Schwellenländer fürchten die perfekte Welle

29. Oktober 2010, 18:04
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Investoren pumpen immer mehr Kapital in die Emerging Markets. Ökonomen warnen vor den Auswirkungen

Am aktuellen Gipfel der G20 wollten viele an dem Währungssystem schrauben. Die USA, angeführt von Finanzminister Timothy Geithner, betonten, wie wichtig es nicht sei, dass Überschussländer wie China, Japan oder Deutschland ihren privaten Konsum ankurbeln. Doch viel wichtiger als die Worte Geithners sind die Handlungen von Ben Bernanke, Notenbankpräsident der Fed, für die Währungspolitik.

Seine Nullzinspolitik bereitet vielen Notenbankern in Schwellenländern derzeit Kopfzerbrechen. Denn sie sehen sich aufgrund der anhaltenden Politik des billigen Geldes in Europa und den USA einer Welle an frischem Kapital gegenüber. Kapital will hoch verzinst werden, und in Brasilien oder der Türkei gibt es nun einmal mehr zu holen als in den USA oder Österreich. 2010 wird daher mehr Kapital in die aufstrebenden Volkswirtschaften fließen als im Vorkrisen-Jahr 2007.

Das ist zunächst einmal gut für diese Volkswirtschaften, bedeutet das doch mehr Geld für Investitionen und Arbeitsplätze. Es heißt aber auch, dass Investoren die Preise für Aktien und Anleihen steigen lassen und so die Kapitalmärkte in diesen Ländern heißlaufen. In einer Rede vor der Handelskammer der Europäischen Union in Korea hat Choongsoo Kim, Notenbankgouverneur der Bank of Korea, daher vor den Kapitalflüssen als zweischneidiges Schwert gewarnt: "Sie bringen große Vorteile, aber auch große Risiken und Politik-Dilemmata mit sich.“

Glänzende Aussichten

Es sind Länder wie Korea, Brasilien und Thailand, die aus den Industrieländern mit Kapital überflutet werden. Der Economist hat daher auch kürzlich treffend davon gesprochen, dass die Wirtschaftspolitik daher versucht, effiziente "Dämme" zu bauen (The Economist). Brasilien etwa hat Steuern auf Investitionen in Anleihen und Aktien eingehoben, um Investitionen im eigenen Land unattraktiver zu machen, andere Länder überlegen ähnliche Steuern. Das Kapital wird von einem glänzenden Dreigestirn in Schwellenländern angezogen: Hohe Wachstumsraten, eine straffere Geldpolitik (und damit höhere Zinsen) und eine nachhaltige Budgetpolitik, bringt es Andrew Burns, Ökonom der Weltbank, auf den Punkt (Link).

Die Folgen der Kapitalflüsse könnten dabei äußerst negativ sein warnt Burns, denn nicht alle Länder sind in der Lage, die Aufwertung ihrer Währungen zu verhindern. Laut Branchendienst EPFR sind alleine 2010 fast 50 Milliarden Dollar alleine in Anleihenfonds, die in schwellenländern investieren, geflossen. Der malaysische Ringgit, der thailändische Baht und der brasilianische Real sind für die aktuelle Entwicklung symptomatisch, sie werteten gegen den Dollar zwischen 20 und 40 Prozent auf (siehe Grafik). Hohe Kapitalzuflüsse könnten "das Volumen inländischer Kredite erhöhen, Leistungsbilanzungleichgewichte erhöhen und möglicherweise auch Vermögenspreisblasen bewirken", warnt Weltbankökonom Burns.

Kapitalflüsse heute sind eine Folge eines neuen globalen Ungleichgewichts, einer mangelnden Balance von ökonomischer Sicherheit. Anleger schätzen heute Volkswirtschaften und Regierungen in Korea, Thailand oder Südafrika als kreditwürdiger und stärker ein als früher. Zugleich sind Länder wie Großbritannien, die USA oder Japan unattraktive Destinationen. Doch sie haben hohe Erwartungen und am Ende des Tages stellt sich die Frage, ob es genug ertragreiche Investitionsmöglichkeiten für das frische Kapital gibt – oder ob die Hoffnung auf Rendite eine weitere Blase ausgelöst hat.


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