Tirol

Keine Ergebnisse nach Sonderlandtag zu UMIT

29. Oktober 2010 14:38

Keine Abstimmung über Untersuchungsausschuss oder Misstrauensantrag gegen Landesrat Tilg - Tilg gestand Fehler ein

Innsbruck - Der Tiroler Sonder-Landtag zu den Problemen bei der privaten Tiroler Gesundheitsuniversität UMIT hat am Freitag keine nennenswerten Ergebnisse geliefert. Es wurde weder ein Untersuchungsausschuss, noch ein Misstrauensantrag gegen den ehemaligen Rektor und jetzigen Landerat Bernhard Tilg beschlossen. Dafür soll eine "informelle Arbeitsgruppe" eingesetzt werden, die, unterstützt von Experten, die Problematik weiter bearbeiten soll. Gemeinsam mit der Tiroler Hochschulkonferenz soll außerdem ein Ausbildungs- und Forschungskonzept entwickelt werden. Tilg gestand gegen Ende der Diskussion Fehler ein. "Es hat nicht immer alles gepasst. Es war nicht alles eitle Wonne", erklärte er.

Die Grünen eröffneten den Sonder-Landtag mit 20 Vorwürfen gegen Tilg. Zum Beispiel, dass an einem Donnerstag an der UMIT fünf Professoren habilitiert worden seien, obwohl es am Dienstag noch keine Unterlagen über ihre Arbeit und die Gutachten dazu gegeben habe. Dass fachfremde Dissertationen angenommen worden seien oder, dass es eine persönliche Verstrickung von Tilg in das Gutachten der Habilitationsschrift von Bettina Staudinger, der Ehefrau des früheren Departementsleiters Roland Staudinger, gegeben habe.

ÖVP stellt sich hinter Tilg

Gegen diese wehrte sich der angegriffene Landesrat mit den Worten: "Das tut man nicht, dazu sind sie nicht befähigt. Sie haben noch nie in 'Science' gearbeitet." Für ihn war die Kritik an ihm "Blasphemie". Dafür entschuldigte er sich später. Er sei beim Aufbau der Privat-Universität großen Herausforderungen gegenüber gestanden, da sei nicht immer alles glatt gelaufen. "Wenn Tilg Anstand hat, tritt er zurück," meinte der Grüne Landtagsabgeordnete Gebi Mair.

Die VP stellte sich hinter Tilg und die UMIT, strich deren Erfolge heraus. Sie warf der Opposition und den Medien vor, die Sache unnötig aufzubauschen und dem Ansehen der Universität in Hall zu schaden. Landtagspräsident Herwig van Staa meinte, dass sicher nicht von einem Supergau gesprochen werden könne. "Schon in München interessiert sich doch keiner für die universitäre Landschaft Tirols", meinte er.

Grüne wollen an Thema dranbleiben

FP-Chef Gerald Hauser fragte wiederholt, warum niemand auf die seit 2007 bestehenden und bekannten Vorwürfe reagiert habe. Dann wäre es nie soweit gekommen, sagte er. Fritz Dinkhauser, Gründer und Obmann der Liste Fritz, warf Tilg vor, ein schlechter Manager zu sein. Als Rektor und als Landesrat habe er "völlig versagt".

Die Grünen sahen nach über vier Stunden Diskussion nur einen ihrer 20 Vorwürfe beantwortet, diesen dafür bestätigt. "Wir werden auf diesem Thema draufbleiben", versprach Klubobmann Georg Willi gegenüber der APA. Die Rektorin und Vertraute des früheren Departmentleiter, Roland Staudinger, Christa Them, und Mitarbeiter der UMIT wohnten der Sitzung bei. Im Vorfeld hatte sich die Opposition auf den Sonder-Landtag geeinigt, um die Arbeit des Österreichischen Akkreditierungsrates nicht durch einen Untersuchungsausschuss, bei dem Tilg der Wahrheit verpflichtet ist, zu verzögern. "Den können wir immer noch einberufen", meinte Willi. (APA)

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16 Postings
prado
04.11.2010 13:32
deshalb eine klare Konsequenz aus dem Skandal

Gesundheitswesen weg von den Ländern und zurück in die Bundesverantwortung

potz
02.11.2010 18:44
'schon in münchen interessiert sich keiner fuer die universitäre landschaft tirols'

realistische einschaetzung herr vanStaa ... ich kann nur die Freude darueber nicht nachvollziehen.

Aber das ist natuerlich voll auf ÖVP Linie: 'Wir muessen Provinz bleiben!'

Labtec80
01.11.2010 23:22

Die UMIT sollte zugedreht werden. Hier kaufen sich viele Leute u.a. aus dem Gesundheitswesen ihre Titel, sehr oft auch auf Steuergeldkosten, schließlich werden Krankenhäuser und deren Mitarbeiter durch die öffentliche Hand finanziert.

Auch zur Donauuni Krems kann man nur sagen: Bitte zudrehen! Ganz allgemein: Diese sogenannten Lehrgänge universitären Charakters schließen zwar mit einem Master ab, oft ist vorher nicht mal eine Matura und auch kein Bachelor erforderlich. Hier kaufen sich Leute ihre Master-Titel. Das wertet dann ECHTE Unis und FH's ziemlich ab, wenn an der Donauuni Master-Titel verkauft werden.

Lehrgänge universitären Charakters gehören schleunigst abgeschafft.
Nur wer einen Bachelor hat, darf einen Master machen!

Canis in urbe custodiendus non est
01.11.2010 07:24
der skandal

ist nicht, was da jetzt kontrolliert aufgekocht wird. der skandal ist vielmehr, dass dieses persönliche prestigeprojekt gealterter Landes- bzw. Lokalpolitiker dazu genutzt wird, um die Med Uni weiter zu schwächen

W. Müller
 
30.10.2010 21:06
Für Ergebnisse war dieser 'Sonderlandtag' auch nicht gedacht.

Zerreden, Verzögern, Verschleiern ist der Auftrag.

skyrock
30.10.2010 11:53
"Blasphemie"

wirft er seinen Kritikern im Landtag vor und offenbart damit sein Verständnis von politischer Führung - Gotteslästerung.

Karl Heiden1
31.10.2010 21:14
So sehen sich die Politiker selbst in Tirol: Gott-ähnlich.

Bei näherem Hinsehen schauen sie aus wie Karel Gott (bzw. dessen Kitzbüheler Pendant Hansi Hinterseer): Zum Vergessen!

desgibtsdonet
30.10.2010 06:21
"Wir werden auf diesem Thema draufbleiben"

Wenn ich das schon hör/les von den Grünen ;-(((

siliconvalley
29.10.2010 19:40
What the f...?

"persönliche Verstrickung von Tilg in das Gutachten der Habilitationsschrift von Bettina Staudinger, der Ehefrau des früheren Departementsleiters Roland Staudinger"

Naja, der alte Sumpf halt, wie eh und je

"Gegen diese wehrte sich der angegriffene Landesrat mit den Worten: "Das tut man nicht, dazu sind sie nicht befähigt. Sie haben noch nie in 'Science' gearbeitet." Für ihn war die Kritik an ihm "Blasphemie". "

Mei, lieb sind's, die Tiroler Politiker und ihre Vasallen ;-)))
Allein der Ausdruck "Sie haben noch nie in Science gearbeitet", bruhaha. War da gemeint "Sie haben noch nie in Science publiziert"? Kennen ja noch nicht mal das Vokabular, aber feste eine Privatuni betreiben. Excellence soweit das Auge reicht ;-))))

kleiner Schelm
24.11.2010 23:25

Na, also ich bin mir sicher: In Science hat Staudiner noch NIE publiziert.

Warum der wohl an die UMIT musste?
Klar, weil ihn keine richtige Uni wollte!

Karl Heiden1
31.10.2010 21:27
Unter lauter Bauernbündlern kein Problem, "Excellence" vorzutäuschen:

Unter Blinden ist der Einäugige König - oder gleich Gott ("Blasphemie"!). Frivole Bräuche eben, hinter den Bergen, bei den sieben Zwergen ...

Jo eh...
29.10.2010 17:10

Einer von vielen Gründen warum man Unis besser nicht in die Hand der ÖVP gibt. Sonst wird Bildung bekämpft und durch Freunderlwirtschaft, niedriges Niveau und Profitmaximierung ersetzt.

Der Vater Staat
29.10.2010 16:35
Bildung als Ware

Am Beispiel des UMIT-Desasters zeigt sich exemplarisch, was Bildung als Ware bedeutet. Ein Doktoratsstudiengang "Gesundheitswissenschaften" mit einer Semestergebühr von 3.300 Euro. Intern war die "Cashcow" unbestritten - und der Titel wurde den AbsolventInnen nachgeschmissen.

Um Staudinger und seine Protegés ist es jedenfalls still geworden ... vermutlich wünscht sich jetzt mancher, er hätte niemals damit zu tun gehabt.

kleiner Schelm
29.10.2010 16:10
Keine Ergebnisse ...

wer hätte es auch anders erwartet.
Die Titelmühle darf munter weiter mahlen und Tiroler Prominenz und zahlende Kunden mit Titeln versorgen.

siliconvalley
29.10.2010 19:42

die Titel sind aber nicht mehr viel wert, nachdem jetzt die Katze ueber die Gepflogenheiten aus dem Sack ist.

Habe kein Mitgefuehl mit Leuten, die glauben, man kann sich einen Titel kaufen, fuer den andere jahrelang wirklich studieren muessen.

kleiner Schelm
29.10.2010 20:55

Wieso? Die meisten schreiben ja nicht Dr. (UMIT/30k€) oder M.Sc (Uni Krems/2 Sem.+Berufsausbildun) hin ... denen geht es halt um ein schönes Türschild und gut.
Ich fürchte, die "Publicity" zieht eher die Klientel an, die diese "Universitäten" suchen.

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