ATTAC will Umlageverfahren erhalten

3. Mai 2003, 20:53
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Protestaktion gegen "Geschäft mit der Angst" - Sprecher Felber: Finanzmarktrisiko für die große Mehrheit nicht leistbar

Das globalisierungskritische Netzwerk ATTAC hat am Freitag ein Zeichen für den Erhalt des Umlageverfahren gesetzt. Vor der Zentrale der Wiener Städtischen Versicherung fütterten Kinder ihre Großeltern großzügig mit Stücken vom Pensionskuchen, um zu zeigen, dass der Generationenvertrag nicht durch Werbung zerstört werden darf.

ATTAC sieht das Vertrauen in das staatliche Pensionssystem schwer beschädigt. Durch Werbung für private Vorsorge sei in den letzten Jahren die Basis dafür gelegt worden, dass neoliberale PolitikerInnen das Umlageverfahren schrittweise zugunsten der kapitalgedeckten 2. und 3. Säule rückbauen, was den Banken und Versicherungen ein riesiges Geschäft bringen werde. ATTAC machte die Werbung zum Gegenstand einer Aktion.

Pensionskuchen groß genug

In Anlehnung an ein preisgekröntes Werbesujet gab ein Kind von einem Riesenkuchen, der den Pensionskuchen darstellen sollte, seinen Großeltern zu essen. Dies sollte die Werbebotschaft der Versicherungswirtschaft, wonach sich die aktuelle Generation von Erwerbstätigen nicht ´auf die Großzügigkeit ihrer Kinder` verlassen solle, konterkarieren. "Der Pensionskuchen ist groß genug für alle", so Christian Felber von ATTAC Österreich. "Nach 50 Jahren Wirtschafts-, Vermögens- und Pro-Kopf-Einkommenswachstum wäre es vollkommen ungerechtfertigt, breiten Bevölkerungsschichten die Einkommen zu kürzen."

Nach Ansicht von ATTAC werde die österreichische Bevölkerung die Finanzmarktabhängigkeit im Pensionssystem noch bitter bereuen. Schon heute stünden in Großbritannien und den USA große Teile einer Generationen vor der Altersarmut, weil sie ihre Hoffnungen in Aktien gesetzt hatten. Weltweit würden infolge der Aktienbaisse Pensionskassen und Lebensversicherer in Konkurs gehen. "Es wäre absurd, sich von den Risikomärkten höhere Sicherheit im Pensionssystem zu erhoffen", so Felber. Die Finanzmärkte seien so instabil, dass selbst bei einem moderaten Portfolio-Mix aus 50% Aktien und 50% Anleihen die Pensionshöhe je nach Antrittsjahr um 100% schwankt. "Dieses Risiko kann sich die große Mehrheit der Menschen nicht leisten", so Felber.

Teures Kapitaldeckungsverfahren

Außerdem sei das Kapitaldeckungsverfahren um ein Vielfaches teurer als das Umlageverfahren. Während letzteres mit 1,8% Verwaltungskosten auskomme, verschlinge eine gewöhnliche Lebensversicherung 12 - 15% der Beiträge für Verwaltung, Werbung und Gewinn. Pensionsfonds schluckten international bis zu 30% der Beiträge. Die Verrentung des angesparten Kapitalstocks verringere diesen um bis zu 25% verringert. Besonders getroffen werde die Umstiegsgeneration: Sie muss gleichzeitig die auslaufenden Umlage-Pensionen finanzieren und für die eigene Privatpension ansparen.

Die kapitalgedeckten 2. und 3. Säulen seien in jeder Hinsicht dem Umlageverfahren unterlegen: Sie seien teurer, riskanter und unsozialer. Die Umschichtung von Budgetmitteln von der 1. zur 2. und 3. Säule ist daher nach Ansicht von ATTAC ein grober wirtschafts- und sozialpolitischer Fehler. "ATTAC hat zahlreiche Vorschläge, wie man den Generationenvertrag erhalten und das solidarische Pensionssystem langfristig finanzieren kann. Dafür lohnt es sich, Werbung zu machen", so Felber abschließend. (red)

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    foto: rsy/attac

    ATTAC-Aktion vor der Wr. Städtischen Versicherung: "Der Pensionskuchen ist groß genug für alle"
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