erst einmal auf Feststoff, der sich zusammenklappt. Das finden die Puristen jetzt nicht ganz ästhetisch und zu modern, außerdem kostet es ganz schön Platz im Kofferraum. Aber: wie ein Festdach. Da zieht noch weniger als nichts, das ist noch leiser als leise.

Wobei man unter dem Fetzendach des Mercedes praktisch auch nichts hört und nichts von einem Luftzug merkt, aber, um ehrlich zu sein, vielleicht doch ein Haucherl mehr.

Je nach Geschmack sind Mercedes wie BMW tolle Autos – und wer will: Auch den Mercedes gibt es in einer Diesel-Sparvariante und den BMW mit ganz üppig PS. (Michael Völker/DER STANDARD/Automobil/29.10.2010)

  • Hier wird geblecht: Beim 3er BMW legt sich das feste Dach recht 
aufwändig und kunstvoll in Falten und Schichten zusammen.
    foto: christian fischer

    Hier wird geblecht: Beim 3er BMW legt sich das feste Dach recht aufwändig und kunstvoll in Falten und Schichten zusammen.

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    grafik: der standard

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  • Dieses Dach fetzt: Beim E-Klasse-Mercedes wird noch traditionell 
zusammengeknüllt, da werden die Falten gepflegt statt gebügelt.
    foto: christian fischer

    Dieses Dach fetzt: Beim E-Klasse-Mercedes wird noch traditionell zusammengeknüllt, da werden die Falten gepflegt statt gebügelt.

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