Keilschrift leichter lesbar gemacht

2. November 2010, 11:52
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Neues Verfahren entwickelt, das die Bilderkennung um ein Viertel verbessert

Heidelberg - Um mesopotamische Keilschrift-Dokumente leichter lesbar zu machen, hat der Heidelberger Informatiker Hubert Mara ein neues Verfahren entwickelt. Dieses basiert auf 3D-Scans der Oberflächen von archäologischen Fundstücken, die mit mathematischen Methoden automatisiert analysiert werden können. Vorgestellt wurde die Methode in einer Forschungsveröffentlichung, die auf einem internationalen Symposium in Paris als "Best Paper" im Bereich Computergrafik ausgezeichnet wurde. Hubert Mara ist Doktorand in der Arbeitsgruppe "Visualisierung und Numerische Geometrie" am Interdisziplinären Zentrum für Wissenschaftliches Rechnen der Universität Heidelberg.

Die Oberflächen von Fundstücken ließen sich bisher bereits mit hochauflösenden Streifenlicht-Scannern dreidimensional abbilden. Bei dieser Methode mussten die im Computerscan erkennbaren Schriftzeichen allerdings manuell durch Abschreiben weiterverarbeitet werden. Mit dem von Hubert Mara entwickelten Verfahren wird das Computerbild mit Methoden der algorithmischen Geometrie detailliert analysiert, um die Einkerbungen der Keilschrift zu ermitteln.

Die neue Methode wird die Arbeit von Assyriologen, die oft mit großen Mengen von Keilschrift-Dokumenten konfrontiert sind, wesentlich erleichtern. Nach Angaben von Hubert Mara erhöht das von ihm entwickelte Verfahren die Bilderkennung um etwa 25 Prozent gegenüber herkömmlichen Technologien. So lassen sich auch Fundstücke, die bereits in Museen archiviert sind, noch detaillierter analysieren. Dabei sind die Möglichkeiten nicht nur auf die Keilschrift beschränkt: Bei der Inschrift eines stark verwitterten jüdischen Grabsteins aus dem 12. Jahrhundert haben Mara und seine Kollegen die Mustererkennung bereits erfolgreich eingesetzt. Die Methode lässt sich zudem bei komplexen Darstellungen nutzen. So hat Hubert Mara etwa bei Reliefs im Stil von Angkor Wat aus der Tempelanlage Banteay Chhmar in Kambodscha künstlerische Details enthüllt, die dem bloßen Auge verborgen blieben. (red)

  • Das Netz aus Dreiecken in der Grafik entspricht dem Relief der 
Keilschrifttafel-Oberfläche, die Schriftzeichen wurden farbig hervorgehoben.
    grafik: hubert mara

    Das Netz aus Dreiecken in der Grafik entspricht dem Relief der Keilschrifttafel-Oberfläche, die Schriftzeichen wurden farbig hervorgehoben.

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