Netter, armer Irrer

29. Oktober 2010, 17:12
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Der erste Fall führt Kommissar Kreutzer ins Rotlichtmilieu - Ab 1. November auf ProSieben

Der erste Fall führt Kommissar Kreutzer ins Rotlichtmilieu. "Ich suche nach den Mördern, und ich kriege sie. Alle. Ich weiß, wie das geht", stellt sich der Neue vollmundig vor. Dass er es schafft, ist so weit keine Überraschung: Die Aufklärungsrate im Fernsehen geht von jeher gegen 100 Prozent.

Trotzdem ist Kreutzer anders, oder er bemüht sich zumindest, anders zu sein: Als Dr. House des Krimis macht er sich ab 1. November (20.15 Uhr, ProSieben) mit penibler Wahrnehmung, penetrantem Zynismus und beharrlicher Sturheit auf Mörderjagd.

Mit der Einführung der Figur hält sich die Serie nicht lange auf. So festigt sich schnell der Eindruck, man hat es bei diesem sperrigen Ermittler mit einem Irren zu tun, der mit Eitelkeit ("Ich löse den Fall hier" ) sein Genie nur herbeiredet, als es zu beweisen. Eine Chance, den zappeligen Kommissar zu mögen, eröffnet sich erst, als er eins auf die Nase bekommt: "Warum hat Tarzan keinen Bart?" , "Warum haben Adam und Eva auf allen Bildern einen Bauchnabel?", "Gibt es ein anderes Wort für Synonym?" Mit diesen Fragen habe er sich als Kind beschäftigt, sinniert er auf dem Boden - und schon stellt sich Mitgefühl ein: Dieser Kommissar ist ja wirklich ein Irrer, nett! Und keiner könnte darin besser sein als Christoph Maria Herbst, der bereits dem verrückten Büroboss Stromberg das Maximum aus dem Typus "Armer Irrer" herausholte.

Dennoch: Die Kopie ist eben nur die Kopie. Die Verdächtigen als überdurchschnittlich einfältig darzustellen, damit sie garantiert auf Kreutzers mitunter recht plumpe Finten reinfallen? Zynismus wird auf die Dauer ermüdend. Auch Dr. House ist zwischendurch immer wieder "ganz lieb". (Doris Priesching, DER STANDARD; Printausgabe, 30./31.10./1.11.2010)

  • Christoph Maria Herbst als Kommissar Kreutzer
    foto: stefan erhard/prosieben

    Christoph Maria Herbst als Kommissar Kreutzer

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