Tilgungsträger in Not

1. November 2010, 10:34
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Neue Steuer verunsichert - Versicherungshülle gefragt

Wien - Passend zum Weltspartag wurde am Freitag heiß über die neue Wertpapier-Steuer von 25 Prozent diskutiert. Experten rechnen mit massiven Problemen - und Umschichtungen. Banker sorgen sich vor allem um vergebene Kredite (oft in fremder Währung), die mit einem Ansparplan kombiniert sind, mit dessen Früchten die Tilgung erfolgen soll. Diese Tilgungsträger sind ohnehin schon in Not, weil die gekauften Aktien oder Fondsanteile an Wert verloren statt gewonnen haben.

Nun bringt die neue Steuer die Renditen zusätzlich unter Druck (siehe Beispiele in der Grafik). Die Banken werden ihre Anforderungen wohl erhöhen, also höhere Ratenzahlungen verlangen, meinen Vermögensberater. Auch das Thema Zwangskonvertierung - Kunden werden zum Umstieg von Franken in Euro "aufgefordert" (was beim derzeit hohen Kurs der Schweizer Währung besonders unattraktiv ist) - werde virulent.

Peter Wageneder von AAA Private Investments rechnet mit einem Run auf fondsgebundene Lebensversicherungen, weil sie im Gegensatz zu Fonds von der Kapitalertragsteuer befreit bleiben. Auch die Lebensversicherung per Einmalerlag werde profitieren. In der Reform versteckt ist eine Ausdehnung der Mindestlaufzeit bei Einmalerlägen von zehn auf 15 Jahre, in der Erträge steuerfrei bleiben. Bei Ausstieg innerhalb der Frist steigt die Versicherungssteuer von vier auf elf Prozent.

Viele Anlageexperten raten, Anleihen oder andere Veranlagungen, die in den nächsten Jahren abreifen, vorzeitig aufzulösen und noch heuer zu investieren. Die Steuer schlägt nämlich erst ab 2011 zu. (as, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30./31.10.2010)

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